Wer war „Wicherus de Benesbure"?

Wer war „Wicherus de Benesbure"?

Wer war „Wicherus de Benesbure"?
Neue Erkenntnisse zur Erstnennung Bensbergs 1138/39

von CLAUS BOELEN-THEILE
BENSBERG. Wir wissen nicht wie er ausgesehen hat. Wir wissen nicht, ob er Frau und Kinder hatte. Auch sein sozialer Status ist nicht auf uns gekommen: Lebte er als Ministerialer, Edelfreier oder Lehnsherr auf der Alten Burg zt Bensberg? Wir kennen nur seinen Namen: Wicherus de Benesbure. Wicher von Bensberg der erste urkundliche überlieferte Bensberger. 1138/39 wird Wicher in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Arnold I als Siegelzeuge genannt. Wicher ist einer von vielen Zeugen, die die Schenkung eines Gutes bei Braubach zugunster des Siegburger Klosters bestätigen. Es ist die einzige Nennung Wichers. Mehr war bislang nicht bekannt, auch nicht im Standardwerk „Geschichte von Bensberg" (1976, verfasst von Kurt Kluxen).
Dr. Lothar Speer hat sich ah erster Ortshistoriker die Mühe gemacht, die Hintergründe dieser Urkunde zu erforschen Speer, Fachbereichsleiter bei der Stadt Bergisch Gladbach bearbeitet den Mittelalter-Teil in der für 2006 angekündigten großen GL-Stadtgeschichte.

Wem gehörte die Alte Burg

Aus diesen Forschungen resultierte schon im Vorjahr ein wichtiger Aufsatz, der sich höchst kritisch mit der angeblichen Erstnennung Hohkeppels im Jahre 958 auseinandersetzte (,,Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 11). Seine Ergebnisse zu Wicher von Bensberg, jetzt nachzulesen in der gerade erschienen (und sehr empfehlenswerten) Ausgabe der Zeitschrift „Heimat zwischen Sülz und Dhünn" (Heft 12, 72 Seiten, viele farbige Bilder, zehn Euro) sind aber geradezu spektakulär. Speer stößt neue Türen auf und bringt ganz überraschende Ansätze für die Bensberger und bergische Geschichte Denn es geht um die zentrale Frage, wem die Alte Burg Bensberg im 12. Jahrhundert gehörte. Im Jahre 1218 zählte sie zum Besitz der Grafen von Berg - aber vorher? Speers Vermutung: Die Burg könnte einst zum Besitz des Grafengeschlechts von Bilstein gezählt haben. Durch Heirat könnten die bilsteinischen Besitzungen an Landgraf Ludwig von Thüringen (gestorben 1140) gefallen sein.
Zeile um Zeile arbeitet sich Speer im Urkundentext vor vor: Im Mittelpunkt der historischen Quelle steht Kunigunde von Bitstein, Schwiegermutter von Landgraf Ludwig. Kunigunde ist es, die den Klosterbrüdern das Braubacher Gut vermacht. Die Wurzeln des bilsteinischen Geschlechts weisen nach Thüringen; ein
Graf Wigger (967 erwähnt) gilt als Stammvater, Wigger wurde zum Leitnamen der Bilsteiner. Die Nähe zum Bensberger Wicherus" ist augenfällig. Zu Kunigundes Erbe gehörten einige Güter im Westerwald, eine Grundherrschaft in Winden (untere Lahn), im Wiedtal die Burgen Neuerburg und Altenwied, an der Sieg die Burg Windeck und die Grundherrschaften Röcklingen und Rossach sowie Besitzungen in Sechtem und Gymnich.
In der Urkunde steht der Name Wichers in der Umgebung bilsteinischer Zeugen, für Speer ein wichtiger Teil der Indizienkette. Dietmar und Sigebold von Sechtem, Arnold von Kuchenbach, Udo von Sechtem und Udo von Hennef. Speer rückt Wicher deshalb in den Umkreis der Bilsteiner und Ludowinger und vermutet, die Bensberger Burg könnte 1191 an die Grafen von Berg gewechselt sein. 1191 erwarb Erzbischof Philipp die Burg Bilstein von den Ludowingern, im gleichen Jahr könnte es in Bensberg zum Besitzwechsel gekommen sein. Eine Vermutung, die schlüssig erscheint. Ob eine Verbindung von der bilsteinischen Linie zu Dietrich von Dorndorf bestanden habe, der im 12. Jahrhundert über Besitz in Herkenrath verfügte, müsse in einem nächsten Schritt erforscht werden, schlägt Speer vor: Neue Aufgaben für die Heimatforschung.

Die Geschichte der Alten Burg in Bensberg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der erste urkundliche Beleg stammt von 1138/39. (Foto: Luhr)

INHALT
Neben den Wicher-Forschungen von Dr. Lothar Speer bietet Heft 12 von „Heimat zwischen Sülz und Dhünn" eine Vielzahl interessanter Themen. Es geht unter anderem um die in den 70er Jahren von Dr. Gerd Müller verfasste Refrather Ortschronik (Hans Leo Brenner), das älteste Bildnis eines Bergisch Gladbacher (Brenner), die Geschichte des Sander Hofs (Winfried Borowski), die alten Sander Kirchen (Manfred Dasbach /Roswitha Wirtz), die Gladbacher Papierfabrikanten Gustav Josua Müller und Wilhelm Aurelius Fues (J. Georg Oligmüller/Sabine Schachtner). Max Morsches behandelt die Invaliden von Schloss Bensberg und die Geschichte des Bensberger Schlossvereins. Interessantes zu „Vinzenz von Zuccalmagio und den Chorgesang" legt Albert Eßer vor, Dieter Pickhardt nimmt sich der Heidkamper Trasskaule und der Alten Kölnischen Straße an, Silke Cameron und Enzo Fehre beschäftigen sich mit der Munitionsbahn im Königsforst. Als Beilage ist dem Heft eine farbige Karten der Dombach aus dem Jahre 1795 beigefügt.
„Heimat zwischen Sülz und Dhünn", Heft 12. Zehn Euro. Im Buchhandel sowie im Geschichte Lokal, Eichelstraße 25, Bensberg. Tel.: (0 22 02) 3 61 67 (Rodenbach)

BergLZ-2005-07-21-S39