Planungsausschuß will eine Fachwerkruine partout als Denkmal erhalten

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Planungsausschuß will eine Fachwerkruine partout als Denkmal erhalten
Sind ein paar alte Balken wichtiger als Wohnungen?

Von Gisbert Franken
gf Bergisch Gladbach. Sozusagen mit der Faust auf den Tisch haute am Donnerstag der Gladbacher Planungsausschuß: Zum zweitenmal weigerten sich die Vertreter aller Fraktionen brüsk, die Fachwerkruine Hammermühle aus der Denkmalliste zu streichen und den Weg für die Errichtung von 24 Altenwohnungen auf dem Areal zwischen Strunde und Straße Am Mühlenberg frei zu machen.
Stattdessen soll der Eigentümer, die Kölner Immobilienfirma IIG, verpflichtet werden, das hoffnungslos zerfallene ehemalige Herrenhaus des Strundorfer Mühlenensembles wieder aufzubauen. „Wir könnten ein Bußgeld bis zu einer Million Mark verhängen", zitierte Holger Pfleger, Chef der Demokraten 94, maliziös aus dem Gesetz. „Dafür müßte es sich schon fast wiederherstellen lassen."
■ Der Landeskonservator hat die Ruine abgeschrieben
In diesem Falle dürfte der Bauingenieur irren, jedenfalls wenn dem Gebietsreferenten des Landeskonservators, Dr. Andreas Stürmer, zu folgen ist: Der hat das 200 Jahre alte Fachwerkgebäude, von dem nur noch ein morsches und windschiefes Balkengerüst steht, bereits abgeschrieben: „Eine Instandsetzung ist nicht mehr möglich, egal, welchen Aufwand man betreiben wollte", erklärte er im Februar gegenüber der Bergischen Landeszeitung.
Da die Politiker dieses mit Sicherheit auch gelesen haben, läßt sich der Zornausbruch nur als Trotzreaktion gegenüber der Verwaltung verstehen: Die hatte das Fachwerk-Skelett nämlich praktisch schon zum Abbruch freigegeben — ohne auch nur den Anflug tieferer Betroffenheit —und obendrein auch noch dem Planungsausschuß die Zuständigkeit abgesprochen.
Diese Rechtsauskunft mußte verblüffen: Am 30. Januar hatte der Ausschuß noch als zuständig gegolten. Da hatten die Fraktionen eine Beschlußvorlage auf dem Tisch, vertagten aber den Fall — sehr zum Ärger des Investors, der das Gelände 1996 mitsamt Ruine erworben hatte — und gaben der Verwaltung Hausaufgaben auf, die nicht gerade den Willen auf reibungslose Abwicklung der Denkmallöschung erkennen ließen: Ob man ein Bußgeld verhängen könne, ob ein Rechtsanspruch auf Löschung bestehe und ob dem Planungsausschuß Entscheidungsspielraum bei Streichungen aus der Denkmalliste zukomme?
■ Verwaltung auf dem falschen Fuß erwischt
Die Antworten: Ein bußgeldpflichtiger Tatbestand (Zerstörung des Denkmals) sei verjährt, weil die entscheidenden Handlungen sich in den Jahren 1986 bis 88 ereignet hätten. Weiter könne der Eigentümer tatsächlich einen Anspruch auf Löschung aus der Liste geltend machen, weil laut des rheinischen Amtes für Denkmalpflege der „Denkmalcharakter" verloren sei. Und drittens — und das nahmen die Politiker ganz offensichtlich als Ohrfeige —sei gar nicht der Ausschuß für eine Löschung zuständig, sondern der Stadtdirektor als Untere Denkmalbehörde. Und deswegen war die Beschlußvorlage von Januar bis Aprilzur reinen Mitteilungsvorlage mutiert.
Der Verdacht, daß mit diesem Kompetenzentzug der Ausschuß für sein unbequemes Auftreten im Januar abgestraft werden sollte, lag nahe. Doch wenn die Verwaltung glaubte, den Fall Hammermühle so am geschicktesten abwickeln zu können, so erwies sich das als Bumerang. Selbst CDU und FDP, die vielleicht am ehesten für Entgegenkommen gegenüber dem Investor eingetreten wären, ließen die Hände unten, als Ausschußchefin Helene Hammelrath nach Gegenstimmen zum Antrag Pflegers fragte — sie enthielten sich der Stimme.
Was, wenn sich der Stadtdirektor über den Fachausschuß hinwegsetzt? „Dann gibt es ein Verfahren vor der Kommunalaufsicht", drohte Hartmut Schneider (Grüne) schon mal vorsorglich an. In der Stadtverwaltung herrschte gestern noch keine Klarheit, wie mit dem Votum umzugehen sei.
Pressesprecher Peter Schlösser: „Der Ausschuß hat uns auf dem falschen Fuß erwischt." Wahrscheinlich werde man den Ausschuß noch ein drittes Mal damit befassen müssen. 24 Altenwohnungen liegen derweil weiter auf Eis.
Ein Skelett alter Balken soll als erhaltenswertes Denkmal gelten    Foto: Daub

Quelle: 
KStA-19970426 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 16. Juni 2009