Vom Dampfroß zur S-Bahn (2): Strecke nach Wipperfürth fiel dem Krieg zum Opfer

An error occurred in a Search Lucene API module.
Vom Dampfroß zur S-Bahn (2): Strecke nach Wipperfürth fiel dem Krieg zum Opfer

Strecke nach Wipperfürth fiel dem Krieg zum Opfer
Vor 13 Jahren rollte der letzte Personenzug nach Lindlar

Am Montag lasen Sie: Die Eisenbahn von Immekeppel nach Lindlar ist endlich in Betrieb. Nach langen Vorbereitungen konnte die Linie im Dezember 1912, eröffnet werden. Doch noch während der erste Zug über die Strecke rollte, wandle man sich in Lindlar schon einem neuen Projekt zu: der Verlängerung der Bahn nach Wipperfürth.

Vom Dampfroß zur S-Bahn

2.

Während die schnaufende Bahn mit ihren qualmenden Lokomotiven, den Wagen mit offenen Plattformen und meist Holzbänken als Inneneinrichtung schnell zum täglichen Erscheinungsbild wurde, nahm sich das „Comittee" dieser Aufgabe an. Die Aussichten standen wiederum nicht schlecht, denn der Bahnhof war bewußt hinsichtlich einer Erweiterung gerade an der sonst etwas ungünstigen Stelle angelegt worden.
Am 27. Juli 1914 wandte man sich wiederum an „Se. Exzellenz, den Herrn Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin" und schlug den Weiterbau von Lindlar über Hartegasse, Frielingsdorf, Dohrgaul nach Wipperfürth vor. Die Resolutionen waren von Gemeinden aus dem Bereich der geplanten Bahn unterzeichnet worden, man wies auf die Erschließungsmöglichkeiten hin und erhoffte sich im übrigen einen ähnlichen wirtschaftlichen Aufschwung, wie ihn die Gemeinden entlang der bereits gebauten Linie erreicht hatten.

Im Kriege zerstört

Doch der ausbrechende erste Weltkrieg machte alle Bemühungen zunichte. Das Geld wurde für die Rüstung gebraucht, und so kam es nie zum Bau dieser Fortsetzung.
Die Geschäftsberichte der 21 Kilometer langen Bahn waren stark von der jeweiligen Wirtschaftsentwicklung abhängig. Insgesamt aber war der Verkehr trotz allem zufriedenstellend.
Im zweiten Weltkrieg wurde die Bahn so schwer in Mitleidenschaft gezogen, daß der Betrieb erst wieder 1946 aufgenommen werden konnte. In den Nachkriegsjahren erlebte die Eisenbahn, wie alle anderen Bahnen auch, eine nie gekannte Blüte: Heimkehrende, bis dahin evakuierte Familien, unzählige Hamsterfahrer und Menschen, die ihre Angehörigen suchten, brachten noch einmal überfüllte Züge und —relativ gesehen — volle Kassen.

Busse lösen Dampflok ab

Dann setzte in den fünfziger Jahren das Wirtschaftswunder ein, immer mehr Personenautos rollten über die Straßen, und die Transport- und Fahrgastzahlen unserer Bahn nahmen immer mehr ab. Dennoch: Als 1957 die ersten Stillegungsgerüchte umgingen, wurden heftige Proteste von Gemeinden, Firmen und der Bevölkerung laut. Die Gerüchte wollten nicht verstummen, obwohl 1958 erstmals eine Diesellokomotive an Stelle der Dampflok die Güterzüge zog und ein Jahr später moderne Schienenbusse die veralteten Holzklasse-Wagen ablösten.
Die Einrichtung einer parallel zur Eisenbahn verlaufenden Bahnbuslinie im Jahre 1959 ließ erkennen, daß es der Bundesbahn, die die Strecke nach dem Krieg übernommen hatte, mit der Stillegung ernst war. Im Oktober 1960 rollte der letzte Personenzug nach Lindlar, die Bahnhöfe wurden nach und nach auch als Tarifpunkte aufgegeben, und am 23. Mai 1966 rollte der letzte Güterzug über die Strecke. Die Bahnlinie Hoffnungsthal - Lindlar hatte aufgehört, zu bestehen.

Unfall bei letzter Fahrt

Übrigens kam es bei der allerletzten Fahrt, als nämlich einige Wochen nach der offiziellen Einstellung mit einem Bauzug die Schienen abgeholt wurden, noch zu einem Verkehrsunfall: Der Zug, der schon keine Schienen mehr hinter sich hatte, rammte den Wagen eines unaufmerksamen Autofahrers. Glücklicherweise kam der Mann mit einer Beule und einem Riesenschrecken davon.
Einige der Bahnhofsgebäude wurden abgerissen, andere verkauft, ebenso wie Teile der Bahndämme und der ausgedehnten Bahnhofsanlagen. Der Viadukt bei Obersteeg wurde abgerissen, weil niemand die Sicherung übernehmen wollte. Der Viadukt bei Linde steht dagegen noch und ist ein eindrucksvolles Zeugnis für die Weitsicht jener Männer, die die Strecke damals planten und bauten.
Keine Lokomotive keucht mehr mit dem geschäftigen „ich-schaffs-schon-noch, ich-schaffs-schon-noch" die Hügel hinauf, und dennoch wurden der Bahnlinie einige hundert kleiner Denkmäler gesetzt: Das Bahnhofsgebäude von Immekeppel war vor einigen Jahren Gegenstand einer Bauzeichnung in einer Modelleisenbahnzeitschrift. „Immekeppel" dürfte somit auf vielen Modelleisenbahnen erhalten geblieben sein.

AUS DEN SCHWELLEN der stillgelegten Eisenbahn erhielt der Bahnhof Immekeppel (Bild) einen originellen Zaun. Das Haus dient jetzt zu Wohn- und Lagerzwecken. Bild: pullja

 

AnhangGröße
KStA-19731228-2.jpg464.58 KB
Quelle: 
KStA-19731228-1 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Telefonisch freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger am 16.11.2007