









Der Tag der Einweihung des Bürgerhauses „Bergischer Löwe" am 15./16. März ist ein Meilenstein in der Geschichte der jungen Großstadt Bergisch Gladbach. Es gibt kein anderes Bauvorhaben, das über so viele Jahre Gegenstand der Überlegungen, Diskussionen und Planungen war. Jetzt ist das Werk in einer relativ kurzen Bauzeit von nur drei Jahren vollendet worden. Dem Engagement von Rat und Verwaltung der Stadt für dieses neue Bürgerhaus im Zusammenwirken mit dem Land Nordrhein-Westfalen, der planerischen Gestaltungskraft des Architekten Professor Gottfried Böhm, mit all den vielen Kräften, die an dem Werk mitgearbeitethaben und nicht zuletzt privaten Initiativen ist die Vollendung des großen Werkes zu danken.
Es hat seinen Platz im Herzen von Bergisch Gladbach und wird, wie zu hoffen ist, eine Ausstrahlung haben, die alle Bürger aus dem weitläufigen Stadtbereich, vom ländlichen Oberkülheim bis an die Kölner Stadtgrenze und darüber hinaus erfassen wird.
Zum zweitenmal in der Geschichte der Stadt können die Bürger ein neues Haus für ihre festlichen Veranstaltungen, für Theater, Konzerte, Versammlungen, Kongresse und auch für ganz neue Formen kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Besitz nehmen.
Von dem neuen Hause werden in einer Zeit vermehrter Freizeit neue vielfältige gesellschaftliche und kulturelle Impulse ausgehen, denn alle Voraussetzungen sind dafür geschaffen worden. Es ist ein Haus für alle Bürger und Gruppierungen geworden.
In der Architektur des Hauses hat dies alles seinen Ausdruck gefunden. Sie findet zur Zeit noch nicht die Zustimmung aller Bürger.
Die Diskussion darüber wird noch längere Zeit andauern. Auch sie ist ein Zeichen für die lebendige Auseinandersetzung der Bürger mit neuen Formen zeitgenössischer Kunst und Kultur. A. L.
Theater macht jetzt wieder Spaß
Von Annelies Griebler
Mit der Eröffnung des neuen Bürgerhauses wird den Bürgern von Bergisch Gladbach (und Umgebung) ein Theater wiedergeschenkt, das sie 1972 verloren haben. Damals fiel zum letztenmal der Vorhang im „alten Löwen" — einem kleinen, mit verschlissenem Plüsch dekorierten Saal, der trotz seiner vielen Unzulänglichkeiten seinen regelmäßigen Besuchern in langjähri- ger Bekanntschaft lieb und vertraut geworden war. Er sollte nun um — und ausgebaut werden, hieß es. Und nach der Devise „das Spiel muß weitergehen" wurde dem Publikum ab Saison 1973/74 Unterkunft angeboten in der Aula des NikolausCusanus-Gymnasiums. Doch aus den Umbauplänen wurden solche für einen Neubau, und als sie — nach langem Hin und Her — Gestalt annahmen, waren viele Jahre ins Land gegangen, sieben magere Theaterjahre.
Denn in der Aula an der Reuterstraße mußte sich der Spielplan vor allem nach den eingeschränkten technischen Möglichkeiten richten. Sie erlaubten keine komplizierte Bühnendekoration und kein Musiktheater. Viele Gastspiel-Bühnen, die vorher Bergisch Gladbach besuchten, kamen deshalb nicht mehr,das Angebot des Tourneetheaters nahm überhand — und damit kam nicht immer nur das Beste vom Besten auf die NCGBühne. Auch Experimentelles und Studio-Stücke verschwanden aus dem Programm, denn der kühle, nüchterne Aula-Raum gab dafür keine Atmosphäre her. Nüchtern und kühl, so wurde überhaupt Gladbachs Theater in diesen Jahren: In den Pausen promenierte man in Schulfluren, von Gastronomie keine Rede, wer nach Erfrischung verlangte, fand sie bei Eis am Stil. Meinungsaustausch und „gemütliches Plaudern" fanden im Stehen statt. Viele „Stamm-Kunden" verzichteten unter diesen Umständen auf ihr bisheriges Gladbacher Abonnement und wanderten ab zur Konkurrenz nach Köln.
Und nun also soll alles nicht nur wieder werden wie früher, sondern — natürlich — viel, viel besser. Dem „neuen Löwen" hat sein Erbauer, Prof. Gottfried Böhm, ein Theater konzipiert, das multifunktional nutzbar sein soll auch als Fest-, Ball- und Konzertsaal; das mit Haupt-, Neben- und Hinterbühne und versenkbarem Orchestergraben die schönsten Hoffnungen auf einen reichhaltigen Spielplan erlaubt. Es gibt ein Café und Restaurantgleich nebenan, wenn alles sich so entwickelt wie vorgesehen und versprochen, wird man bei den Theaterabenden oder Theaternachmittagen auch andere „Kulturschaffende" treffen, die in den kleineren, dem Festsaal zugeordneten Räumen zu tun haben.
Man wird Kunst betrachten können in wechselnden Ausstellungen des Hauses oder Studien betreiben in der städtischen Fossiliensammlung, die im Bürgerhaus nun endlich ein angemessenes Unterkommen fand.
Drei- bis viermal die Woche wird Theater gespielt im „Löwen" von Herbst 1980 an, in sieben Abonnentenringen: einem großen Schauspielring mit acht, einem kleinen Schauspielring mit sechs Aufführungen, zwei gemischten Ringen mit jeweils vier Schauspielen, einer Operette (oder Musical), einem „Ring der guten Laune" mit vier Komödien, drei Operetten (oder Musicals) und einem „volkstümlichen Konzert", einem Opernring mit fünf Opern und einem Ballett, einem „Ring am Nachmittag". Dienstags, mittwochs und donnerstags soll Vorstellung sein, manchmal auch freitags.
Ein besonderer Auto-Service soll es auch autolosen Kunden ermöglichen, an den Segnungendes künftigen Gladbacher Theaterprogramms teilzuhaben: Die städtischen Taxi-Unternehmer haben mit dem Kulturamt einen „Heimfahrdienst" in sämtliche Stadtteile zu günstigen Tarifen vereinbart. Der Spielplan im neuen Hause soll — so will es der Kulturausschuß und so er-wünschen es laut Ergebnis einer Umfrage auch die Bürger — von nun an wieder durch wenigstens ein Drittel Gastspiele „fester Bühnen" Substanz bekommen. Einige dieser Bühnen werden sich schon während der Theater-Eröffnungswoche zwischen dem 5. und 11. Mai vorstellen: Ensembles aus Bonn, Dortmund, Oberhausen, Wuppertal, Düsseldorf und Neuss.
Der einstige Mariensaal der Kasinogesellschaft im „Bergischen Löwen" mit Blick zur Bühne: 1200 Plätze faßte er.
Der neue Theatersaal mit 580 Plätzen mit Blick auf die dekorative Bemalung des Eisernen Vorhangs.
In eine fast unvorstellbare ferne Zeit von über 400 Millionen Jahre reichen die Zeugnisse der Erdgeschichte zurück, die in der städtischen Fossiliensammlung zu bewundern sind. Die Sammlung, bisher in der Villa Zanders, hat nun im neuen Bürgerhaus ihre bleibende Stätte gefunden. Sie enthält Belege aus fast allen erdgeschichtlichen Formationen. Den Hauptteil der Sammlung bilden Fossilien aus dem Rheinischen Devon.
Die Kunst ist in der Höhe verstellbarLöwen-Technik wird Ansprüchen gerecht
Von Mark vom Hofe
Das Foyer des „Löwen", großzügig und transparent angelegt, in Erwartung der Gäste. Die Rohrleitungen erinnern ein wenig an das Centre Pompidou in Paris.
Keine der großen Weltbühnen hat Pate gestanden bei den Brettern, die im neuen Bergisch Gladbacher Musentempel demnächst das aufgeregte Hin und Her der Opernstars oder Theatermimen zu ertragen haben. Im Gegenteil: Das Kernstück des-neuen „Löwen", die Bühne, ist vielmehr gar nicht mehr so neu, denn, so Geschäftsführer Volker Aurich: „Hier handelt es sich im großen und ganzen um die Bühne aus dem alten „Bergischen Löwen" — sie ist lediglich nach hinten und an den Seiten erheblich erweitert und natürlich verbessert worden!"
Die „Löwen"-Bühne ist eine Mittelbühne. Wenn sich der eiserne Vorhang hebt — gleich dahinter kann übrigens die Projektionswand für die Kinofilme heruntergelassen werden —, fällt der Blick des Zuschauers, der sich in einem der rotgepolsterten Klappsessel niedergelassen hat, auf den bräunlichen Holzraum, der für die Musikveranstaltungen zur Eröffnung bereits vor Tagen installiert wurde. Aber, so Volker Aurich, das Holz ist nur Teil der Bühne; es kann mit wenigen Handgriffen verschwinden und macht dann den Blick frei auf die große Hinterbühne und Nebenbühne.
Sowohl das Orchesterpodest wie auch die Hinterbühne sind in der Höhe verstellbar. Bei Opernaufführungen fährt das Orchester in den Orchestergraben auf Kellergeschoßniveau, bei reinen Orchesterveranstaltungen thront der Klangkörper auf seinem Podest über den ersten Stuhlreihen.
Das fahrbare Podest der Hinterbühne erleichtert den Bühnenarbeitern ihre Arbeit erheblich. Von der Anlieferung der Kulissenteile an der Südseite des Löwen in Richtung Paasweg bis zum Aufzug im Keller neben dem Stuhllager sind es nur wenige Meter — lästiges Schleppen der Bühnendekoration über mehrere Treppen ist damit überflüssig.
Von der Akustik und der technischen Ausrüstung her dürfte die „Löwen"-Bühne auch die Möglichkeit für Rundfunkübertragungen oder Schallplattenaufnahmen bieten. Sollte die Erfahrung der ersten Aufführungen im „Löwen" lehren, daß auch Bergisch Gladbachs neues Bürgerhaus über eine hervorragende Akustik verfügt, könnte der WDR eventuell demnächst seine Zelte auch hier aufschlagen.
Bisherige Besucher des „Löwen" haben sich mit der phantasievollen Bemalung der Decke und des eisernen Vorhangs bisweilen erst nach einigem Zögernanfreunden können. Die Technik des gesamten Komplexes wird solche Schwierigkeiten im Entscheidungs- und Gefallensprozeß mit Sicherheit nicht aufkommen lassen: Ein Blick in die zentrale „ELA-Stellwarte" (elektro-akustisch) zeigt, daß hier die modernste Technik ihren Niederschlag gefunden hat.
Der Toningenieur hat von hier 15 Mikrophone im ganzen Gebäude zu bedienen; Platten, Tonbänder und Kassetten werden von hier aus abgespielt. Dort oben, im hinteren Feil der Bühne, genauer, unterm Dach, stehen auch die Filmprojektionsapparate, mit denen Filme in 16 und 35 Millimeter Breite abgefahren werden können. Zur Ausrüstung gehört auch ein Diaprojektor.
Von der Beleuchtungsstellwarte aus bedient ein Ingenieur die 65 Scheinwerfer im großen Saal und auf der Bühne. „Praktisch alle theatralischen Aufführungen sind mit dieser Anlage möglich", sagt Volker Aurich.
Auch Schwerhörig werden im neuen Löwen einen ungetrübten Kunstgenuß erfahren dürfen. Per Induktionsschalter an ihrem Hörgerät können sie den Ton über eine im Boden versenkte Übertragungsschleife hören. Technisch ist also alles bereit für die großen kulturellen Vorsätze kommender Jahre und Jahrzehnte.
Ein Glockenspiel, das auf dem „Löwen"-Neubau seinen Platz gefunden hat (eine Stiftung der Firma Grünzweig und Hartmann und Glasfaser zu ihrem hundertjährigen Bestehen), wird ab 15. März viermal täglich die Bürger mit bergischen Melodien erfreuen. Um 10.00 Uhr und 15.00 Uhr erklingen Glockenmelodien jeweils 130 Sekunden lang mit folgenden Liedern: Der bergische Fuhrmann, Jetzund reis ich weit von hier, Der bergische Kehraus (Noch eemol jesonge), Das bergische Heimatlied. Um 12.5 Uhr und 19.15 Uhr spielen die Glocken 115 Sekunden lang vier Lieder, und zwar: Der Mai tritt ein mit Freuden, Feinsliebchen, du sollst nicht barfuß geh'n, Verstohlen geht der Mond auf, Kein schöner Land in dieser Zeit. Die Walze wird elektrich betrieben und ist an einem Notstromaggregat angeschlossen.
Der gewerbliche Teil des „Löwen"
Von Wilhelm Becker
Ein Modell auch im Hinblick auf die enge Verbindung, ja Verflechtung öffentlich genutzter mit privaten gewerblichen Einrichtungen ist der neue „Bergische Löwe". Um die Trägerschaft für den gewerblichen Teil übernehmen zu können, gründete der Bensberger Rechtsanwalt Heinz Ulbrich die „Heinz Ulbrich Kommanditgesellschaft". Der Komplementär dieser Gesellschaft verstand es, mehrere engagierte Bergisch Gladbacher Gewerbetreibende um sich zu sammeln, die bereit waren, das Risiko eines derart großen und schwierigen Projektes mitzutragen.
Immerhin umfaßt der gewerbliche Bereich ein Kostenvolumen von 5,6 Millionen Mark, dem 8400 Kubikmeter umbauten Raumes und nur 1900 Quadratmeter Nutzfläche gegenüberstehen. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, daß das Land über sogenannte Durchbaumittel Zuschüsse für das gewerbliche Projekt wegen seiner schwierigen Konstruktion (Erhaltung von Altbauteilen und deren Integrierung in Neubauelemente) gewährte, war und istdas finanzielle Engagement der Beteiligten enorm.
Nachdem sich die Gesellschafter dann schließlich zusammengefunden hatten, traf sie mit dem Tod des Komplementärs und Initiators, Heinz Ulbrich, im Sommer vorigen Jahres ein schwerer Rückschlag. Schließlich erklärten sich die Bergisch Gladbacher Rechtsanwälte Reinhard Paas und Dr. Günter Sasserath bereit, das Projekt weiterzuführen. Die Anwälte sind zur Zeit dabei, mit ihrem Seniorpartner Curt und Malotki ebenfalls in den „Löwen" umzuziehen.
Bereits eröffnet wurden im gewerblichen Teil des „Bergischen Löwen" das „Theater-Cafä Bach" (Inhaber: Dieter und Beate Bach) sowie der Salon von Friseurmeister Mario Majowski. In den nächsten Wochen folgen die Eröffnung eines Parfümerie- und Damenmodengeschäfts des Bensberger Geschäftsmanns Günter Kaufmann, die Verlegung der Hals-, Nasen-und Ohrenarztpraxis von Dr. Claus Schäfer ( zur Zeit Hauptstraße) und die Verlegung der zur Zeit im selben Gebäude untergebrachten Filiale des „Hör-geräte-Ringes". Schließlich soll nun endgültig zum 1. April auch das neue Restaurant des „Bergischen Löwen" (im Besitz der Familie des Bierverlegers Anton Weyer) eröffnet werden.
Die Gewerbetreibenden im neuen Bürgerhaus bemühen sich um originelle und individuelle Gestaltung ihrer zukünftigen Geschäftsräume. Dieser Umstand — die Einrichtung wird zum Teil speziell für die neuen Geschäfts- und Praxisräume angefertigt — und die Tatsache, daß die Inhaber zur Zeit noch an anderen Orten im Stadtgebiet ihren Beruf ungestört ausüben können und deshalb nicht unter Räumungsdruck stehen, bilden die Ursache dafür, daß sich die eine oder andere, zunächst fest terminierte Neueröffnung noch etwas verzögert. Offensichtlich wird von den Besitzern der gewerblich genutzten Flächen auch besonderer Wert auf solide handwerkliche Ausführung gelegt.
Ein Detail am neuen „Löwen": der Aufgang zu oberen Geschossen von außen. Altes und Neues verbinden sich.
Vom Musical zum Rock-SpektakelEin Haus und seine Möglichkeiten
Von Volker Aurich, Geschäftsführer der Löwen GmbH
Der markante Neubau gegenüber der Villa Zanders und dem Rathaus in Bergisch Gladbach setzt die Tradition fort, die 1904 mit der Errichtung des alten Bergischen Löwen begann.
Bei der Neugestaltung der Bergisch Gladbacher Innenstadt wurde 1974 ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem der alte Bergische Löwe im Rahmen eines Versuchsprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen zu einem vielfältig nutzbaren Haus für alle Bürger der Stadt umgestaltet werden sollte.
Konzept für Bürgerhäuser?
Die Grundlage des Bürgerhaus-Programms ist die Forderung nach Räumen, die den Bürgern für ihre Bedürfnisse im kulturellen, gesellschaftlichen und geselligen Leben zur Verfügung stehen müssen. Der Wunsch nach Räumen, wo man sich treffen, unterhalten, informieren und selbst betätigen kann, geht einher mit der Wandlung des Kulturbegriffs in den vergangenen Jahren.
Die Grenzen zwischen der sogenannten hohen Kultur und niedrigen Kunstgattungen sind fließend geworden. In Malerei, Theater, Musik und Literatur gilt unser Interesse nicht mehr nur den herausragenden Leistungen der Klassik und ihren Meistern, sondern ebenso den Zeugnissen trivialer, volkstümlicher oder populärer Kunst. Gefragt sind nicht mehr die Reservate für wenige Eingeweihte, sondern der Tummelplatz für viele Interessierte.
Die Möglichkeiten der Nutzung des Hauses sind beinahe unbeschränkt. Jede Art von Veranstaltung oder Aktivitäten ist denk- und machbar.
Zum Beispiel Theater: Die moderne Bühnentechnik und der Theatersaal machen alle Arten von theatralischen Aufführungen möglich. Ob es sich um eine Kammerspiel oder den großen Klassiker handelt, um ein Musical oder eine Operette, die Oper oder den Ballettabend, die Voraussetzungen für alle technischen Anforderungen und für optimale Sichtverhältnisse im Zuschauerraum sind gegeben.
Zum Beispiel Konzerte: Ob Kammerensemble oder Symphonieorchester, ob Liederabend oder Solokonzert, Chorkonzert oder Rock-Spektakel, für jeden Bedarf ist der Bergische Löwe gerüstet und geeignet. Die räumliche Atmosphäre, die Technik und die Akustik lassen nichts zu wünschen übrig.
Zum Beispiel Bälle: Die Flexibilität der Bestuhlung und die Haustechnik sind hervorragend dazu geeignet, gesellige Veranstaltungen durchzuführen. Vom kleinen Tanzvergnügen eines Vereins, von der Disco-Party bis hin zum großen Sylvester-, Karnevals- oder Jubiläumsball können alle Voraussetzungen erfüllt werden, den Gästen ungetrübte Stunden des festlich-fröhlichen Beisammenseins zu ermöglichen. Eine flexible Gastronomie steht bereit, die Gäste dabei mit allem Wünchenswerten zu versorgen.
Zum Beispiel Tagungen: Ob Sie im kleinen Kreis tagen wollen, eine Besprechung führen wollen, einen Kurs abhaltenoder einen Kongreß mit auswärtigen Gästen über mehrere Tage planen, wir haben die Räume für Sie, und wir unterstützen Sie bei der Planung und Abwicklung Ihrer Veranstaltung. Bedenken Sie, daß gerade ein so reizvolles Haus wie der Löwe in einer Stadt wie Bergisch Gladbach mit hohem Freizeitwert, verkehrsgünstiger Lage und leistungsfähigen Hotels dazu beitragen kann, den Aufenthalt Ihrer Gäste zu einem Erlebnis werden zu lassen.
Zum Beispiel Ausstellungen: Der Bergische Löwe bietet reichliche Möglichkeiten für Ausstellungen und Präsentationen jeder Art. Durch die großzügige Bauweise mit ihren breiten Verkehrsflächen ergeben sich zahllose Möglichkeiten optisch eindrucksvoller Präsentation.
Ein großer Teil der kulturellen Programme wird durch das Kulturamt der Stadt organisiert. Außerdem wird die Bürgerhaus Bergischer Löwe GmbH Programme anbieten, und darüber hinaus steht es jedermann frei, das Haus in eigener Initiative zu nutzen.
Wer ist da zuständig?
Die Verwaltung des Bürgerhauses liegt in den Händen der Bürgerhaus Bergischer Löwe GmbH. Das Sekretariat der Gesellschaft ist Ihr Partner bei der Beratung und der Abwicklung Ihrer Veranstaltungen im Haus.
Informationen gibt es unter der Rufnummer: 0 22 02/3 40 51 und während der Bürozeit von 9 —16.30 Uhr im Büro neben dem Theater Cafä Bach.
Eine der vielseitig nutzbaren Räumlichkeiten im Hause: Der Spiegelsaal lädt ein zu festlichen Veranstaltungen, zu Tanz und Vergnügen.
Am Sonntag, 16. März, ist im Bürgerhaus den ganzen Tag offene Tür für die Bürger aus nah und fern. Sie können das neue Haus vom Keller bis zum Penthouse besichtigen. Von 9 bis 18 Uhr spielen und singen jeweils die verschiedenen örtlichen Vereinigungen: Der MGV Herrenstrunden Eikamp, MGV Bensberg 1877, GV Harmonie Bensberg Kaule, das Männerquartett Herkenrath, MGV Lyra, MGV Heimatklänge Nußbaum, Quartettverein Sangesfreunde 05, der Musizierkreis Geiger, VHS, Tanzgruppen der VHS, Akkordeon-Spielkreis der Musikschule, Balettschule Strobl, das Kammerorchester Bergisch Gladbach e. V., das Kammerorchester Bensberg; im großen Saal ist ein Open Concert mit den Gruppen Vollmond (Jazz), Second 1 rial (Rock). Zu allen Veranstaltungen im großen Saal und im Spiegelsaal (Kammerkonzerte) haben die Bürger freien Eintritt.
Es war ein MillionenspielDer „Bergische Löwe" im Spiegel der Finanzen
Von Heinz Halfwassen, Vorsitzender des Sonderausschusses
Der Fertigstellung des „Bergischen Löwen" sind vielfältige Überlegungen, auch gelegentlich sorgenvolle Gedanken und umfangreiche Planungen vorausgegangen. Ein nicht unwesentlicher Aspekt aller Betrachtungen war auch die finanzielle Absicherung dieses Vorhabens. Die damit verbundene Aufgabenstellung oblag insbesondere dem Finanzausschuß und dem eigens dafür gebildeten Sonderausschuß.
Nach den Grundsatzbeschlüssen des Rates über die Neuerrichtung eines „Bergischen Löwen" — denen im übrigen, wie die meisten Bürger wissen, seit vielen Jahren zahlreiche Bekundungen und Beschlüsse über vielfältige Lösungsmöglichkeiten vorausgegangen waren —und nach Durchführung des Architektenwettbewerbs ergab sich für den Rat in finanzieller Hinsicht eine doppelte Zielstellung:
1. Die Baukosten so niedrig wie möglich zu halten und die Finanzierung optimal zu gestalten.
2. Die Kosten der künftigen Betriebsführung in den Grenzen zu halten, die aus einer verantwortungsvollen Beurteilung der städtischen Finanzen zu vertreten waren.
Um diese Ziele zu erreichen, wurden folgende Wege eingeschlagen:
1. Zur Begrenzung der Baukosten und zur Optimierung der Finanzierung:
In Abstimmung mit dem Land Nordrhein-Westfalen wurde das Modell eines Bürgerhauses realisiert, das mit einer finanziellen Beteiligung des Landes in Höhe von 8,5 Mio DM für den kommunalen Teil und von rd. 2,2 Mio DM für den gewerblichen Teil verbunden war.
Die Errichtung und damit auch die Finanzierung des gewerblichen Teils erfolgte ohne Beteiligung der Stadt, d. h. die Betreuer dieser gewerblichen Einrichtungen — Restaurant, Café, Läden etc. — sind im Ergebnis Eigentümer dieser Einheiten geworden.
Der Rat beschloß die Einrichtung eines Sonderausschusses, der die vielfältigen Aspekte und Probleme, die mit der Errichtung nach Maßgabe der zuvor vom Rat gebilligten Planung verbunden waren, und die darauf beruhenden Entscheidungsnotwendigkeiten koordinieren sollte.
2. Um die Kosten der künftigen Betriebsführung in angemessenen Grenzen zu halten, wurde die Einbringung des kommunalen Teils in eine Betriebs-GmbH beschlossen. Die Vorteile dieser Lösung schienen darin zu liegen, daß diese rechtliche Gestaltung sich in der freien Wirtschaft bewährt hat. Insbesondere hat sieden Vorteil, daß die für die GmbH Verantwortung tragenden Organe mit klaren Aufgaben und Zielstellungen beauftragt werden können. Das gilt in gleicher Weise für den Aufsichtsrat, der zur Überwachung der Geschäftsführung berufen ist, wie für die Geschäftsführung, die hinsichtlich der zuvor festgelegten Ziele unter Erfolgszwang gestellt werden kann. Darüber hinaus hat diese Lösung den Vorteil, daß die personelle Besetzung dieser Organe qualifizierter im Hinblick auf die speziellen Aufgabenstellung erfolgen kann als dies im Rahmen eines kommunalen Regiebetriebes möglich wäre.
Das Ergebnis all dieser Bemühungen spiegelt sich in nackten Zahlen:
Zu Beginn der Baumaßnahme, d. h. zum 1. 10. 1976, Würden die gesamten Baukosten für den kommunalen Teil des „Bergischen Löwen" mit rd. 15,6 Mio DM ermittelt. Hinzuzurechnen waren Kosten der Einrichtung mit rd. 1,5 Mio DM, so daß Gesamtkosten von 17,1 Mio DM geplant waren. Die geschätzten Baukosten für den gewerblichen Teil beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf rd. 4,6 Mio DM.
Im Laufe der Bauarbeiten und im Zuge fortschreitender Ausschreibung haben sich Kostenerhöhungen leider nicht vermeiden lassen, so daß zum heutigen Zeitpunkt die gesamten Baukosten für den kommunalen Teil auf 18,2 Mio DM zu veranschlagen sind. Rechnet man diesen Baukosten wiederum die Kosten der Einrichtung mit 1,5 Mio DM hinzu, so belaufen sich die gesamten Kosten für den kommunalen Teil demnach auf 19,7 Mio DM. Gegenüber dem zu Beginn der Baumaßnahme ermittelten Betrag von 17,1 Mio DM bedeutet das eine Kostensteigerung von 2,6 Mio D der von rd. 15%.
Für die laufende Betriebsführung des kommunalen Teils des „Bergischen Löwen" sind im Etat 1980 der Stadt Bergisch Gladbach finanzielle Leistungen für den Kulturbereich in Höhe von 200 000 DM und für die sonstige Nutzung in Höhe von ebenfalls 200 000 DM ausgewiesen. Während in diesem Jahr nur eine Teilnutzung möglich ist, wurde für die folgenden Jahre im Finanzplan jährlich eine Belastung von 750 000 DM berücksichtigt.
Unter dieser Voraussetzung und bei Annahme einer möglichst optimalen Belegung weist der Wirtschaftsplan 1980 der Bürgerhaus Bergischer Löwe GmbH mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils rd. 1 Mio DM ein ausgeglichenes Ergebnis aus.
Wenn man ein Resümee ziehen will und dieses verbal und bildhaft ausdrücken darf, dann könnte man feststellen, daß es gelungen scheint, daß er das sorgsam geknüpfte Geflecht der kommunalen Finanzen nicht zerreißen wird.
Von Werner Strodthoff
Gottfried Böhm, der im Januar 60 Jahre alt geworden ist, gilt als einer der bedeutendsten und eigenwilligsten deutschen Architekten der Gegenwart.
Was ihn, den Architekten, auszeichnet, ist zumal jene selbstbewußte Sensibilität, mit der er Altes und Neues zu spannungsvoller Harmonie verbindet.
Mit dem Bensberger Rathaus (1962) stellte er solche Fähigkeiten erstmals einer breiteren und hierin eben gänzlich unverwöhnten Öffentlichkeit (auch Fachwelt) vor. Seinerzeit machte die eigenartige, plastisch-expressive und die vorhandene historische Bausubstanz integrierende Formensprache
den Ort im Bergischen zu einem Pilgerziel deutscher Architekten.
Böhm ist als Architekt, zumal in seinen Sakralbauten, Plastiker, kein „Grafiker", das heißt, er modelliert, er „zeichnet" nicht, ziseliert schon gar nicht.
Und so ist denn auch der jetzt fertig werdende Bergische Löwe ein „echter" Böhm: Aus einer überzeugenden stadträumlichen Konzeption entwickelte er für Bergisch Gladbach diese zentrale Anlage als Einheit von Alt und Neu, ohne die vorhandenen Gegensätze von gestern und heute zu verwischen — und gab dem „Bürgerhaus" mit einer von ihm selbst entworfenen Saaldekoration wiederum Züge eines Gesamtkunstwerks.
Ein Blick zurück: Mariensaal eröffnet / Von Arthur Lamka
Alles ist, wie der arabische Weise Ben Akiba gesagt hat, schon einmal dagewesen. Das gilt auch für die Einweihung des Bürgerhauses „Bergischer Lö- we". Vor nunmehr 76 Jahren, am 4. Oktober 1904, ist der Vorläufer, der große Saal der Kasinogesellschaft, der Mariensaal (zum Andenken an das große Engagement von Frau Maria Zanders für dieses Werk so genannt) festlich eröffnet worden. Es gibt nicht mehr viele Augenzeugen, die das bedeutende Bergisch Gladbacher Ereignis damals miterlebt haben.
Eine von ihnen ist Margrete Zanders, heute 85 Jahre alt, die Enkelin der großen Bergischen Frau Maria Zanders. Sie erinnert sich noch sehr lebhaft, wie sie von ihrer Großmutter, bei der sie oft gelebt hat — das war in der Villa Zanders — zu dem festlichen Ereignis mitgenommen wurde. Die damals zehnjährige Margrete durfte neben der in Gladbach verehrten Großmutter auf einem Ehrenplatz auf einem Balkon gegenüber der Bühne sitzen. „Ich erinnere mich genau an den Tag", berichtet sie. „Meine Großmutter trug ein festliches langes, schwarzes Taftkleid und ein Spitzenhäubchen und sah genau so aus, wie es das Bild in der Villa Zanders zeigt. Ich war sehr stolz, daß ich neben ihr sitzen durfte."
Die Einweihung war für die Gladbacherin ein unvergeßliches Ereignis, auch wenn sie damals noch jung gewesen ist. Manches ist heute vielleicht nicht mehr erinnerlich. Aber in der Bergisch Gladbacher Zeitung vom 10. Oktober 1904 ist festgehalten: „Froh flattern da draußen die Fahnen zum Willkomm am stolzen Bau, und des Saales fein abgestimmte Ausstattung schuf sofort den richtigen Grundakkord für die in Aussicht gestellten Genüsse. Ohne aufdringliche Mittel ist in der Innendekoration des Mariensaales ein vornehmer Gesamteindruck erzielt worden. Ein mächtiges Tonnengewölbe überspannt den weiten Raum, der in hellgrauen Tönen ausgemalt ist, von denen sich die bunten Ornamente wirkungsvoll abheben, und der große stilgerechte Kronleuchter setzt dem Ganzen tatsächlich die Krone auf. Besondere Beachtung hat die Bauleitung der Ausgestaltung der Bühnenverhältnisse gewidmet, und so ist nunmehr sowohl schauspielerischen als auch musikalischen Darbietungen der denkbar günstigste Spielraum geschaffen. Fügen wir noch hinzu, daß man mit der Akustik durchaus zufrieden sein kann, so darf man die Äußerung eines Kölner Blattes nur unterschreiben, daß die »Urheber und Förderer des Baues dessen glückliche Vollendung mit berechtigtem Stolz erfüllen können«."
„Triebfeder" des Bauprojektes damals war,wie dokumentarisch vielfältig belegt ist, Fabrikherrin Maria Zanders, eine sowohl unternehmerisch, als auch künstlerisch vielseitigbegabte und von hohem sozialem Ethos beseelte Frau, der Bergisch Gladbach und das Bergische Land unendlich viel zu danken haben. Die Einweihung des „Mariensaales" bedeutete auch für sie das Erreichen eines großen, selbstgesteckten Zieles.
Kein Geringerer als der große Komponist der Romantik, Max Bruch, ein enger Freund von Maria Zanders und ihrer Familie, wußte darum, denn aus dem fernen Berlin schrieb er an sie: „Übermorgen, am Sonntag, läutet wieder einmal meine Glocke im lieben grünen Gladbacher Thal, und diesmal zur Einweihung Eures neuen Concertsaales, dessen Vollendung eine wichtige Station auf dem Wege der Weiterentwicklung unseres lieben Ortes bedeutet.Das Herz blutet mir, daß ich fern sein muß... Aber diese Worte sollen Euch sagen, daß ich im Geiste bei Euch bin. Möchten auch diesmal meine Thöne — die ich selbst ach! so lange nicht mehr gehört habe — die Herzen erheben zu den «Bergen, von denen uns Hülfe kommt«, und Freude bereiten. Die größte und schönste Freude aber für alle wird sein, wenn Ihr nach so viel schweren Erlebnissen der Aufführung beiwohnen und Euch an Eurem so schönen Chor nach langer Zeit wieder einmal von Herzen erfreuen könnt..."
Maria Zanders war ja die Gründerin des Cäcilienchores gewesen, mit ein paar Fabrikmädchen hatte sie begonnen, der Chor war gewachsen und unter dem Musikdirektor Krögel zu großen Leistungen befähigt worden. So war es ganz selbstverständlich, daß er auch das erste Festkonzert zur Einweihung des neuerbauten Festsaales bestritt, das mit Beethovens „Weihe des Hauses" begann und in dessen Mittelpunkt die Aufführung von Max Bruchs „Das Lied von der Glocke" für gemischten Chor, Soli und Orchester stand.
„Die Zahl der auswärtigen Be- sucher, die sich zum Eröffnungs- konzert eingefunden hatte, war keine geringe", notierte der Chronist in der Zeitung. „Aber auch die Einheimischen waren in hellen Scharen gekommen, so daß eine überaus festliche Fülle im Saal herrschte. Und das will bei einer so ausgedehnten Räumlichkeit etwas bedeuten: über 1200 Personen finden im Mariensaal Platz!" — Der Kölner Architekt Ludwig Bopp hatte ihn erbaut, der auch das Bergisch Gladbacher Rathaus schon gebaut hatte.
Das Konzert wurde ein großer Erfolg. „Das Publikum gab seiner Anerkennung für die gebotenen Leistungen lebhaften Ausdruck und der reichlich gespendete Beifall wird die Mitwirkenden um so mehr erfreut haben, als sich unter den Zuhörern zahlreiche Vertreter der Behörden, von Kunst und Wissenschaftenen befunden haben", hielt die Gladbacher Zeitung fest.
Wie sich das für eine anständige Einweihung gehört, gab es im Anschluß daran im Festsaal „ein fröhliches Mahl, begeisternde Reden und eine vorzügliche Tafelmusik". Dem ersten folgte am 16. Oktober 1904 noch ein zweites Festkonzert zur Einweihung mit Mozarts „Zauberflöte", ebenfalls unter Krögel, eine „Aufführung wie aus einem Guß". Der Lokalpatriotismus war zufriedengestellt: „Der Name Bergisch Gladbach und vor allem der Ruhm des Cäcilienchores aber ist durch diese beiden großartigen Konzerte einmal wieder weit hinaus ins Land getragen worden. Die Einweihung des Mariensaales bedeutet für die Stadt den Anbruch einer neuen Zeit." (Bergisch Gladbacher Zeitung, 17. Oktober 1904)
Und schon damals registrierten die Initiatoren und Vollender des großen städtischen Prospektes Neid und Spott von Nachbarn, von den Bensbergern nämlich, was heute freilich durch die Gebietsreform nicht mehr möglich ist. Aber dafür mokiert sich heute mancher Einheimische über das neue Werk des Architekten Gottfried Böhm. In der Biographie über Maria Zanders ( von A. Caspary, bei Eugen Diederichs, Jena) ist jedenfalls festgehalten: „Das große Einweihungsfest eines Gesellschaftshauses, das jeder Stadt zur Zier gereichen würde, ist da, von den Witzeleien der Bensberger begleitet: »Die Gladbacher müssen einen Eisbeutel auf dem Kopf tragen, sie haben den Größenwahn«!"
Niemand von all denen, die damals die festlichen Tage miterlebten, ahnte, daß Maria Zanders bereits vom Tode gezeichnet war. Auf dem Weg zu neuen künstlerischen Taten wurde sie, fast auf den Tag zwei Monate nach der Eröffnung des Festsaales, vom Tode ereilt.
„Läutet meine Glocke im Thal..." schrieb Komponist Max Bruch aus Berlin an Maria Zanders zur Einweihung des ersten Festsaales der Stadt im Oktober 1904.
Von Barbara Ciepielik
Am neuen Bürgerhaus gehen die Meinungen auseinander
Die einen finden ihn zu rot, die anderen monieren die Fassade — doch was das Innenleben des „Bergischen Löwen" angeht, sind sich die Gladbacher Bürger einig. Etwas Besseres für kulturelle Veranstaltungen aller Art könnten sie sich nicht wünschen, meinten die meisten, die der „Kölner Stadt-Anzeiger" nach ihrer Meinung befragte.
Auf jeden Fall dabeisein, wenn die Eröffnungsveranstaltungen laufen, will der Rentner Willi Treisch. „Man muß ja schließlich auch mal drinnen gewesen sein, wenn alles fertig ist", meinte er. Nach dem Motto außen scheußlich, innen schön befürworten eine ganze Reihe von Leuten aller Altersstufen die neue Einrichtung — und es gibt kaum einen, der sich nicht darauf freut, mal ins Theater in den Bergischen Löwen zu gehen.
Gastwirt Jupp Rienas hat zwar keine Bedenken, doch ein abschließendes Urteil will er sich erst machen, wenn der rote Bau ganz fertig ist. Schon mal im „Bauch des Löwen" gefeiert hat die Hausfrau Karin Mörsberger. Der Prinzenball hat ihr gut gefallen, „aber da war's auch so voll, daß der große Saal gar nicht ungemütlich werden konnte", schließt sie ihre Befürchtung ein, as Bürgerhaus könne zu groß geplant sein.
Zu den Skeptikern des Projektes gehört Walter Kröll, der in dem Gebäude einen Fremdkörper sieht und meint, „der bergische Charakter" ginge völlig verloren. Außerdem, so fügte er hinzu, „kann es gut sein, daß sich die Leute diesen Stil in wenigen Jahren übergesehen haben". Ob er nun zu groß ist, zu klein oder genau richtig — bei der Eröffnung ist erst mal „der Löwe los". Und dann kann man das Bürgerhaus schon mal genau in Augenschein nehmen. Vielleicht überzeugt's sogar die Kritiker.
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