Bensberger Innenstadt - Gemischte Gefühle


Bensberger Innenstadt

Gemischte Gefühle

Fragwürdig
Zum Thema: „Frohe Botschaft" für Bensberg 3. September.

Ich bin gegen die Aufhebung der Fußgängerzone in der Schloßstadt Bensberg. Man mag über die Innenstadtgestaltung denken, wie man möchte, ganz glücklich ist sie bestimmt nicht geraten in all den Jahren. Aber wer sich daran erinnert, wie der Verkehr Ende der sechziger, Anfang siebziger Jahre durch den müden Ort knatterte, der kann sich an dem heutigen Anblick der Stadtmitte durchaus erfreuen. Die Parkplatzsituation in der Schloßstraße ist zugegebenermaßen zu den Kerneinkaufszeiten angespannt, daran hat auch die maßlose Erhöhung der Parkgebühren nichts geändert. Warum soll sich durch eine Hand voll Parkplätze zusätzlich etwas an dieser Situation ändern, wer glaubt daran? Auch das Argument, dass durch vielleicht zwanzig Parkplätze mehr in dem jetzigen Fußgängerbereich die Kaufkraft steigt, erscheint sehr fragwürdig. Marketingsemantik wie „Einkaufserlebnis" ist ebenso wenig überzeugend, wie durchsichtig, der Schuss könnte auch nach hinten los gehen, das Erleben kann sich in unterschiedlichste Richtungen entwickeln. Wie wäre es, einmal die Bürger zu befragen, was wünschen sie sich mehrheitlich? Man könnte sich vorstellen, dass man Geh- und Schwerbehinderten den Zugang erleichtert, diese Ausnahme wäre vernünftig. Für ein behauptetes Diktat des Handels den Ruhepol Fußgängerzone zu opfern, das wäre ein Fehler mit nachhaltigen, negativen Wirkungen. Bensberg kann diesen kleinen Fleck, diese letzte Bastion gegen die PS-Lieblinge ganz gut vertragen, es gibt keinen vernünftigen Grund für die Wiederbelebung der freien Durchfahrt. Das ist rückwärts gerichtete Politik unter dem vorgeschobenen Grund von Investoreninteressen. Oder übt ein zukünftiger Biosupermarkt tatsächlich Druck auf die Entscheidungsträger aus, damit die Bürger nun etwa 45 Meter harten Fußweg sparen, um ihren Allerwertesten mittels Auto an die Verkaufstresen transportieren zu können? Ist das Bio, oder was? Ich glaube, dass hier in erster Linie einige Händler vor Ort ihre Chance sehen, den Kunden einmal mehr mit Automobilbequemlichkeit zu locken, ein lang gehegter Wunsch, wie man weiß, ein unvernünftiger dazu. Und wo bleiben die Wochen- und sonstigen Märkte? Wie wär's mal mit einem ansehnlichen Weihnachtsmarkt, eine Jahrhundertaufgabe, oder? Wäre der dann nach der Umgestaltung noch möglich, wenn er irgendwann einmal gelänge? Und wie? Mein Fazit: Der Rückbau ginge auf Kosten der Atmosphäre der Stadt Bensberg, Parkplätze gegen verkehrsberuhigte Bereiche auszuspielen ist kein Allheilmittel für mittelmäßiges Marketing.
Andreas Hintze, Bensberg

Nicht nur Einkaufen
Was für eine „Frohe Botschaft" die uns Herr Bürgermeister Orth verkündet: da sagen zwei Ladenbesitzer, wir wollen den Autoverkehr vom Löwenzentrum bis zum Progymnasium fuhren und schon gehen Herr Orth und seine Mannen auf diesen Vorschlag ein. Was wird aus dem Spielplatz, was wird aus den Ruhebänken, soll das alles verschwinden? Wenn Herr Georg Daubenbüchel als Chef der Bensberger Händlervereinigung da voll des Lobes ist, kann man nur sagen, er hat bis heute nicht begriffen, dass eine Fußgängerzone nicht nur zum Einkaufen da ist, sie ist auch gleichzeitig ein Ort der Entspannung und Begegnung für die Bürger. Es ist schon abenteuerlich, wenn man durch die obere Schlossstrasse geht, wo rechts und links Parkplätze geschaffen wurden. Hier kann der Bürger kaum gehen, ein Betrachten der Geschäftsauslagen ist fast unmöglich. Hier kann von Fußgängerzone keine Rede sein. Hätten die Geschäftsinhaber sich zusammen getan und an der Steinstrasse entsprechende Parkmöglichkeiten geschaffen, dann wäre das für Kunden eine gute Parkmöglichkeit. Ich bin dafür, dass die „Fußgängerzone" für den Autoverkehr geschlossen werden muß, von der oberen, mittleren bis zur unteren Schlossstrasse. Das wäre eine „Frohe Botschaft".
Siegfried Stiefelhagen
Ehemaliger Vorsitzender der CDU
Kreistagsfraktion
Bergisch Gladbach

Falsche Überschrift
Für o.g. Artikel wurde leider eine falsche Überschrift gewählt. Herr Orth verkündet nicht die „Frohe Botschaft", sondern eine „Hiobsbotschaft". Weiterhin ist der Satz: „Die Fußgängerzone wird umgebaut" falsch. Es muss heißen: „Die Fußgängerzone wird abgeschafft. Sobald Autos durch die Fußgängerzone fahren, ist es keine Fußgängerzone mehr. Zu den Planungen gibt es nicht mehr viel zu sagen, außer: Armes Bensberg!
Sabine Petereit, Bergisch Gladbach

Zunehmende Verödung
Das darf doch nicht wahr sein. Ist Herr Orth nun von allen guten Geistern verlassen? Erst die Rhein-BergGalerie und nun „Freie Fahrt" den Autos in der Fußgängerzone. Da soll doch nun allen ernstes eine der wenigen angenehmen Plätzchen in der Bensberger Innenstadt, wo man wenigstens etwas eingeladen wird zum bummeln und verweilen, dem Händlerinteresse und dem Autoerreichbarkeitswahn geopfert werden. (Die Folge: Abgase, Lärm von PKW, LKW, Motorrad) Statt das wenige Geruhsame und wenige wertvolle Grün zu erhalten, soll nun einseitig Umsatz heischendes Händlerinteresse das Maß der Dinge sein. Die Gründe für die sinkende Attraktivität und Umsatzschwund liegen doch in der zunehmenden Verödung der Ladenlandschaft. Zunehmend monotone Handelsketten bestimmen mit zunehmend einseitigerem Standardangeboten das Ladenprofil der Fußgängerzone. Die Bebauungs-Fehler wurden ja schon in den Siebzigern und Achtzigern gemacht, als man alte Bausubstanz abriss um Waschbeton und Einheitsarchitektur entstehen zu lassen. (z.B. Bensberger Riegel, Löwencenter, Terrassen-Ungetüme) Nun noch ein Klamottenladen? Wo doch schon so viele dicht machen? Sehr originell! Was fehlt, sind doch kleine, individuelle Geschäfte mit kreativem Angebot und Sortiment statt Ladenketteneinerlei. Keine Tempel für Massenware und gleichgeschalteten Massenprodukten oder Edelsortiment für das gut betuchte Klientel. Die „eigentliche" Lösung für das Löwencenter wäre ja, es so schnell als möglich abzureißen und an seiner Stelle einen wirklichen kommunikativen einladenden Marktplatz zu schaffen ( das darf ja nicht ausschließlich „Altgladbach" vorbehalten sein) unter optischem und fußläufigem Einbezug von Malerwinkel, Rathaus und Schloss, sowie dem oberen kleinen Markt. Das sind nämlich die wirklich schönen Stellen in Bensberg. Als ein von Herrn Orths Ideen geschockter treuer SPD Wähler verbleibe ich mit guten Wünschen zur Einsicht.
Heinz-Dieter Spiegel, Bensberg

Uralte Vorstellungen
Bei all den bislang vorgegebenen Argumenten der Befürworter einer Aufhebung der Fußgängerzone werden aus guten Gründen eine Menge Fakten unterschlagen.
1. gibt es im fußläufigen Bereich, der deutlich kleiner als die Schloßstraße überhaupt lang ist, mindestens fünf ausgewiesene Parkplätze bzw. Parkhäuser.
2. ist es den Verantwortlichen sicher bekannt, dass das Loewen-Center einen davon direkt auf dem Dach des Gebäudes hat und somit die Forderung der potenziellen Interessenten in der von Bürgermeister Orth formulierten Art also noch nachzuweisen wäre. Die gesamte Diskussion wird z.Zt. kaum verbrämt gemäß den uralten Vorstellungen von Herrn Daubenbüchel geführt. Auch dort wird nach der zu befürchtenden Abschaffung der Fußgängerzone festzustellen sein, dass nach Art eines „Drive In" kein Kochtopf mehr umgesetzt werden wird, als mit einem Fußweg von max. 100 - 400m zu den o.e. Parkmöglichkeiten. Schätzen kann man im Moment auch nur, wie lange es dauern wird, bis der Schleichweg zur Umgehung des hohen Stauaufkommens auf der Steinstraße über die nun wieder geöffnete Schloßstraße entdeckt wird und ein Verkehrsaufkommen produziert wird, welches mit einer Einkaufsstraße nun wirklich nicht mehr zusammengehört. Aber aller Austausch von Argumenten ist wohl jetzt schon müßig, in guter politischer Tradition wird Herr Orth mittels teuerster Gefälligkeitsgutachten dem Bürger schon klarmachen, dass die IGBH ihren Willen unbedingt erfüllt haben muss ... koste es, und bringe es vor allem was es wolle!
Egon Albach, Rösrath

Noch mehr Hektik
ch habe die „Frohe Botschaft" mit gemischten Gefühlen gelesen, der ganze Artikel hat mich nicht überzeugt. Bensberg ist für mich heute als Einkaufsstadt aufgrund der recht ungemütlichen Parkverhältnisse uninteressant. Ein gemütliches Stöbern und Auswählen in den Geschäften mit einer anschließenden Rast in einem der Cafes ist nicht möglich, da mir immer die Parkuhr im Nacken sitzt und ich keine Lust habe, ständig dahin zu rennen - von den hohen Parkgebühren einmal abgesehen. Nun soll der Verkehr auch wieder einspurig am Einkaufscenter vorbeiführen – also noch mehr Hektik – Bioprodukte bekomme ich in jedem Discounter und da kann ich parken, so lange ich möchte und in Ruhe einkaufen! Warum nicht 2 Stunden gebührenfrei parken - das wäre für mich ein entspanntes Einkaufen und ein Tässchen Kaffee zur Rast wäre dann auch noch möglich.
Bensberg hat noch ein paar schöne Geschäfte - es fehlt die Möglichkeit des Bummelns und Stöberns aufgrund der ungemütlichen Parksituation.
Heide Lauber,Bergisch Gladbach

Neues Ambiente
Ich freue mich für alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, die zukünftig trockenen Fußes einkaufen können. Ob in neuen Passagen, Centern oder in Bensberg in einer wie auch immer umgestalteten Fußgängerzone. Direkt vor dem Geschäft zu parken ist schön. Wenn ein Parkplatz vorhanden ist, der auch immer dann frei ist, wenn ich in die Stadt fahre. Auch die Einzelhändler freuen sich. Es ist nicht einfach, jedem Bedürfnis gerecht zu werden. Ein Bedürfnis ist – laut Lexikon - das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen. Nicht jedes Bedürfnis lässt sich befriedigen, schon gar nicht, wenn es an finanzielle Mittel gebunden ist. Meine Tochter geht in die zweite Klasse einer Bergisch Gladbacher Grundschule. Einige Kinder dieser Grundschule haben, wenn sie nach Hause kommen, nur ein einziges Bedürfnis: auf eine Toilette zu gehen. Die Grundschul-Toiletten sind für diese Kinder so abschreckend, dass sie es –je nach Stundenplan – schaffen, ihre natürlichsten Bedürfnisse für eine ganze Weile zu unterdrücken. Manche Erstklässler haben leider eine noch nicht so gut trainierte Blase; da geht schon mal was in die Hose.
Aber leider ist das Bedürfnis der Sanierung an finanzielle Mittel gebunden. Zurück zu wichtigeren Themen: Auch wenn ich von Refrath aus schnell und gerne nach Köln zum Einkaufen fahre; die Toiletten im neuen Einkaufszentrum von Bergisch Gladbach werde ich mir nicht entgehen lassen. Ich bin überzeugt, dass sie sauber sind und gut zum neuen Weltstadt-Ambiente passen!
Martina Röttgen, Bergisch Gladbach

Angenehmes Parken
Einkaufen soll wieder attraktiv werden in Bensberg. Endlich setzt sich eine Idee durch, die angenehmes und geschäftsnahes Parken möglich macht. Die Anziehungskraft für Einkäufer, die nur kurz etwas erledigen wollen wird deutlich erhöht. Ein gutes Lebensmittelgeschäft im Löwencenter ist auch für die Anwohner dringend erforderlich und belebt die leider zur Zeit noch vernachlässigte schöne Einkaufsmeile mit den unterschiedlichen Fachgeschäften. Der Bürgermeister beweist, dass ihm Bensberg genauso am Herzen liegt wie Gladbach. Das tut dem Zusammenleben gut.
Ilona Frantzen, Bergisch Gladbach

Belebte Innenstadt: Beim Schlossstadtfest in Bensberg im Mai flanierten tausende von Besuchern durch die Fußgängerzone, die nach neuesten Plänen aufgehoben werden soll.    BILD: ROLAND U. NEUMANN

Quelle: 
KStA-20080909-S36 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 22. Juli 2009