















Rösrath - Die neue Stadt stellt sich vor
Mit dem 1. Januar 2001 endete für Rösrath nicht nur ein Jahr, sondern eine Epoche. Um Mitternacht endete die jahrhundertealte Geschichte des Ortes als Gemeinde und begann die Geschichte der Stadt.
Aus dem mehr als 1100 Jahre alten Ort ist die moderne Stadt Rösrath geworden. Mehr als 25000 Einwohner leben hier, die sich bei aller Geschäftlichkeit und Hektik unserer Zeit auch ihre Ursprünglichkeit und Gemütlichkeit bewahrt hat.
Die Stadt verfügt über eine hervorragende Infrastruktur. Diese reicht von einem Netz gut ausgebauter Fern- und Nahverkehrsstraßen einschließlich des gerade eröffneten Autobahnanschlusseszur A3 sowie einem Bahnanschluss nach Köln und Gummersbach. Die Wirtschaft des Ortes zeichnet sich durch eine gesunde Mischung aus Handel, Dienstleistung und produzierendem Gewerbe aus. Besonders das neue Gewerbegebiet Scharrenbroich hat eine große Anzahl innovativer und zukunftsorientierter Firmen angezogen und entsprechende Arbeitsplätze geschaffen.
Rösraths Zukunft ist sicherlich nicht sorgenfrei und ohne Probleme. Aber die Einwohner sind schon immer mit einem gesunden Maß an Optimismus an die gestellten Aufgaben gegangen und haben im Konsens eine Lösung gefunden.
Dies wird sicherlich auch der jungen Stadt zugute kommen.
Grußwort des Bürgermeisters Dieter Happ
Grußwort des Landrates zur Stadtwerdung Rösrath
Rösrath - Ein Ortsteil, eine Gemeinde, eine Stadt
Es ist nicht einfach, die Geschichte der Stadt Rösrath in wenigen Zügen zu schildern. So kompakt auch die geographische Struktur mit den drei großen Orten Rösrath, Hoffnungsthal und Forsbach erscheint, die historische Entwicklung dieser Siedlungen im unteren Sülztal ist keineswegs einheitlich.
Mit der ersten urkundlichen Erwähnung der Siedlung Volberg 893 im Prümer Urbar ist ein relativ hohes Alter der Siedlungen im unteren Sülztal angezeigt. aber auch schon die Namensverwirrung programmiert: Volberg – dieser alte Siedlungsname lebt heute nur noch im Namen der evangelischen Kirchengemeinde in Hoffnungsthal fort und wurde zu Ende des vergangenen Jahrhunderts für diesen Siedlungsbereich durch den »modernen« Ortsnamen »Hoffnungsthal« ersetzt.
»Hoffnungsthal«, das wiederum war in der bitterarmen Zeit des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für einen Industriebetrieb am Sülzufer, der in der Tat wirtschaftlichen Aufschwung nicht nur versprach, sondern später durch die Mitfinanzierung der Eisenbahnstrecke Köln – Bergisch Gladbach – Rösrath – Hoffnungsthal – Immekeppel nicht nur Absatzmärkte für die Stahlprodukte aus dem Sülztal erschloss, sondern damit auch ein wenig Wohlstand in das Sülztal hineinließ und die hier siedelnden Menschen »mit der großen Welt« verband.
Verständlich, dass in dieser Zeit auch der. Wohn- und Amtssitz des Bürgermeisters nach »Hoffnungsthal« wechselte und nunmehr die seltsame Bezeichnung »Gemeinde Rösrath, Amt Hoffnungsthal« entstand. Erstaunlich genug: den Namen erhielt diese Gemeinde und künftige Stadt am südlichen Tor zum Bergischen Land von dem einstmals kleinsten Ortsteil, dem im südlichen Teil der Gemeinde gelegenen Rösrath, der ohnehin erst für die Mitte des 14. Jahrhunderts eine erste urkundliche Erwähnung nachweisen kann. Um aber das »Schattendasein« des Ortsteils Rösrath zu erklären, müssen wir uns zurück in die Geschichte begeben, und wir werden sehen, wie sehr die Grenzen von Kirchen-und Pfarrgemeinden, von Dekanaten und Konfessionen diese Entwicklung bestimmt haben. Während der Ortsteil Hoffnungsthal alias Volberg seit Anfang an eine eigene Pfarrei darstellte, die zum Dekanat Deutz gehörte, lag der Ortsteil Rösrath im Gebiet der Pfarrei Altenrath und damit im Dekanat Siegburg. Wer einmal zu Gast in der altehrwürdigen barocken Pfarrkirche in Rösrath war, wird kaum auf den Gedanken kommen, dass es den Rösrathern erst in jüngeren Zeit gelang, eine eigene Pfarrei zu bilden, und zwar offiziell erst im Jahre 1853. Die Grundlage dazu hatten die adligen Familien der nahen Rittersitze Eulenbroich und Venauen gelegt, die sich im Gegensatz zur Gemeinde Volberg im 16. Jahrhundert nicht dem Protestantismus zuwandten, sondern sich zusammen mit den katholisch gebliebenen Gläubigen im Ortsteil Rösrath um eine ortsnahe – also nicht von Altenrath abhängige – seelsorgerische Betreuung bemühten.
Diese Bemühungen führten zum Erfolg: Augustiner-Eremiten ließen sich anwerben, in das Sülztal zu kommen, und ab 1677 entstand ein Klostergebäude. 1703 wurde die Kirche im Wesentlichen fertiggestellt, 1708 ein Friedhof angelegt und 1710 eine Schule eingerichtet. Die offizielle Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge für die Katholiken der umliegenden lutherischen Pfarreien erhielten die Augustiner-Eremiten bereits 1689.
Damit war der Grundstock für eine erste »Infrastruktur« des Ortsteils Rösrath gelegt, auch wenn die Wirren der Französischen Revolution und die darauf folgende Schließung des Klosters zunächst einen Rückschlag vermuten lassen: In den Jahren 1795/96 wird das Kloster mehrfach von französischen Soldaten überfallen, der Prior getötet. 1803 werden im Rahmen der Säkularisation alle Klöster im Herzogtum Berg aufgehoben, das Rösrather Kloster aber wird als Zentralkloster für Ordensleute ohne Unterkunftsmöglichkeiten belassen, die aber nach und nach Rösrath verließen. Nach langen und harten Auseinandersetzungen mit Altenrath wird Rösrath erst 1853 aus dem Pfarrbereich Altenrath gelöst und zur eigenständigen Pfarrre erklärt.
Wie bereits bei der Betrachtung des Ortsteils Hoffnungsthal erwähnt, fällt dieses Ereignis in eine Zeit, in der bittere Armut auch die Menschen im Sülztal plagt. die von den Errungenschaften der Industriellen Revolution noch nicht erreicht worden sind. Erst die Anbindung an die Eisenbahn 1890. später dann der Ausbau der Straße von Köln-Rath nach Rösrath und Untereschbach einerseits und Richtung Lohmar andererseits sowie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Bau der Autobahn Köln/Frankfurt geben der Entwicklung des Ortsteils Rösrath einen mächtigen Schub.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg drehte sich das Blatt in der Gemeinde Rösrath allmählich: Während zwar in Hoffnungsthal das Rathaus bleibt und in jüngster Zeit eine großzügige neue Unterbringung erfährt, während Forsbach zu einer großen Wohnsiedlung heranwächst, spielt sich die dynamischste Entwicklung in Rösrath ab: im Bereich von Bildung und Sport mit einem Schulzentrum und allen Schulformen und einer Dreifachturnhalle, im kulturellen Bereich mit der Herrichtung und Öffnung von Haus Eulenbroich für Konzerte, Kunstaustellungen, Literaturgespräche und vieles mehr, aber auch mit dem Bau der Aula im Schulzentrum, und schließlich auf wirtschaftlicher Ebene mit der Erschließung des Gewerbeparks Pannhof. mit dessen Fertigstellung auch im Bereich der Verkehrsanbindung die fast 70jährigen Bemühungen um einen Autobahnanschluss im vergangenen Jahr in Erfüllung ging.
Robert Wagner
Die Rösrather Bürgermeister
Die Geschicke der Gemeinde Rösrath wurden im Ablauf ihrer Geschichte nicht nur von den politischen Instanzen, sondern auch von den Männern an ihrer Spitze bestimmt.
Die Reihe der ersten Bürger des Ortes setzt mit Wilhelm Gammersbach ein, der von 1815 bis Februar 1833 das Amt des Bürgermeisters ausübte.
Gammersbach war zuvor unter der französischen Verwaltung schon »Maire« der »Mairie Rösrath« gewesen.
Ihm folgten:
Joseph Wilhelm Finkelnburg (April 1833 bis Juli 1841); Martin Overath (August 1841 bis Mai 1851); Robert Rohr (Mai 1851 bis Juli 1878); Franz Leyhausen (August 1878 bis Juni 1905); Max Haumann (Oktober 1905 bis März
1931); Max Steinsträßer (April 1931 bis Frühjahr 1945); Gottfried Fuhrmann (Mai 1945 bis Februar 1946); Robert Vierkötter (März 1946 bis Oktober 1946); Josef Arens (November 1946 bis März 1947); Wilhelm Beinhoff (April 1947 bis Oktober 1948); Paul Leibner (November 1948 bis Dezember 1950); Günter Runkel (Februar 1951 bis November 1951): Kurt Adenauer (Dezember 1951 bis Dezember 1954); Erwin Schiffbauer (Januar 1955 bis April 1963); Matthias Großmann (Mai 1963 bis Oktober 1964); Erwin Schiffbauer (November 1964 bis Februar 1972); Siegfried Tews (März 1972 bis April 1975); Karlheinz Krakau (Mai 1975 bis September 1989); Dieter Happ (seit Oktober 1989). •
Neue Aufgaben für die Stadt Rösrath
Rösrath ist zwar nicht so alt wie Jericho. das als eine der ältesten Städte der Geschichte gilt, aber mehr als 1100 Jahre hat sie doch auf dem Buckel.
Das Recht, eine Stadt zu sein. ist längst nicht mehr mit dem mittelalterlichen Stadtrecht zu vergleichen. Weder König noch Stadtherr verhelfen Rösrath zu den wirtschaftlichen Privilegien einer Stadt wie im Mittelalter. sondern mehr als 25.000 Einwohner. Denn da die Einwohnerzahl von 25.000 überschritten worden ist, darf sich Rösrath seit dem 1. Januar Stadt nennen. Rösraths Verwaltung hat sich in den letzten Monaten vor der Stadtwerdung auf die neuen Aufgaben und Pflichten vorbereitet.
Die aktuelle Beschilderung »Stadt Rösrath« wurde überall angebracht, wo die Kommune sich mit Schild und Schriftzug zeigt, was für alle öffentlichen Gebäude gilt. Des Weiteren wurden die gelben Schilder im gesamten Stadigebiet an Orts-ein- und Ortsausgängen erneuert.
Das neue Logo der Stadt zeigt den Torbogen des historischen Haus Eulenbroich, verbunden mit einer strahlend blauen Linie. Die Grafikerin Elke Rothmann hat Rösraths neues Aushängeschild entworfen. Das alte Wappen der Gemeinde verschwindet von den Briefköpfen und wird künftig nur noch auf dem Eingangsschild der Stadtverwaltung zu sehen sein.
Zuvor hat die Kreisverwaltung in Bergisch Gladbach einige Aufgaben für die Gemeinde Rösrath übernommen, die nun für die Stadt Rösrath an der Sülz erledigt werden müssen. So hat man Ämter erweitert, neue Räume bezogen und zusätzliche Schreibtische geordert.
Zwei Sachbearbeiterinnen für Kultur sitzen künftig im Haus Eulenbroich, dessen Vermietung sie auch organisieren.
Im Jahre 2002 soll der 3,3-Millionen-Mark-Bau eines neuen Baubetriebshofes in Venauen neben der Feuerwehr abgeschlossen sein, und so bekommen Musikschule. Bauhof. Gärtnerei. Abwasserbetrieb und Wasserwerke, die sich künftig »Stadtwerke« nennen. einen neuen Standort.
Ein eigenes Jugendamt haben die Rösrather mit Blick auf die Stadtwerdung schon vor zwei Jahren von der Kreisverwaltung in Bergisch Gladbach übernommen.
Auch eine Abteilung für Bauaufsicht in Eigenregie wird in Zukunft in Rösrath zu finden sein — im zweiten Stock des Bergischen Hofes zu Hoffnungsthal.
Die Beigeordneten des Bürgermeisters räumten ihre Büros. Wilhelm Steitz sitzt jetzt einen Stockwerk tiefer bei seinen Fachbereichen für Ordnung. Jugend, Kultur und Soziales und Berthold Kaspers bezog sein neues Zimmer auf der anderen Seite des Verwaltungsflügels. Monatelang hatten Bauamtsleiter Christoph Hermann und Wilfried Birr aus der Hochbauabteilung die Pläne zum Umzug vorbereitet. •
Das Rathaus an der Hoffnungsthaler Hauptstraße.
Rösrath in Zahlen
Rösrath im Wandel der Geschichte
Die früheren Mühlen in Rösrath
Rösraths Schritte zur Stadt
Jobmaschine Gewerbepark Scharrenbroich
Autobahn-Anschluss Rösrath nach fast 70 Jahren
Hoffnung für das Sülzthal - Vor 110 Jahren kam die Eisenbahn
Vom "Pinn-Wirt" und vom "Whisky-Bill"
Bergbau seit römischer Zeit
Rösrather Vereine einst und jetzt