Trauer um B. Blank

Trauer um B. Blank

Ein großer Verlust für das Bergische Land
Trauer um B. Blank
Bürgern geholfen

Bergisch Gladbach (al) —Bertram Blank ist tot. Der Bundestagsabgeordnete der SPD im Wahlkreis 66 starb am , Dienstagmorgen an einer schweren Krankheit. Er wurde nur 48 Jahe alt. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust nicht nur für seine Familie mit drei Kindern, sondern für die Bürger im Rheinisch-Bergischen Kreis und darüber hinaus, für die er stets uneigennützig und mit hohem persönlichen Einsatz gearbeitet hat. Die politische Landschaft ist ärmer geworden. Er war eine Persönlichkeit, die auch bei seinen politischen Gegnern geachtet war.

Bis zuletzt tätig

Die Nachricht von seinem Tode kam für 'die meisten überraschend. Denn bis zuletzt war er in Bonn wie auch im Rheinisch-Bergischen Kreis politisch aktiv. Noch am 1. Mai nahm er an einer Veranstaltung seiner Partei zum Tag der Arbeit im Kreishaus von Bergisch Gladbach teil. Es wurde sein letztes öffentliches Auftreten. Wohl nur wenige wußten, wie es um Bertram Blank stand, wußten von seiner lebensbedroheneden Krankheit, die seine letzten Jahre überschattet hatte. Er selbst ignorierte sie in seinem rastlosen Tätigsein. Sein hohes Amt als Bundestagsabgeordneter forderte von ihm das Letzte.

Wahlerfolg 1972

1972 war Bertram Blank in den Deutschen Bundestag eingezogen.
Sein Wahlsieg über den prominenten und populären Bundesminister Paul Lücke war eine Sensation. Blank hatte sich diesen Erfolg hart erkämpfen müssen. In den ersten vier Jahren seiner Abgeordnetentätigkeit hat sich der ehemalige Erste Beigeordnete der Stadt Bensberg durch immensen Fleiß und hohes Fachwissen profiliert. Auf Grund dieser von ihm erbrachten Leistungen und Fähigkeiten sicherte ihn seine Partei bei den Bundestagswahlen 1976 auf der Reserveliste ab, über die er dann erneut in den Bundestag einzog.

Experte geworden

Im Haushaltsausschuß des Bundestages war der Volljurist für seine Fraktion Berichterstatter für den Einzelplan 30 Forschung und Technologie. Er wurde zum Experten. In dieser Eigenschaft hat er einen wesentlichen Anteil an der Förderung von Großforschungseinrichtungen inder ganzen Bundesrepublik. Dazu gehörten auch Interatom in Bensberg und die DFVLR in Porz-Lind.
Mit der ihm eigenen eisernen Energie verschaffte er sich auch die notwendigen Kenntnisse auf dem Gebiet der Verteidigung. Er lernte die Probleme aus der Sicht der Truppe kennen. Mehrfach nahm er darum an Übungen teiL Seine hervorragenden Kontakte zu Mitgliedern der Bundesregierung wie auch zu Persönlichkeiten seiner Fraktion und Partei ermöglichten es ihm, sich intensiv für die öffentlichen Belange im Bund wie im Kreis einzusetzen. Das galt insbesondere für den einzelnen Bürger.

Für jeden da

Er machte niemals einen Unterschied. Wer seiner Hilfe bedurfte, dem versuchte er an Ort und Stelle wirksam zu helfen. Auch die kleinsten Nöte und Sorgen der Menschen nahm er wichtig. Mehrere tausend Petitionen hat er bearbeitet. Seiner Hilfe war es mehrmals zu danken, daß aus dem Bereich des Ostblocks Familienzusammenführungen möglich wurden
Auch wenn ihn seine Aufgaben als Abgeordneter oft über die Grenzen unseres Landes führten, seiner engeren Heimat wußte er sich eng und treu verbunden. „Ich habe meinen Wählern versprochen, die Hälfte meiner Abgeordnetentätigkeit dem Wahlkreis zu widmen", hat er einmal im Gespräch gesagt. Dieses Versprechen hat er mehr als erfüllt. Dies oft auf Kosten seines Familienlebens, das sehr glücklich gewesen ist. Heimatlichen Vereinen und Verbänden wie dem TV Bensberg hat er als Vorsitzender gedient.

Erst das Menschliche

Die Probleme des Bergischen Landes waren auch die seinen. Beim Konjunkturpro-gramm sorgte er dafür, daß es nicht leer ausging. Er kämpfte im Bürgerinteresse gegen die Bundesbahnstrecke nach Groß-Gerau, gegen eine zweite Start- und Landebahn in Wahn und gegen die A 31. Auch wenn er sich gelegentlich bei Behörden unbeliebt machen mußte, wenn er nicht Popularität erheischen konnte — Bertram Blank blieb ein charaktervoller Mann, der seine Überzeugung niemals verriet. Man wußte bei ihm stets, woran man war. In der Form kannte man ihn stets höflich und verbindlich, auch wenn er in der von ihm vertretenen Sache hart sein mußte. Er hatte Sinn für Humor und liebte das gute Gespräch oder auch eine Festlichkeit zur rechten Stunde. Er wa musisch begabt und hätte gern öfter im Freundeskreis musiziert. Er war literarisch interessiert und gut informiert. Im katholischen Glauben verwurzelt, nahm er die Soziallehre der Kirche ernst und suchte sie mit den sozialen Anliegen seiner Partei in Einklang zu bringen. Sein oftmaliges Eintreten für Minderheiten hat dies bestätigt.
Bertram Blank war geprägt von einer echten humanistischen Gesinnung. Er war bemüht, das Menschliche in der Politik über alle Gegensätze hinweg in den Vordergrund zu stellen, bemüht auch, auszugleichen und gegensätzliche Standpunkte tragbar zu machen. Das hat sich innerhalb der Partei in Ortsvereinen und im Unterbezirk oft bewährt, dessen zweiter Vorsitzender er mehrere Jahre lang war. Sein Tod hinterläßt eine schwer auszufüllende Lücke. Die Offentlichkeit hat ihm viel zu danken. Auf dem Zentralfriedhof Bad Godesberg wird der gebürtige Bonner am Dienstag zur letzten Ruhe gebettet.
Arthur Lamka

BERTRAM BLANK, MdB, wie man ihn kannte: freundlich und aufgeschlossen, als Politiker in Bonn geachtet, bei den Bürgern im Wahlkreis beliebt.
Bild: Günter Möllinghoff

FÜR JEDEN EIN OFFENES OHR: Bertram Blank im Gespräch mit Menschen, die er zusammenführen konnte.

Quelle: 
KStA-ca1978-NR111-RN11 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Telefonisch freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger am 16.11.2007