Interatom GmbH wird gestrichen

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Interatom GmbH wird gestrichen

Interatom GmbH wird gestrichen
35 Jahre nach ihrer Gründung wird die Firma am 1. Oktober vom Siemens-Konzern einverleibt Künftig „Generalvertreter" für konventionelle Kraftwerke in Osteuropa — Dr. Berke neuer Direktor

Von unserem Redakteur
Andreas Halbach
Moitzfeld — Die 1956 in Moitzfeld gegründete Interatom GmbH wird in wenigen Wochen aus dem Handelsregister gestrichen. Am 1. Oktober 1991 gliedert die Siemens AG (Berlin/München) ihre 100prozentige Tochtergesellschaft — seit 1972 — ein. Die vierköpfige Geschäftsführung der Interatom GmbH wird aufgelöst, die heute rund 1100 Mitarbeiter erhalten von der Siemens AG neue Arbeitsverträge. Das Unternehmen in Moitzfeld firmiert künftig unter „Siemens AG Bereich Energieerzeugung KWU, Standort Bergisch Gladbach".

Kontinuierlich abgebaut

Hauptgrund für die Verschmelzung sei das innenpolitische Aus von „Schnellem Brüter" und Hochtemperaturreaktor, erklärte gestern Interatom-Pressesprecher Karl-Heinz Weyers auf Anfrage. „Das Ende des Schnellen Brüters in Kalkar war auch für uns der Anfang vom Ende", deutet Weyers auf den kontinuierlichen Rückgang des Beschäftigungsvolumens hin, der seit 1989 einen Personalabbau um insgesamt 480 Mitarbeiter nach sich zog. Im Jahr 1987/88 hatte die Firma einige Großanlagen abgerechnet und erstmals nach sieben Jahren einen Gewinn (1,1 Millionen) erwirtschaftet. 1988/89 folgte dann aber ein Verlust von 69,5 Millionen Mark, im Jahr darauf lag der Verlust bei 11,3 Millionen Mark.
Die Siemens AG integriere allerdings kein bankrottes Unternehmen, betonen sowohl Karl-Heinz Weyers als auch der Betriebsratsvorsitzende Gerd Klockner. Das letzte Geschäftsjahr der Interatom könne mit einer nahezu ausgeglichenen Bilanz bei einem Umsatz von etwa 220 Millionen Mark abgeschlossen werden, gab Weyers bekannt. Während der Sprecher der Geschäftsführung aber keine Angaben über die Rücklagen für den Sozialplan machen konnte, schätzt der Arbeitnehmervertreter diese auf fünf bis sieben Millionen Mark.
In Zukunft wird man sich in Moitzfeld in erster Linie mit fossilen Techniken beschäftigen. Schwerpunkt der Forschung wird die Optimierung konventioneller Reaktoren sein, die derzeit 40 Prozent des Energiebedarfs in Deutschland sichern. Darüber hinaus sollen in Moitzfeld Druck- und Siedewasserreaktoren verbessert werden, die nach Weyers Worten „einen weit-weiten Boom erleben". Der Bau konventioneller Kraftwerke (Kohle, Gas, Öl) im Osten sei in den nächsten Jahren die bedeutendste Aufgabe für Siemens Bergisch Gladbach. Die kaufmännische Abteilung übernimmt das Vertriebsgebiet Osteuropa. Weitere Schwerpunkte seien die Entwicklung von Beschleunigeranlagen, die Technik der supraleitenden Magnete (Anteil im laufenden Geschäftsjahr von etwa 70 Millionen Mark), außerdem der Sektor Stillegungen von kerntechnischen Anlagen sowie Wartung und Nachrüstung nuklearer Technik.
Den Sozialplan für den Abbau der 480 Mitarbeiter (Geschäftsjahr 1989/90 gingen 300 Beschäftigte, 1990/91 waren es 80 und bis zum 30. September 1992 werden 100 weitere Arbeitsverträge gelöst) bezeichnete Klockner als „fair". Gleichwohl gebe es soziale Härten: So sei ein Großteil der rund 150 in den vorzeitigen Ruhestand geschickten Mitarbeiter „nicht sonderlich begeistert" davon gewesen. Ferner würden derzeit viele der Mitarbeiter ein viertel Jahr lang auf ihre neuen Aufgaben in Erlangenund Offenbach eingewiesen, so daß sie von den Familien getrennt seien. Etwa 30 Mitarbeiter wüßten noch gar nicht, an welchem Arbeitsplatz sie vom 1. Oktober an tätig sein werden. Die einzige betriebsbedingte Kündigung habe Interatom vor dem Arbeitsgericht wieder zurückgenommen. Die vier bisherigen Vorstandsmitglieder der Interatom GmbH sind ebenfalls versorgt: In terato m-Geschäftsführer Dr. Claus Berke wird neuer Direktor des Siemens-Standort Bergisch Gladbach, auch sein bisheriger Stellvertreter bleibt am Ort in leitender Position. Der bisherige kaufmännische Geschäftsführer Rainer Conrady wird Vorstandssprecher der VEM (Vereinigte Elektromaschinen) in Dresden und der kaufmännische Geschäftsführer Siegfried Kostrzewa wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Babcock Industrie AG Oberhausen.

Die Firmenbezeichnung Interatom wird es bald nicht mehr geben. Über Jahrzehnte hinweg stand dieser Name zugleich für Fortschritt und Expansion. Die Firma wurde nun in den Siemens-Konzern integriert. (Archivbild. Günter Möllinghoff)
Wird neuer Direktor: Dr. Claus Berke.


Quelle: 
KStAnz-19910911 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe nach telefonischer Zusage fr alle Artikel bis Einstellungsdatum 31.07.2007