


Wenn auch die Eröffnung erst am Wochenende stattfindet; bereits seit Monaten erfährt der Spaziergänger. der am Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe vorbeigeht, was ihn in den Mauern von Türmchenhaus und Anbau erwartet. Draußen vor der Tür steht ein großer schwerer Abteufkübel. der unter der Aufschrift „Museum" auf die Markenzeichen des Museums, Hammer und Schlegel. hinweist; er ist eine Stiftung der Bensberger Bürgergesellschaft. Mit der Drehbank aus der Schlosserei Eiberg in Herkenrath sowie einer Gießpfanne aus dem früheren Gußstahlwerk Risch in Bergisch Gladbach wird auf weitere Bergische Handwerke verwiesen. Museum zum Anfassen — dazu gehört auch die Grubenlokomotive aus der Grube Kalkstein der Firma Cox, Baujahr 1942, 1-Zylinder-Motor, der 25 PS leistete, natürlich mit Signalglocke.
Alle diese Gegenstände auf dem Vorplatz des Museums können, ja sie sollen angefaßt werden. Die Kinder, aber auch verstohlen die Erwachsenen, sollen sich auf diese Weise mit dem Medium Museum schon früh vertraut machen. Wobei selbstverständlich offen dargebotene Sachen mehr Anklang finden als Gegenstande in Vitrinen. Darum Museum zum Anfassen in Bensberg.
Kurz vor Eröffnung des Museums hat sich ein Förderverein gebildet, dessen Mitglieder offen den Willen bekennen, an der weiteren Gestaltung und dem Ausbau des Museums mitzuarbeiten. Erster Vorsitzender ist Werner Göddertz, Vorstandsmitglied der Paffrather Raiffeisenbank. Sein Stellvertreter Diplom-Ingenieur Wilhelm Reulecke aus Bensberg; Schatzmeister Dr. Roman Graeff, Diplom-Chemiker aus Eikamp; Geschäftsführer Dr. Wolfgang Vomm, Museumsreferent der Stadt Bergisch Gladbach. Im erweiterten Vorstand sitzen Dr. Günther Carl Cüppers, dessen kleines Schulmuseum dem Bensberger Museum angegliedert werden soll, Professor Dr. Carl August Lückerath aus Nümbrecht, an der Universität Köln im Bereich geschichtliche Landeskunde tätig, Professor Dr. Ulrich Jux, Geologe aus Bergisch Gladbach; Dr. Alfons Biermann, Leiter des Rheinischen Museumamts beim Landschaftsverband Rheinland, und Herbert Stahl aus Bergisch Gladbach, dessen kleine private Sammlung volkskundlicher Dinge Beachtung genießt.
Jahresmitgliedsbeitrag 15 Mark — Anmeldungen über Dr. Vomm, 02202/51647, Werner Göddertz, 02202/1261, oder im Museum: 02202/55559.
MUSEUM zum Anfassen: Gießpfanne aus der Firma Risch.
IM CHARAKTERISTISCHEN Bruchsteingewand präsentiert sich das neu gestaltetete Bergische Museum.
MASSGEBLICHEN ANTEIL an Aufbau und Gestaltung des Bensberger Museums hat (te) Museumsreferent Dr. Vomm.
MARKENZEICHEN des Museums: Hammer und Schlegel.
GESCHENK der Kalkwerke Cox: eine funktionstüchtige Lok.
FÖRDERANLAGE im bergbaulich gestalteten Keller des im Zeichen der Kumpels stehenden Museums.
HANDWERK UND GEWERBE wie es wirklich war, zeigt das Museum im Freigelände hinter dem Türmchenhaus.
Über zwei Jahre war es ruhig am Bensberger Burggraben —zumindest machte das an einigen Stellen efeubewachsene Bruchsteinhaus nach außen hin diesen Eindruck. Und doch vollzog sich in diesem vermeintlichen Stillstand ein Wandel, der der, Schloßstadt zu einer über die Grenzen von Bergisch Gladbach und dem Rheinisch-Bergischen Kreis hinausgehenden neuen Attraktivität verhalf: Der Umbau des Heimatmuseums zu einem „Bergischen Museum für Bergbau. Handwerk und Gewerbe", wie der Gebäudekomplex am Burggraben 9-21 jetzt heißt — an der Stelle, an der sich wie nirgendwo anders in der an architektonisch umstrittenen Bauwerken reichen Stadt die Symbiose von Gegenwart und Vergangenheit klassisch offenbart.
Hier das berühmte Rathaus von Gottfried Böhm, das in gekonnter Form seine Elemente andas historische Bensberg mit seiner Burg und seinem Bergfried klebt, dort das neue (alte) Museum, das in seinen dicken Mauern aus Bergischer Grauwacke Schätze eben dieses Bergischen Landes birgt, an seiner Rückfront aber auch wieder neue ansprechende, weil im Bergischen Stil hinzukomponierte Elemente enthält.
Am Freitagabend nun, dem 11. September, übergeben Bürgermeister Franz Karl Burgmer und Stadtdirektor Otto Fell um 20 Uhr der, gespannten Öffentlichkeit das Bergische Museum. Der Leiter des Rheinischen Museumsamts, Dr. Alfons Biermann, bemüht sich eigens in die Schloßstadt und würdigt den Bensberger Part im großen Reigen rheinischer Museen, der Gladbacher Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm führt anschließend die Eröffnungsparty durch das kräftig umgestaltete Museum. ehe einen Tag später, am Samstag, dem 12. September, und am Sonntag, dem 13. September, das jüngste Kind im Bensberger Vorzeigeregister seine Pforten für die Besucher öffnet: Und da Gladbach an diesen Tagen seinen diesjährigen „Tag der offenen Tür" feiert, ist der Eintritt diesmal gratis.
Wobei auch die handwerklichen Vorführungen eingeschlossen sind.
Daß die Schloßstadt Bensberg überhaupt ein Heimatmuseum schon seit langer Zeit beherbergte, beruhte auf einer bürgerschaftlichen Initiative aus den 20er Jahren, die man gemeinhin als die „Goldenen 20er", die Amerikaner auch als die „roaring twenties", die „unruhigen, brüllenden 20er" bezeichnen. Damals, 1928, wurde in Bensberg das erste Museum des damaligen Kreises Mülheim am Rhein — der östliche Teil des heutigen Rheinisch-Bergischen Kreises gehörte zum Kreis Wipperfürth — gegründet.
Zunächst in zwei Räumen des kurfürstlichen Barockschlosses untergebracht, siedelte das Museumsgut, das durch viele Spenden und Schenkungen rasch ungeahnte Ausmaße annahm, in das historische Türmchenhaus mit seinem charakteristischen Bruchsteinmauerwerk und in ein Nebengebäude am Burggraben um. Ursprünglich handelte es sich um drei Einzelhäuser mit unterschiedlichen Geschoßhöhen, die drei Elemente wurden 1929 zu einem Gebäude verbunden. Heute, 1981, 53 Jahre später, sind weitere Elemente hinzugekommen.
In der Vergangenheit schon legte das Heimatmuseum Wert auf Erinnerungen an bodenständiges Gewerbe und Handwerk — besonders in den ersten Jahren wurde das im Keller in einem Stollen eingerichtete Schaubergwerk zur Hauptattraktion — in einer Stadt, in deren Umgebung bis vor drei Jahren noch die Grubenleute einfuhren und nach Erz suchten, kein Wunder. Insofern ist es auch nur folgerichtig, daß das neu eröffnete Museum einen noch viel breiteren Rahmen dieser für das Bensberger Umland so typischen Erwerbssparte schafft. Das erste Obergeschoß informiert über die Anfange des Bergbaus im Bergisch Gladbacher Raum, zeigt die geologischen Gesteinsformationen auf, berichtet in übersichtlicher anschaulicher Form über Bodenschätze, Bergrecht, Markscheidekunst. über Schwerpunkte der technischen Entwicklung und hält für den Besucher eine herrliche Besonderheit bereit — eine Sammlung alter Grubenlampen.
Der Weg im ersten Element des Bergischen Museums, dem Teil Bergbau, führt ins zweite Obergeschoß, wo der Besucher Einblick erhält in das bescheidene Leben des bergischen Kumpels. Das Bensberger Museum folgt damit einem begrüßenswerten Trend, nicht nur das Handwerk an sich in die Gegenwart zurückzurufen mit seinen Werkzeugen, seinen Geräten und technischen Möglichkeiten,sondern auch der sozialen Frage dieses speziellen Berufsstandes Raum zu widmen: Und in Bensberg dürfte dieses Bild konturenreich und vielschichtig gezeichnet worden sein. Ein 'Film über den Schichtablauf, Berufsbildung, Arbeitsbedingungen. Berufsrisiken, Berufskrankheiten, soziale Einrichtungen, Einkommensverhältnisse und wirtschaftliche Situation sind die Stichworte, die den Besucher des Museums erwarten. Zusätzlich spart das Haus am Burggraben auch die kulturellen Besonderheiten nicht aus — die Rede ist von Märchen und Sagen, von Bergmannskapellen und der Barbaraprozession.
Und dann — dann geht's bergab. Mit dem Fahrstuhl. zwar nicht in die Römerzeit, dafür aber in den Bensberger Stollen unter dem Türmchenhaus, der natürlich auch dem neuen Gepräge seinen unnachahmlichen Stempel aufdrücken soll.
Im Laufe des Gangs durch das Schaubergwerk stellen sich eine funktionstüchtige Dampfmaschine von 1885, eine originalgetreue Streckenführung, natürlich die Streckenförderung, Bohr- und Abbauhämmer, Bewetterung, Blindschacht, Sprengkammer etc. vor — ja selbst die authentische Geräuschkulisse fehlt nicht. Genausowenig wie die Erzaufbereitung und Verhüttung im Detail, und trotzdem wieder anschaulich und plastisch erläutert. Zum Gang durch den Keller gehört auch der Blick in die reichhaltige Mineraliensammlung.
Doch bevor der Museumsfreund die unterste Sohle erreicht, hat er sich im Erdgeschoß des Hauses bereits mit bergischbensbergischen Motiven vertraut gemacht. Was liegt näher, als demmarkant über der Stadt liegenden Schloß breiten Raum zu widmen.
"Schloß Bensberg — höfische Baukunst im Zeitalter des Absolutismus" heißt diese Abteilung, die sich mit dem Bauherrn, dem Architekten, der Baufinanzierung und Bauorganisation zur damaligen Zeit, mit den Handwerkern, den Künstlern und den Zulieferindustrien • befaßt. Jetzt schon Namen fallenzulassen, darauf verzichten wir einmal rasch, denn: Alles sollte man ja nicht vorwegnehmen.
Nur soviel sei weiter verraten — im Erdgeschoß wartet auch eine Information über ein Element, das heute im Bergischen Land niemand mehr missen möchte, obwohl immer wieder Bagger ihre Schaufel an das alte charakterische Gut legen: Wir sprechen vom Fachwerkhaus, das noch bis in die Zeit des zweiten Weltkriegs hier nach alter Väter Sitte zusammengebaut wurde.
Wie, das zeigt das Bensberger Museum, wenn es sich mit den Dielsägern im Bereich „Formen ländlichen Bauens und Wohnens" auseinandersetzt. Vom gefällten Baum über die ausgefeilte Zimmermannskunst, verschiedene Hausformen, brauchtümliche Erscheinungen beim Hausbau, Fachwerktechnik, Fassadenverschieferung bis hin zu Schreiner-arbeiten und Siedlungsformen reicht die Palette — im nächsten Abschnitt wird der Besucher dann mit „Leben und Arbeiten im Haus" vertraut gemacht. Damals wurden ja noch viel mehr Arbeiten im Haus verrichtet als heute. wo Dienstleistungsbetriebe und maschinelle Fertigung im Zeitalter von Erleichterung und Mechanisierung Arbeiten übernehmen und damit auch abnehmen. Die Textilherstellung, wenn auch noch im Aufbau begriffen, Tracht und Mode, Wäschepflege und Handarbeit beherrschen diesen Teil des Bensberger Museums. Als Sondersammlung werden Leuchten und Bügeleisen gezeigt.
Ja, soweit der Rundgang durch Türmchenhaus und Keller. Im dritten Element schließlich, im sogenannten Freigelände, wird das „Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe" seinem Titel noch einmal vollends gerecht. Was liegt näher, als im von der Papierindustrie geprägten Bergisch Gladbach die Papiermacherei groß und breit darzustellen, dazu eine Gerberei und ein mit Wasserkraft betriebenes historisches Hammerwerk. Wasser, das Naturelement des Bergischen Landes, es diente jahraus, jahrein der ansässigen Industrie zur Erzeugung ihrer Produkte — selbst heute.
Doch mit der Eröffnung am Wochenende will sich das Kulturamt der Stadt Bergisch Gladbach, dem die Verwaltung des Museums obliegt, keineswegs zufriedengeben. Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm schweben weitere Angliederungen vor, die gegenwärtig vorbereitet werden. Im Gespräch sind ein Kindermuseum mit historischer Schuleinrichtung, eine Sammlung aus dem Hause des Schulrats Cüpper, und natürlich soll das handwerkliche Element ausgedehnt werden im landwirtschaftlich strukturierten Bergischen Land, das Kupferschmiede, Sattler, Schuhmacher, Huf- und Wagenschmiede, Stellmacher, Bäcker und vor allem Mühlenbauer und Müller beherbergte und noch beherbergt.
Aber auch ohne diese Zukunftsprojekte, deren Realisierung indes in einigen Punkten schon sehr konkrete Formen angenommen hat, gehört das neue Bensberger Museum zu den Glanzlichtern im Rheinischen Museumswerk — weil es eben den Bergbau so detailliert und, man ist geneigt, es zu sagen, geradezu vor Ort festhält wie auch das Dielsägen oder die Papiermacherei.
Die zweijährigen Arbeiten unter der Federführung der in Bensberg ansässigen Architektin, Dipl.-Ing. Ulla Schultz-Sandkaulen, haben sich also gelohnt. Im Januar 1979 nahm die Architektin ihre Planungen auf, bereits im Juni begannen die Rohbauarbeiten. Auf Grund der teilweise sehr schlechten Bausubstanz waren erhebliche Eingriffe an den Gebäuden erforderlich: Alle Geschoßdecken oberhalb des Erdgeschosses mußten erneuert werden, so daß heute einheitliche Höhenlagen und ausreichende Raumhöhen in allen Gebäudeteilen vorhanden sind.
Die neue zentrale Treppenanla- ge, die alle Geschosse aufschließt, ersetzt die früher nur ins Erdgeschoß führende Holztreppe: damit ist jetzt eine Verbindung in alle Gebäudeteile geschaffen, die reizvolle Durchblicke gewährt.
Neu im Museumskomplex sind der Dachstuhl für das rechte Gebäude sowie der Anbau, auf dem man eine Dachterrasse schuf, die Verschnaufpausen während des Rundgangs erlaubt und einen Rundblick über das Außengelände mit dem alten Hammerwerk und der Papierverarbeitung gewährt. Ohne Untergeschoß verfügt das Bensberger Museum über eine Ausstellungsfläche von 445 Quadratmetern — für die relativ kleinen Gebäude äußerst beachtlich.
MIT DEM KAUF der Eintrittskarte erhält der Besucher eine Postkarte mit einem Motiv des Museums: Ob Außen- oder Innenansicht – die Bilder sind gut.
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