Ein Bäckermeister hat schon mehr als 20000 Bilder aus alter und neuer Zeit zusammengetragen

Ein Bäckermeister hat schon mehr als 20000 Bilder aus alter und neuer Zeit zusammengetragen

Ein Bäckermeister hat schon mehr als 20 000 Bilder aus alter und neuer Zeit zusammengetragen
Fritzen scheut weder Staub noch Stiegen
Bald erscheint sein „Bensberg gestern"

Von unserer Redakteurin Barbara A. Cepielik
Bensberg — Bilder aus der Zeit, da durch die Schloßstraße noch die Postkutschen rollten Fotos aus den Jahren, in dener die liebe Großmama noch eir Backfisch war: Willi Fritzen Bensberger mit Leib und Seele braucht nur einmal in sein Archiv zu greifen und hält die witzigsten Exemplare solcher Szenarien in seinen Händen.
Über 20 000 Bilder aus alte] und neuer Zeiten hat der Bäc- kermeister in seiner Freizeit zusammengetragen und zum Teil auch schon veröffentlicht.
Letztes Jahr gab er — wir berichteten — ein Buch mit dem Titel „Bensberg heute" heraus, derzeit arbeitet er an einem Band, der den Titel „Bensberg gestern" tragen wird. Es soll in etwa zwei Wochen erscheinen.

Sammelleidenschaft

Doch schon lange, bevor sich der Bäckermeister entschloß, Bücher zu publizieren, packte ihn seine Sammelleidenschaft.
Wenn es irgendwo alte Dokumente gibt, ist ihm keine Stiege zu wacklig, kein Dachboden zu verstaubt — dann versinkt er in der guten alten Zeit und gibt nicht eher Ruhe, als bis er gefunden hat, was man ihm versprach.
So zum Beispiel ein Bild des Radsportvereins „Möwe" Bensberg aus dem Jahre 1914. Willi Fritzen sucht und sucht — und wird er selbst nicht fündig, so gibt es mittlerweile schon eine ganze Reihe von alten Bensbergern, die ihm bei seiner Detektivarbeit in Sachen Historie helfen.
„Die Leute kommen oft sogar und bringen mir unaufgefordert alte Photos — weil sie wissen, daß ich mich freue und weil sie außerdem auch sicher sein können, daß sie sie unversehrt wiederbekommen.”
Willi Fritzen — er nennt sich selbst einen „engagierten Hobbyfotographen — macht von den historischen Bildern Reproduktionen, die er dann archiviert. 20 000 photographische Dokumente hat er so im Laufe der Zeit angesammelt.
Der jüngste Coup gelang ihmvor ein paar Wochen. In den Trümmern des Hotels „Stadt Bensberg" stieß er auf einen großen Stapel alter Akten. „Da hab ich dann uralte Fahrkarten der „Hansestadt Köln" rausgefischt, aber auch alte Abrechnungen ..." berichtet Fritzen.
Zu seiner Sammlung aber gehören auch Kopien der Ratsprotokolle von Anno 1874, Abschriften uralter Zeugnisse — die noch der Bensberger Bürgermeister höchstpersönlich signierte — und Prozeßakten.
Sogar die Kopie eines Beschwerdebriefes, den empörte Anwohner an das Stadtoberhaupt schrieben, findet man in Fritzens Schatzkästchen: Die Bürger waren verärgert darüber, daß die neuinstallierte Straßenbahn einen solchen Krach machte. Das war, so Fritzen, „wohl noch vor dem Weltkrieg".

Fritzen kennt manches Histörchen

Und weil, wo Bilder sind immer schnell Geschichten und Anekdoten auftauchen, kennt Willi Fritzen auch manches Histörchen. So zum Beispiel diel Geschichte von „Kossmanns Girrit", dem Signaltrompeter der Bensberger Feuerwehr.
Girrit ( eigentlich Gerhard) hatte zwar immer leidenschaftlich gern Feuerwehrmann werden woll, konnte das aber wegen eines Beinleidens nicht. Alsc mußte er sich damit bescheiden als Signaltrompeter zu fungieren — und das tat er mit großem Eifer.
Eines Tages nun saß er beirr Friseur und war gerade eingeseift zum Rasieren, da stürtze jemand in den Laden, kündend daß es brenne. Girrit also rannte also mit — im wahrsten Sinne —Schaum vor dem Mund zu seinem Haus, blies Alarm — und nichts passierte: Die Kollegen von der Wehr hatten sich einen Spaß erlaubt, von Feuer war keine Spur.
Aber auch von der Witwe Allgey gibt Fritzen eine Geschichte zum Besten, von der er meint, sie sei wahr. Jene Witwe hatte —so Fritzen — ein Hausmädchen, das, kaum hatte sie eine Arbeit verrichtet, fragte „Wat soll isch jetz dunn?" War der Abwasch getan, kam die Frage „Wat soll isch jetzt dunn?", war das Treppenahus gereinigt ebenfalls, und so ging es immerzu.
Bis die entnervte Witwe Allgey — sie wollte ihren Mittagsschlaf halten — dem Mädchen sagte, sie möge doch in ihr Zimmer gehen und den Allerwertesten aus dem Fenster hängen, und sich zur Ruhe legte. Als sie ihr Nickerchen beeendet hatte, fragte die Witwe das Mädchen, was es in der Zwischenzeit gemacht habe. Und die Magd antwortete wahrheitsgetreu, sie habe den Auftrag ausgeführt.
„Na", meinte daraufhin die Witwe entgeistert, „un wat han die Lück jesaht?".. „Nun", gab daraufhin das Mädchen zur Antwort, „Wat sollen se jesaht han.
Juten Tag auch, Frau Allgey, han se gesaht."
Und so geht es immerfort: Willi Fritzen hat inzwischen so-viele Informationen aus der guten alten Zeit gesammelt, daß man beim Erzählen kaum ein Ende findet.
Fritzen hat sogar einen Klön-kreis eingerichtet, in dem sich in unregelmäßigen Abständen alte Bensberger treffen, um die die „neusten" alten Geschichten auszutauschen.
Fritzen, der sich keinesfalls zur Ruhe setzen will, wenn das Buch erscheint, bittet auch weiterhin alle Bensberger, die alte Dokumente und Photos haben, sich an ihn zu wenden. Ein dikkes Dankeschön und die Rückgabe sind — wie Willi Fritzen sagt — Ehrensache.

MIT GIRLANDEN GESCHMÜCKT war die Schloßstraße, als Bensberger zum Ersten Weltkrieg einrückten.

DIE POSTHALTEREI UND PFERDEKUTSCHENSTATION Gieraths um 1900: Wo damals Pferde und Kutschen untergebracht waren, installierte man in den 20er Jahren Garagen.

DIE ERSTE TANKSTELLE in Bensberg lag in der Schloßstraße — die Kopie des Photos von der Einweihung liegt in Fritzens Archiv.

Quelle: 
KStA-19821103 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 23.07.2008