Auf einer Ackerfläche in Hebborn wurden zahlreiche rund 2000 Jahre alte Relikte gefunden

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„Zulieferbetrieb” für die Römer
Auf einer Ackerfläche in Hebborn wurden zahlreiche rund 2000 Jahre alte Relikte gefunden
Eine kleine römisch-germanische Siedlung belieferte die Colonia Agrippinensium, das heutige Köln, mit Baumaterial und Erzen.

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach - Der Wohnplatz war nicht schlecht gewählt. Von Westen schützte eine Anhöhe die Siedlung vor heftigem Westwind, im Osten hielt der einst große Dolomitberg, der erst Ende des 20. Jahrhunderts abgebaut wurde, eisige Ostwinde ab, und Wasser strömte reichlich aus den Quellen der Umgebung. Hier in Hebborn, unweit der Odenthaler Straße, befand sich vor knapp 2000 Jahren eine römisch-germanische Siedlung. Hier wurde gelebt, gearbeitet–und auch gestorben, wie ein unweit am Mutzer Feld nachgewiesenes Gräberfeld beweist.
Schon seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die hier befindliche Tennisanlage erweitert wurde, seien etliche Fundstücke aus römischer und germanischer Zeit ans Tageslicht gekommen, so Herbert Brühl. Es fanden sich Keramik und Tonreste, ein Schnallendorn aus Bronze und eine stark zerdrückte Bronzeglocke. Letztere ein Hinweis darauf, dass hier auch Tiere gehalten wurden, denen man – wie heute noch bei Alm-Kühen üblich – eine Glocke um den Hals hängte.
Zwischen 1993 und 2001 nahmen die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Gisela und Herbert Brühl die Ackerflächen südlich des Hebborner Hofes genauer unter die Lupe. „Ein Acker ist wie ein Fenster in die Vor- und Frühgeschichte", so Herbert Brühl. Und dieses Fenster gab den Blick frei auf die uralte Siedlungsgeschichte von Hebborn. „Das ganze Gelände ist gespickt mit steinzeitlichen Relikten", berichtet Gisela Brühl.
Neben Funden aus germanischer Zeit – überwiegend Scherben von der Größe eines Daumennagels, die insgesamt ein Gewicht von 1,5 Kilogramm auf die Waage brachten –fanden sich auch zahlreiche Überbleibsel aus römischer Zeit. „Geschirrteile, Scherben von Töpfen, Tellern und Kannen und auch Fragmente von römischer Handelsware.
Alle zu datieren zwischen 100 und 250 nach Christus. Im ersten Jahrhundert nach Christi, so Brühl, richteten die Römer die Provinz Niedergermanien ein. Ihr Statthalter residierte in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln. Bis etwa 260 nach Christus blühten Wirtschaft und Handel. Die große Bautätigkeit in Köln begann, Wasserleitungen, Kanalnetz und Stadtmauer wurden gebaut. „Hierfür waren Unmengen Baumaterial nötig", erklärte Brühl.
Etwa in dieser Zeit entstand die römisch-germanische Siedlung in Hebborn, einen knappen Tagesmarsch entfernt vom römischen Stützpunkt in Deutz. Denn hier, auf rechtsrheinischem Gebiet, gab es noch ausgedehnte Wälder, die Brennmaterial lieferten, aber auch Steine und Kalk sowie begehrte Bodenschätze wie Eisenerz und Blei. Für diesen Bedarf scheint Hebborn ein wichtiger Produktions- und Umschlagplatz gewesen zu sein. Erze, die man aus dem Berg holte, wurden vermutlich an Ort und Stelle verhüttet, wie Reste von Schmelzöfen und Schlacken beweisen. Im Gegenzug lieferten die Römer hochwertige Haushaltsgegenstände wie Geschirr, Töpfe und Kannen.
„Die Arbeiter in der Siedlung waren sicherlich Germanen, doch weist vieles darauf hin, dass ihre Arbeit von Römern beaufsichtigt und koordiniert wurde", erklärte Brühl. Offenbar wohnte diese „römische Führungsmannschaft" auch am Ort, allerdings nicht in strohgedeckten Fachwerk- und Lehmhütten, sondern standesgemäß in einem repräsentativeren Gebäude mit Ziegeldach.
Mit dem Ende der römischen Blütezeit kam wohl auch der wirtschaftliche Niedergang für die kleine Siedlung in Hebborn. Die Abnehmer für Kalk, Holzkohle, Steine und Erze blieben aus, die „Zulieferindustrie" in Hebborn brach zusammen. Zwar wurde der Siedlungsplatz wegen seiner geschützten Lage auch im Mittelalter noch benutzt, doch dürfte nun der Schwerpunkt auf der Landwirtschaft gelegen haben.
www.ksta.de/rbo-bodendenkmal

Quelle: 
KStA-20090203-S38 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 30. Sept. 2009