Genau heute vor einem Jahr brannte ein Teil des Kardinal-Schulte-Hauses in Bensberg ab

Genau heute vor einem Jahr brannte ein Teil des Kardinal-Schulte-Hauses in Bensberg ab

Genau heute vor einem Jahr brannte ein Teil des Kardinal-Schulte-Hauses in Bensberg ab
Holzgeruch liegt in der Luft
Dach des schloßartigen Gebäudes wird rekonstruiert: Besserer Feuerschutz oberstes Gebot

Von unserem Redakteur Hans Kloep
Bensberg — Heute vor einem Jahr stand das Kardinal-Schulte-Haus in hellen Flammen, in denen zwei Gladbacher Feuerwehrmänner umkamen. Wo vor einem Jahr die Feuersbrunst wütete, hämmern heute Zimmerleute bei eisiger Kälte in luftiger Höhe, um die „Dachhaut zu schließen", wie Oberbaurat Anton Görgen vom Erzbischöflichen Bauamt Köln die augenblicklichen Arbeiten bezeichnet.
Die Dachhaut allein wird rund vier bis fünf Millionen Mark kosten. „Diese Sache ist vordringlich, damit die Bausubstanz des Hauses keinen weiteren Schaden nimmt", sagt Görgen. Er hofft, daß die Arbeiten am Dachstuhl bis Mitte des Jahres abgeschlossen sind. Über die spätere Nutzung des Kardina-lSchulte-Hauses ist noch nichts bekannt. „Darüber wurde noch nicht entschieden", sagt der Oberbaurat.

Anders als vorher
Der abgebrannte Dachstuhl wird bautechnisch in mancher Beziehung anders als vorher errichtet, obwohl sich äußerlich nichts ändert. Er wird feuersicherer — Und das kostet viel Geld. „Aber das muß sein", sagt der Leiter des Kreisbauamtes, Toni Krämer, der seit 1. Januar 1981 das Brandschutzreferat vom Regierungspräsidenten übernehmen mußte. Seit der Funktionalreform ist Krämer somit oberster Brandschützer im Kreis. Ihm zur Seite steht Brandschutzingenieur Paul Schulz-Sandkaulen, der früher für den Regierungspräsidenten den Rheinisch-Bergischen Kreis betreute.
„Wir haben dem Bauherrn natürlich beim Wiederaufbau wichtige Auflagen für den Brandschutz machen müssen", erklärt Krämer. „Deshalb machen wir auch regelmäßige Kontrollgänge. Nicht nur im Kardinal-Schulte-Haus. Wir haben auch noch andere für den Brandschutz neuralgische Gebäude zu betreuen, wie zum Beispiel das Bensberger Schloß, Haus Blegge oder Haus Lerbach. Wir werden alles daran setzen, daß sich so eine Brandkatastrophe nicht mehr wiederholen kann."
Brandamtmann Hermann Vahland hat in einem Fachaufsatz auf einige Brandschutzmängel des Kardinal-Schulte-Hauses vor dem Brand hingewiesen. Im abgebrannten Gebäudeteil seien die Decken und Wände des ausgebauten Dachgeschosses zwar feuerhemmend ausgebildet gewesen. Der darüber liegendeetwa vier Meter hohe Dachboden habe aber aus Holzbauteilen ohne Schutz gegen Brandeinwirkung bestanden. Vahland bescheinigt dem Hausherrn, vieles für den Brandschutz getan zu haben. Er habe sogar aufwendige Arbeiten zum Feuerschutz ausführen lassen, die sehr viel Geld gekostet hätten. 1971 habe eine Uberprüfung des Gebäudes durch den Brandshutz stattgefunden, die Anlaß für die Verbesserungen gewesen seien. Aber der Schaden hätte kein solches Ausmaß angenommen, wenn zum Beispiel die massiven Trennwände über das Dach geführt und als Brandwände ausgebildet gewesen wären. In diesem Fall hätte der westliche Gebäudetrakt und der Kapellenbereich an der Gebäudeostseite wahrscheinlich kaum Schaden genommen. Allerdings seien sich Brandschutzexperten darin einig, daß eine derartige Brandschutzforderung zum damaligen Zeitpunkt nicht hätte durchgesetzt werden können. Dies sei eine Kostenfrage gewesen. Vorrangig sei die Sicherung von Menschenleben gewesen. Der Brand habe gezeigt, daß sie sich hier für die Hausinsassen bewährt habe. Vahland weist in seinem Bericht auch darauf hin, daß sich nach relativ kurzer Zeit das Feuer über den gesamten Dachraum des südlichen und westlichen Dachtraktes ausgedehnt hat, weil eine kaminartige Wärmeströmung vom Brandherd durch die Dachspitze zum offenen Hauptturm an der Westseite entstanden sei.

Wer ließ die Tür offen?
„Die Brandschutztür der einzigen Trennwand in diesem Bereich hatte offengestanden und somit die Ventilation ermöglicht." Es ist bis heute nicht geklärt, wer die Tür offengelassen hat.
Was 1971 an Verbesserungen zum Brandschutz nicht durchsetzbar war, wird nun vom Kreisbauamt gefordert. Unter der weiterhin aus Holz gestalteten Dachspitze schützen dicke Betonwände die unteren Etagen vor dem Übergreifen von Feuer. Die so ausgebauten Dachgeschosse sehen nicht nur wie riesige Särge aus, sie werden von den Fachleuten auch offiziell „Sargdeckel" genannt.
Über diesen Sargedeckeln entstehen nun in fleißiger Zimmermannsarbeit die Spitzdächer aus Holz. Wo bis vor kurzem noch Brandgeruch in der Luft lag, riecht es jetzt nach frischzugeschnittenem Holz. Die verbrannten Türmchen, die charakteristisch für das schloßartige Gebäude waren, stehen schon wieder aus rötlichem Holz gefertigt auf hölzernen Gerüsten. Bald werden sie mit bergischem Schiefer beschlagen.
Der südöstliche Seitenflügel hat schon fast wieder eine vollständige Dachhaut, während das Spitzdach über dem rückwärtigen Flügel über der Kapelle erst im Entstehen ist. Die Arbeiter haben es zur Zeit bei schneidender Kälte schwer, das Haus unter Dach und Fach zu bekommen. Wie kalt es ist, spüren die Zimmerleute nicht nur am eigenen Körper, sie sehen es auch an den gefrorenen Pfützen auf den Betonflächen.
Ab und zu geht verstohlen ein Blick auf die große Uhr im Innenhof. Aber die zeigt immer dieselbe Zeit an. Sie steht auf 14.25 Uhr, wohl die Zeit, als vor einem Jahr der Brand das Uhrwerk stillegte. Diese Uhr läßt keine Hoffnung mehr auf baldigen Feierabend zu.
Schon der Eintritt ins Kardinal-Schulte-Haus ist frostig und trostlos. An den Wänden sind auf allen Etagen Wasserspuren zu sehen. Lösch- und Regenwasser haben hier gemeinsam ihre feuchten Zeichen hinterlassen. Dicker Staub liegt auf Treppen und Geländer. In dem Haus, das einst Geborgenheit ausstrahlte, läßt heute den Besucher trostlose Kälte schaudern.
Man kann sich im Augenblick kaum vorstellen, daß in diesen Räumen, die 1929 errichtet wurden, bis 1940 und von 1948 an erneut bis 1958 Priester ausgebildet wurden. 1940 hatte das Haus die Reichsregierung übernommen und als Militärlazarett benutzt.

Früher ein Lazarett
Nach Kriegsende übernahmen Engländer, später Belgier das Haus als Lazarett. 1948 wurde es nicht nur wieder für Priesternachwuchs, sondern auch als Alten- und Pflegeheim (nördlicher Gebäudeflügel) benutzt. Als das Priesterseminar 1950 nach Köln verlegt wurde, zog die Thomas-Morus-Akademie (Erwachsenenbildung) ein.
Nun steht das schöne Gebäude seit einem Jahr leer. Wann es sich wieder mit Leben füllt, vermag im Augenblick niemand zu sagen. Zuerst einmal muß das ganze Haus renoviert werden — großem aufwand an Zeit wie Finanzen. Aber Geldprobleme soll es keine geben. Die Versicherungsgesellshaften sind anscheinend bereit, den Schaden zu ersetzen.

DAS DACH DES SÜDOSTRAKTES ist schon bald wieg hergestellt. Fleißige Zimmerleute arbeiten der bei eisiger Kälte in luftiger Höhe.

DER LEITER des Kreisbauamtes, Toni Krämer (links).

ÜBER DEM SARGDECKEL aus Beton entsteht das Spitzdach aus Holz. Überall sind Brandschutzvorkerungen getroffen. Bilder: Haas

DIE TÜRMCHEN auf dem schloßartigen Gebäude werden wieder in alter Form auf die Dächer des Hauses gesetzt.

Quelle: 
KStA-19810221-RN13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 18. Juli 2008