Städtische Galerie Villa Zanders fertiggestellt

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Damals wie heute: Die Villa Zanders als kultureller Mittelpunkt der Stadt

Die Villa Zanders ist fertiggestellt. Nach mehrjähriger Bauzeit öffnet sie als städtische Galerie wieder ihre Pforten. Aus diesem Anlaß findet am Freitag. dem 31. Januar 1992, um 19.30 Uhr, im gegenüberliegenden Bergischen Löwen und in der Villa Zanders eine große Feier statt. Viele Gäste. Bürger und Freunde der Kunst – unter ihnen Delegationen aller Partnerstädte – sind geladen, um sich davon zu überzeugen, daß die bildende Kunst in Bergisch Gladbach eine hervorragend ausgestattete Heimstatt erhalten hat und das traditionsreiche Haus wieder das sein kann, was es einmal war: Der kulturelle Mittelpunkt der Stadt.
Wenn auch nicht immer optisch erkennbar, so war die Villa Zanders seit 1985/86 ständige Baustelle. Eine Vielzahl von Unternehmen. Handwerkern, Planern und Denkmalpflegern hat in dieser Zeit an diesem Hause Hand angelegt. Rund 4115000 DM sind dabei verbaut worden, rund 337000 DM für die Einrichtung ausgegeben worden. Diese Ausgaben waren stets begleitet von vielen Beratungs- und Arbeitsstunden in den Fachausschüssen des Rates – hier ganz besonders im Ausschuß für Hochbau und öffentliche Einrichtungen und im Kulturausschuß – und der Verwaltung – spezielle dem Hochbauamt und dem Referat für Ausstellungswesen.
Dieser finanzielle Einsatz war und ist eine lohnende Investition, denn in unserer Gesellschaft kommt dem Kulturangebot der Städte eine Schlüsselfunktion zu. An der Qualität und der Quantität des Kulturangebots läßt sich die Attraktivität einer Stadt ablesen.
Zur Baugeschichte der Villa Zanders
1873/74 entstand die Gründerzeitvilla, die der Papierfabrikantenwitwe Maria Zanders als Wohnhaus dienen sollte. Der Kölner Baumeister Hermann Otto Pflaume errichtete das Gebäude nach französischen Vorbildern. Damals lag der Bau noch in einer weitläufigen Gartenlandschaft, die den englischen Parkanlagen nachempfunden war.
1910 ließ Hans Zanders das Haus umbauen. Das ursprüngliche Treppenhaus wurde neugestaltet und der »maurische« Wintergarten neu errichtet. Die Veränderungen betrafen auch das Dach: Die Zwerchgiebel, die Kaminaufsätze und die Dachgitter verschwanden. 1932 vermachte die Familie Zanders die Villa der Stadt Bergisch Gladbach.
Trotz der soliden Bauweise wies das Haus in der Vergangenheit Schäden auf, die nicht nur auf das Alter zurückzuführen waren, sondern auch auf die Funktion des Gebäudes seit seiner Übergabe an die Stadt. Von den 30er Jahren an wurde die Villa unterschiedlichen Nutzungen zugeführt. Von 1933 bis 1972 war sie Domizil des Rheinisch-Bergischen Landratsamtes, seit 1972 Sitz eines Teils der Stadtverwaltung, verschiedener Archive und des Altenberger-Dom-Vereins. Diese Nutzungen und die zeitbedingten Veränderungen in der Umgebung der Villa Zanders haben in der Bausubstanz ihre Spuren hinterlassen.
Auch eine Teilsanierung des Hauses mit einem Neuanstrich der Repräsentationsräume im Jahre 1973/74 anläßlich des 100jährigen Bestehens der Villa, konnte die Vernachlässigung in den Jahrzehnten zuvor nicht wettmachen. Teile des Gebäudes waren schlichtweg unbrauchbar geworden, die Sicherheitsbestimmungen waren nur unzureichend. So konnten nur die ehemaligen Repräsentantenräume für Ausstellungen genutzt werden. Vor diesem Hintergrund ist der 23.05.1985 ein einschneidendes Datum. Denn mit der an diesem Tage im Hochbauausschuß beschlossenen vollständigen Sanierung und dem Umbau wurde der Notwendigkeit zu einer grundlegenden Beseitigung der Schäden und der Aufarbeitung der Bausubstanz entsprochen.
1985/86 erstellte die Architektin Dipl.-Ing. Ulla Schultz-Sandkaulen die Planung des Umbaus. Vor den eigentlichen Arbeiten mußte das fast völlig unbrauchbar gewordene Kellergeschoß samt Außenmauern trockengelegt werden (1985/86). Dieser erste Schritt war einer der wichtigsten zur Erhaltung der Bausubstanz für die Zukunft.
Im April 1987 folgte die Erteilung der Baugenehmigung für den Umbau.
Im 1. Bauabschnitt, Dezember 1987 bis September 1991, wurden das Kellergeschoß, das 1. und 2. Obergeschoß einer »Behandlung« unterzogen mit dem Ziel, eine brauchbare Ausstellungsfläche zu erhalten, die dem späteren Galeriebetrieb voll genügen würde.
Insbesondere wurde das 2. Obergeschoß durch eine besuchergerechte neue Treppenanlage erschlossen. Die geplante Aufzugsanlage wurde installiert, um behinderten Mitbürgern den Galeriebesuch zu erleichtern. Darüber hinaus wurden das Wasserleitungsnetz saniert, alte Fenster durch neue Holzfenster ersetzt und viele wichtige »Operationen« gestartet, um nicht nur das äußere Gesicht, sondern auch die innere Substanz des geschichtsträchtigen Gemäuers am Leben zu erhalten.
Inzwischen setzten Diskussionen ein, denn es gab auch noch das Dachgeschoß mit einer Hausmeisterwohnung, dessen Funktion bis dahin noch nicht festgelegt worden war. Die Meinungsverschiedenheiten wurden schließlich nach dem »wenn schon –dann auch richtig«-Prinzip entschieden. Dem Dachausbau stand im Juni 1991 nichts mehr im Wege, und der 2. Bauabschnitt begann.

Der Dachstuhl der Villa besteht aus einer Holzkonstruktion, die in der Trockenbauweise, d. h. unter Anbringung von Gipskarton-platten und einer Wärme-/KälteIsolierung. saniert wurde.

Grund für den Ausbau des Dachgeschosses war die Tatsache, daß ein sinnvoller und gut funktionierender Galeriebetrieb auch Büroräume für die. Museumsmannschaft fordert, damit diese am Brennpunkt des Geschehens, also mitten in der Galerie, wirken kann. Im Mai 1992 wird das Dachgeschoß endgültig wiederhergestellt sein.

Kommunale Galerie

Im historischen Ambiente der Erdgeschoßräume werden überwiegend Gemälde des 19. Jahrhunderts gezeigt. Sie haben alle einen unmittelbaren Bezug zu Bergisch Gladbach.
So ist der hier geborene, der Düsseldorfer Schule angehörende Johann Wilhelm Lindlar (1816-1896) mit einigen seiner dereinst hochgeschätzten Alpenlandschaften vertreten. Der Düsseldorfer Schule ist auch der Heidelberger Carl Ludwig Fahrbach (1835-1902) zuzurechnen. Von ihm, der öfter in der Villa Zanders weilte und in der näheren Umgebung malte, stammen einige spätromantische Landschaften. Und daß auch Frauen, zumindest in gehobenen Kreisen, gelegentlich malten, ist nicht nur für Maria Zanders belegt (siehe den Gemäldezyklus im nahen Rathaus), sondern auch für zwei weitere Damen der Gladbacher Gesellschaft: für Catharina Fischbach (1804-1872), Gattin des Bensberger Friedensrichters, und Alexe Altenkirch (1871-1943), Professorin der Kölner Kunstgewerbeschule und Werbechefin bei der Firma Zanders. Zusammen mit dem Portraitmedaillons des Bildhauers Hermann Wittig (1845-1882) vermag die kleine lokalhistorische Sammlung eine Vorstellung von der bürgerlichen Kultur einer noch jungen Industriestadt am Ausgang des 19. Jahrhunderts zu vermitteln.

Stiftung Walter Lindgens

Der Kölner Maler Walter Lindgens (1893-1978) stiftete 1973 sein Lebenswerk und seine Kunstsammlung der Stadt. Damit legte er den entscheidenden Grundstein zum Aufbau einer städtischen Galerie in der Villa Zanders, in der seitdem Teile der Stiftung ausgestellt und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
Die Stiftung Lindgens beinhaltet rund 3000 Werke des Künstlers: Gemälde, Handzeichnungen, Druckgrafiken, Skizzenbücher sowie einige kunstgewerbliche Arbeiten. Ferner umfaßt sie grafische Blätter und illustrierte Bücher von bedeutenden Künstlern, insbesondere des Expressionismus, hierunter Drucke von Hecket. Barlach. Campenden, Dix, Felixmüller, Kubin und anderen.
Daneben ist die rheinische Kunst der Nachkriegszeit gut vertreten, beispielsweise mit etlichen Blättern von Peter Herkenrath und Gerhard Marcks.
Aus dem reichen Bestand der Lindgens-Stiftung werden ständig wechselnde Auswahlen gezeigt.

Kunst für alle: Die Artothek

Die Sammlung der Artothek umfaßt druckgrafische Blätter überwiegend deutscher Künstler der Gegenwart. Sie erhebt zwar nicht den Anspruch, einen repräsentativen Querschnitt der jüngeren deutschen Kunst zu vermitteln. Doch lassen sich wesentliche Tendenzen mit typischen Blättern belegen und anschaulich machen. Der Benutzer der Artothek hat die Gelegenheit, sich in den eigenen vier Wänden mit einzelnen Kunstwerken auseinanderzusetzen. Er kann sie in Ruhe für längere Zeit zu Hause »ausprobieren«, mit ihnen in einen persönlichen Dialog treten.
Diese intime Form der Annäherung an Kunst ermöglicht eine Intensität der Wahrnehmung, die bei sporadischen Galeriebesuchen gewöhnlich nicht zu erreichen ist.

Obere Halle mit Skulptur von Michael Kortländer (rechts im Bild).

Sondersammlung: Papier als künstlerisches Medium

Papier – das ist ein Material mit Tradition. Es wird in Bergisch Gladbach seit mehr als 400 Jahren hergestellt. Seine Produktion hat im 19. Jahrhundert die Entstehung der Stadt bewirkt und prägt sie bis auf den heutigen Tag, nunmehr als moderne Großindustrie. die einen weltweiten Markt bedient. Papier ist gewissermaßen zu einem Synonym für Bergisch Gladbach geworden.
Papier als künstlerisches Medium – so heißt auch die internationale Sondersammlung der Städtischen Galerie, die seit 1985 mit Mitteln der Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln aufgebaut wird. Sie umfaßt derzeit rund 100 Arbeiten von solchen Künstlern, die Papier als primäres Arbeitsmaterial verwenden, darunter »Klassiker« wie Oskar Holweck, Christo, Kenneth Noland oder Jiri Kolár, um nur einige markante Namen zu nennen.

Quelle: 
BHB-19920129-S42 (Bergisches Handelsblatt)
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