Schloß Bensberg - Sonderveröffentlichung des Kölner Stadt-Anzeiger











Schloß-Thema: Dem Sommertheater folgte ein heißer Herbst

Chronologie eines entscheidenden Jahres für die Zukunft von Schloß Bensberg

Es war ein wirklich heißer Sommer — vor allem für die öffentliche Diskussion um die Zukunft des Schlosses Bensberg. Das Jahr 1995 ist ohnehin ein ganz entscheidendes Jahr in der fast 290jährigen Geschichte des von Jan Weilern erbauten Lustschlosses.
Nachdem sich im vergangenen Jahr die vier Siegermächte nach und nach aus Deutschland verabschiedeten, beschäftigten sich folglich auch einflußreiche Bürger der ehemaligen Schloßstadt Bensberg mit dem Gedanken, was nach dem Abzug der Belgier aus Schloß Bensberg mit dem geschichtsträchtigen Gemäuer geschehen soll. So kam es zur Bildung einer Interessenvereinigung in Bensberg, 80 Bürger trafen sich erstmals am 2. März im Bensberger Progymnasium. Bei dieser Sitzung wurde eine 16köpfige „Planungsgruppe" aufgestellt, der Geschäftsleute, Künstler und Vereinsvertreter angehörten unter der Schirmherrschaft der Bürgermeisterin Opladen.
Am 1. April wurde dann vom Kölner Regierungspräsidenten im Auftrag der NRW-Landesregierung das Schloß-Poker eröffnet. Der RP schrieb die gesamte Schloßanlage in der deutschen und Schweizer Tagespresse zum Verkauf aus. Das Interesse war zunächst sehr groß. Bis Anfang Mai hatte der RP bereits 129mal das 15seitige Verkaufsexpos verschickt.
Weiterer Höhepunkt in der Chronologie war dann die konstituierende Sitzung des „Schloß Bensberg e.V." am 31. Mai. Rund 100 Bürger mit Rang und Namen dokumentierten durch Anwesenheit die Unterstützung im Bemühen, das Schloß zu erhalten und es endlich für den Bürger zu öffnen.
Das Sommertheater begann dann Ende Juli. Völlig überraschend teilte das NRW-Finanzministerium dem Bergisch Gladbacher Stadtdirektor mit, daß Schloß Bensberg an die Siegburger Immobiliengruppe XXXXXXX XXXXX verkauft werde. XXXXX wolle das Schloß mit einer Klinik belegen und neue Wohnungen schaffen. Die Vertreter der Stadt waren allerdings nicht begeistert, sie beklagten, bei dieser angeblichen Entscheidung übergangen worden zu sein. Als schärfste Kritikerin trat Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen auf und warf Finanzminister Heinz Schleußer „kurfürstliches und absolutistisches Handeln" vor. Im Haus des Kölner Regierungspräsidenten war man ebenfalls irritiert über die Nachricht aus Düsseldorf, an der selbst der RP nicht beteiligt war. Doch stellte RP-Sprecher Wiesselmann klar: „Wir verschaffen uns Gewißheit über die Bonität des Bewerbers." Seinen Protest formulierte auch der Schloßverein, der an den Landesfinanzminister Schleußer einen Sechs-Punkte-Forderungskatalog sandte, um ein „Verscherbeln" des Schlosses zu verhindern.
Anfang August äußerte der Bergisch Gladbacher SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Peter Freese Skepsis an der Seriosität des Kaufinteressenten XXXXXXX XXXXX. Erhabe mehrere Hinweise aus dem oberbergischen, dem Siegburger und dem Kölner Raum erhalten, in denen Kritik geübt worden sei an XXXXXs Geschäftspraktiken. Nur drei Tage später berichtete ein großes Nachrichtenmagazin über XXXXXs finanzielle Schwierigkeiten. Im Zuge der weiteren Untersuchung wurde bekannt, daß XXXXX schon im November 1994, also Monate vor der Ausschreibung durch den Regierungspräsidenten,
einen Optionsvertrag über den Kauf des Schlosses Bensberg mit dem Landesfinanzministerium geschlossen habe. In den folgenden Tagen entwickelte sich die Sache zum Politikum, zwischen Stadt und Land gab es Verstimmungen. Bergisch Gladbacher Politiker forderten Einsicht in die Akten. Ende August konkretisierten sich die Spekulationen um die Finanzkrise der Immobiliengruppe XXXXX, die schließlich Abstand von Schloß Bensberg nahm und ihr Kaufangebot zurückzog. Im Gladbacher Rathaus kam es zur Aussprache zwischen Vertretern von Stadt und Land. Man einigte sich auf eine Verlängerung der Ausschreibungsfrist bis zum Frühjahr 1996. Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Experten des Landes, der Stadt und des Schloßvereins gebildet, die nun gemeinsam Konzepte für die Zukunft von Schloß Bensberg entwickeln will. Den Weg ebnete der Bergisch Gladbacher Planungsausschuß, der am 14. September die Aufstellung eines Bebauungsplans für das 65 000 Quadratmeter große Schloßareal beschlossen hat.
Unterdessen kam es im Landtag zur Kraftprobe zwischen den Regierungspartnern. Die SPD favorisiert nach wie vor den Verkauf. Die Grünen, aber auch die CDU, wären über eine Übernahme des Schlosses durch die Landesentwicklungsgesellschaft sehr glücklich. Und am morgigen Freitag will der Schloß Bensberg e.V. sein erstes „Vorkonzept" für die künftige Nutzung des Schlosses vorstellen.
Ein entscheidendes Jahr für die Zukunft von Schloß Bensberg. In diesen Tagen werden die Weichen gestellt.

 

Schloßverein: Zukunft mitgestalten

Die Initiative will das Wahrzeichen zum „Mittelpunkt des städtischen Lebens" machen

Die Zukunft des Bensberger Schlosses liegt vielen Bürgern des Bergischen Landes am Herzen. Doch vor allem die Bensberger betrachten das Bauwerk als ihr Wahrzeichen. So ist es gut nachvollziehbar, daß es einflußreiche Bürger der ehemaligen Schloßstadt sind, die nun für eine Öffnung des Schlosses für die Öffentlichkeit kämpfen. So gründete sich am 31. Mai 1995 der Verein „Schloß Bensberg e.V.", der ein gewichtiges Wort mitredet bei der Zukunftsplanung für das Barockbauwerk. Der Vereinsvorsitzende Dr. Ulrich Müller-Frank erläutert im folgenden die Ziele der engagierten Bürgerinitiative:
Der Schloß Bensberg e.V. wurde am 31. Mai 1995 mit dem Ziel gegründet, die Zukunft des ehemaligen Jagdschlosses des Kurfürsten Jan Weilern mitzugestalten. Er wurde ins Vereinsregister eingetragen und dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Der Verein steht unter der Schirmherrschaft der Bürgermeisterin der Stadt Bergisch Gladbach, Maria Theresia Opladen. Er will im einzelnen:
•    das Schloß als Wahrzeichen für Stadt und Region;
•    das Schloß als Mittelpunkt des städtischen Lebens;
•    bei der Auswahl von Nutzungs- und Bebauungskonzepten mitentscheiden;
•    eigene Ideen entwickeln und umsetzen, um das Schloß für Stadt und Region zu öffnen;
•    die Öffentlichkeit informieren, sensibilisieren und aktivieren;
•    Führungen, Veranstaltungen und Aktivitäten im Schloß und seinen Anlagen ermöglichen;
•    die Kunstschätze und damit die Geschichte und Kultur zurückholen;
•    viele einzelne Ideen in ein Gesamtkonzept bündeln;
•    seinen Vereinssitz im Schloß einrichten.
Schloß Bensberg e.V. akzeptiert den Wunsch des Landes Nordrhein-Westfalen, nach der Freigabe des Schloßkomplexes durch die Belgier zu einem
wirtschaftlich möglichst tragfähigen Konzept zu kommen. Der Verein favorisiert jedoch eine Lösung, in der Nordrhein-Westfalen in der
Verantwortung bleibt, indem es zum Beispiel durch die Landesentwicklungsgesellschaft in einer gemischten Trägerschaft integriert bleibt.
Der Verein hat eine erste Strukturstudie/Nutzungskonzept - erstellt, dessen gestalterische Ausführungen exemplarisch in zwei Varianten dargestellt sind. Diese unterscheiden sich in denkmalpflegerischer Hinsicht. Die erste Variante basiert auf den zur Zeit geltenden Bestimmungen, welche die Gesamtordnung einer preußischen Erziehungsanstalt mit dem Barockschloß und einigen später hinzugekommenen Zweckbauten unter Schutz stellen, während sich die zweite Ausführungsvariante streng an der ursprünglichen Idee des Barockschlosses orientiert und auf weniger erhaltenswerte Bauelemente verzichtet, soweit sieeiner optimalen Gesamtkonzeption
hinderlich sind. In beiden Varianten bleibt der Schloßpark unberührt.
Der Konzeptentwurf wird zur Zeit in den drei Arbeitsgruppen des Schloß Bensberg e.V., dem Planungs-, Wirtschaftsund Kulturausschuß, diskutiert. Er wird am Freitag, 27. Oktober 1995, der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgelegt.
Schloß Bensberg e.V. ist Mitglied eines Arbeitskreises, in dem Land, Bezirksregierung und Stadt vertreten sind.
Ziel ist es, alle Planungsvoraussetzungen zu prüfen und einvernehmlich Nutzungsinhalte zu entwickeln, die in einen Bebauungsplan einfließen sollen, dessen Aufstellung am 26. Oktober 1995 beschlossen wird.

Schloß Bensberg
Sonderveröffentlichung des Kölner Stadt-Anzeiger
Ausgabe RN / Nr. 248 / 25.10.1995 Redaktion: Jürgen H. Diethold (verantwortlich), Andreas Halbach Fotos: Günter Möllinghoff, Christopher Arlinghaus
Anzeigen: Dr. Bodo Almert Verlag und Druck:
M. DuMont Schauberg
Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG
50590 Köln, Pressehaus
oder Breite Str. 70, 50667 Köln

Kein „Luftschloß", sondern kultureller Mittelpunkt der Stadt soll das Jagdschloß Bensberg werden, das der Schloßverein für Bürger öffnen will.

Ein historisches Foto: Die Gründungsversammlung des Schloßvereins am 31. Mai 1995 im Bensberger Ratssaal: Ragna Bohne (Ausschuß Kultur und Kontakte), Vereinsvorsitzender Dr. Ulrich Müller-Frank, Dr. Hubert-Friedrich Offermann (Wirtschaft), Detlev Neberich (Planung und Nutzung).

 

„Herausragendes Denkmal”
Gedanken der Bürgermeisterin Opladen zu Schloß Bensberg

Am 24. Juli 1774, an einem Sonntag, der sonnig, heiter mit klarer Sicht war, besuchen mehrere Personen Schloß Bensberg mit dem Ziel, die reiche Ausstattung an Gemälden niederländischer und italienischer Künstler wie Weenix, Schoonjans, Douven, Pellegrini, Belucci und Zanetti anzuschauen. Unter diesen Besuchern ist kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der anschließend in seiner Schilderung im 14. Buch in „Dichtung und Wahrheit" schreibt:
„Deutlicher ist mir eine Fahrt nach dem Jagdschloß Bensberg, das auf der rechten Seite des Rheins gelegen, der herrlichsten Aussicht genoß. Was mich daselbst über die Maßen entzückte, waren die Wandverzierungen durch Weenix. Wohlgeordnet lagen da alle Tiere, welche die Jagd nur liefern kann, ringsumher wie auf einem Sockel einer großen Säulenhalle. Über sie hinaus sah man weite Landschaft."
Einer seiner Reisebegleiter schreibt dann anschließend in einem ausführlichen Brief über Goethes Buch:
„Wir begleiteten ihn bis Bensberg, einem italienischen Schloß voll Gemälde auf einem hohen Berge, das die schönste Aussicht vielleicht in Deutschland hat und unstreitig so liegend das schönste ist."
Von den
Schönheiten des Schlosses Bensberg ist leider fast nichts mehr vorhanden, denn seine wechselvolle Geschichte hat es mit sich gebracht,
daß das barocke Innere mit seinen reichen Ausstattungen fast vollständig zerstört worden ist. Dennoch zählt Schloß Bensberg — in den Jahren 1701 bis 1716 von Matteo Graf de Alberti im Auftrag des Kurfürsten Jan Wellem erbaut — zu den herausragenden profanen Denkmälern unseres Landes und zu den großen Gesamtkunstwerken des Europäischen Barock. Zugleich ist es eines der Wahrzeichen unserer Stadt.
Schloß Bensberg wurde seiner ursprünglichen Bestimmung als Jagdschloß nie zugeführt. Kurfürst Jan Wellem starb vor seiner Vollendung. Es diente in den vergangenen Jahrhunderten unterschiedlichen Zwecken. Zunächst als Französisches und Preußisches Militärlazarett in den napoleonischen Kriegen genutzt, wurde 1837 mit dem Umbau einer Preußischen Militärakademie. begonnen, der innerhalb des Schlosses 1840 dann abgeschlossen war. Mit preußischer Gründlichkeit wurden bei diesem Umbau die Stuckdecken herabgeschlagen und wesentliche bauliche Veränderungen, zum Beispiel Verlegung der beiden Treppenhäuser, durchgeführt. Die Schloßkapelle wurde fast gänzlich abgerissen. Nach der Auflösung der Kadettenanstalt diente das Schloß den Gruppen der Entente und als Obdachlosenunterkunft und wurde dann zwischen 1934 und 1937 saniert und für die Zwecke einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt, einer Napola, hergerichtet. Nach 1945 diente Schloß Bensberg dann als Kaserne für belgische Streitkräfte und später als deren Internat.
Seit 1992 wird es sukzessive an das Land Nordrhein-Westfalen zurückgegeben, das
damit nunmehr Eigentümer der Schloßanlage Bensberg ist. Insbesondere auch in den Nachkriegsjahren blieb der Öffentlichkeit der Zugang zu dem kulturhistorisch einmaligen Denkmal stets verwehrt.
Wenn auch Schloß Bensberg aufgrund seiner wechselvollen Geschichte im Inneren kaum noch etwas von seinem einstigen Glanz aufweisen kann, so ist es doch die größte barocke Schloßanlage im Rheinland. Der reich bemalte Kuppelsaal, die kurfürstlichen Schlafzimmer und einige schöne Stukkaturen mit Jagdmotiven vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Leben in einem kurfürstlichen Jagd- und Lustschloß.
In der Eintragung in die Denkmalliste heißt es: „Matteo de Alberti hat mit dem Bensberger Schloß ein Bauwerk geschaffen, das im Stil und Anspruch mit den Höfen in Wien, Paris und London wetteifern sollte. Mit seiner qualitätsvollen Innenausstattung, die heute nur noch bruchstückhaft vorhanden ist, war das Schloß Bensberg eines der glänzendsten Residenzen des Rheinlandes.
Obwohl es durch den frühen Tod des Bauherrn Kurfürst Wilhelm von Pfalz-Neuburg rasch der Verödung anheim wird, ist es auch heute noch ein herausragendes Beispiel barocker Bau- und Dekorationskunst und damit bedeutend für die Geschichte der Menschen. Die enge Verquickung der Baugeschichte des Schlosses mit der Geschichte der Stadt macht es zudem bedeutend für die Geschichte der Stadt Bensberg. Man kann wohl davon ausgehen, daß sowohl die kulturhistorische als auch die städtebauliche Bedeutung von Schloß Bensberg außer Frage steht."
Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bergisch Gladbach, vor allem der alten Stadt Bensberg,
nehmen großen Anteil am Schicksal von Schloß Bensberg. Nachdem es für die Bevölkerung eigentlich immer verschlossen war, verlangt sie nunmehr zu Recht die Öffnung zumindest des Parks und der wenigen erhaltenen Räume. Dieses Anliegen halte ich für völlig berechtigt, und ich bin froh, daß auch der Finanzminister des Landes NRW in die Debatte, die im Landtag zum Thema „Schloß Bensberg" geführt wurde, zugesagt hat, die Öffnungswünsche der Bevölkerung soweit wie irgend möglich zu berücksichtigen.
Als sichtbares Zeichen des Engagements der Bürgerschaft betrachte ich den kürzlich gegründeten Verein „Schloß Bensberg". Er hat sich zur Aufgabe gemacht, Verständnis für die Bedeutung des Schlosses zu wecken, dazu beizutragen, daß das Bauwerk als Sinnbild historischer Herrschaftsformen verstanden wird, aber auch mit Konzeptionen für eine Erhaltung, Wiederherstellung und Nut' zung zu entwickeln.
Eine sicherlich schwierige, aber sehr dankbare Aufgabe für den Verein „Schloß Bensberg e.V.". Ich wünsche dem jungen Verein im
Interesse von Schloß Bensberg und damit der Stadt Bergisch Gladbach viele Mitglieder, Freunde und Förderer. Schloß Bensberg verdient es, daß wir uns um es bemühen.
Maria Theresia Opladen
MdL

Bürgermeisterin der Stadt Bergisch Gladbach, Maria Theresia Opladen.

 

Wochen wichtiger Debatten
Zeit der Entscheidung

Es sind Wochen wichtiger Entscheidungen für die Zukunft von Schloß Bensberg.
Der Planungsausschuß der Stadt Bergisch Gladbach hat am 14. September den Aufstellungsbeschluß für den Bebauungsplan Schloß Bensberg gefaßt. Und am Freitag, 27. Oktober, will der Schloß Bensberg e.V. bei seiner Mitgliederversammlung sein erstes städtebauliches Vorkonzept für die künftige Nutzung von Schloß Bensberg vorstellen. In der vergangenen Woche war Schloß Bensberg bereits auf der Tagesordnung des nordrhein-westfälischen Landtags in Düsseldorf. Dort kristallisierten sich allerdings unterschiedliche Positionen innerhalb der Regierungskoalition heraus. Während die Bündnisgrünen, allen voran NRW-Bauminister Michael Vesper, für eine Übernahme des Schlosses durch die landeseigene Landesentwicklungsgesellschaft plädieren, sieht sich
Landesfinanzminister Schleußer (SPD) außerstande, die auf mindestens 150 Millionen Mark geschätzte Gesamtsanierung des Bensberger Schlosses mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren, und favorisiert daher den Verkauf an Privatinvestoren. Nun wollen sich die beiden Koalitionspartner in den nächsten Wochen auf eine gemeinsame Linie verständigen. Insider der politischen Szene in Düsseldorf munkeln bereits von einer weiteren Kraftprobe zwischen den beiden Regierungspartnern.
Die rheinisch-bergischen Landtagsabgeordneten, die Bergisch Gladbacher Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen (CDU) und Jens Petring (Bündnis 90/Die Grünen), legten sich jedenfalls mächtig ins Zeug, um das Plenum in Düsseldorf von der Notwendigkeit des Erhalts der für das Rheinland bedeutenden Schloßanlage zu überzeugen. In einer fraktionsübergreifenden Initiative fordern die heimischen Volksvertreter auf jeden Fall eine Öffnung des Schlosses für die Öffentlichkeit. Niemals war das Bensberger Schloß für den Normalbürger zugänglich, dieser Zustand soll nun beendet werden.
Sowohl Opladen als auch Petring befürworten zunächst die weitere Beteiligung des Landes am Bensberger Schloß. Die Hoffnungen, daß ein einzelner Privatinvestor das Schloß kauft und anschließend unter Berücksichtigung der öffentlichen Interessen und des Denkmalschutzes saniert, erscheinen inzwischen als sehr unrealistisch. Im Alleingang könne man sich dabei nur verheben, so die einhellige Meinung.
So wird nun von allen Beteiligten ein Mischkonzept herbeigesehnt. Mehrere private Investoren, die Stadt und das Land sollen durch einen gemeinsamen Kraftakt das Ziel erreichen. Wichtig ist dabei, so die durchgängige Meinung, daß das Schloß wieder mit Leben erfüllt werden muß. Es soll auf keinen Fall ein Gebäude werden, in dem nachmittags Punkt 17 Uhr die Lichter ausgehen. Zwar sei eine Büro- oder Verwaltungsnutzung durchaus vorstellbar, doch gleichzeitig müsse das Schloß auch Möglichkeiten bieten, als Ziel der Freizeitgestaltung, als kultureller Mittelpunkt der Region oder als ge- sellschaftlicher Treffpunkt der Generationen. So wird beispielsweise an die Einrichtung von Ausstellungen, den Sitz von Vereinen, an Festsäle oder gar die Einrichtung eines Museums gedacht. Gleichwohl sind all diese Vorstellungen keineswegs konkretisiert. Derzeit sind die Planer — und dazu gehören sowohl der Schloßverein die Stadt als auch das Land — noch 1 offen für Vorschläge aller Art.
Zwar haben die Grünen im Landtag die
Aufhebung der bis zum nächsten Frühjahr geplanten Ausschreibung zum Verkauf des Schlosses gefordert, doch über diesen Entschließungsantrag ist noch nicht entschieden. Solange das nicht geschieht, nimmt der Kölner Regierungspräsident Kaufangebote und Nutzungskonzepte entgegen.
Eine Chance haben dabei aber nür solche Anbieter, und dabei sind sich alle Beteiligten einig, die die Interessen der Offentlichkeit auch
berücksichtigen.

 

Die Chronik des Neuen Schlosses Bensberg
Vor 295 Jahren begann Kurfürst Jan Wellem mit der Planung zum Bau seines prunkvollen Jagdschlosses im Bergischen Land

Zusammenfassung der Planungs- und Baugeschichte des Neuen Schlosses zu Bensberg. Unter Berücksichtigung sämtlicher Quellen ergibt sich folgende Planungs- und Entstehungsgeschichte des Neuen Schlosses zu Bensberg:

Das Neue Schloß Bensberg kurz nach seiner Fertigstellung um 1716 in einem Stich eines unbekannten Künstlers dieser Zeit.

Vor 1700 Erstes Projekt im Typus einer italienischen Villa.
1700 Zweites Projekt einer dreiflügeligen Schloßanlage; Jan Wellems Hofarchitekt Graf Matteo de Alberti verlegt auf Befehl des Kurfürsten seinen Wohnsitz nach Köln.
1703 Drittes Projekt, das die Vergrößerung der Terrassenanlage voraussetzt.
1703-1704 Erdbewegungsarbeiten, Herrichtung der Terrasse.
1705 werden die Fundamente nach dem vierten Projekt gelegt.
1706 Herzog von Marlborough besucht die Schloßbaustelle in Bensberg und wird von Johann Wilhelm in Zeltbauten empfangen.
1707 Heinrich Charrasky erhält den Auftrag zur Lieferung von Bleifiguren nach Modellen von Gabriel Grupello.
1708 war das Corps de logis weitgehend vollendet, denn ein Teil der Stukkaturen muß vor dem Herbst dieses Jahres entstanden sein.
1709 ist der Neubau schon weitgehend fortgeschritten, auf die Ausführung der Giebel und Brüstungen und die Anbringung des bildnerischen Schmucks wird vorläufig verzichtet.
1710 sind das Corps de logis und die Flügel vollendet. In den folgenden Jahren werden die Toranlage, die Corps de Garde und die Schloßkapelle errichtet, der Innenausbau wird fortgesetzt.
1713 Zwischen 1713 und 1714 malt Giovanni Antonio Pellegrini den Sturz Phaetons am Gewölbe des nördlichen Stiegenhauses und eine Serie von 14 allegorischen Darstellungen, und den Aufstand der Giganten im südlichen Treppenhaus malt Domenicus Zanetti.
1714 liefert Jan Weenix d. J. die letzten Jagdstilleben.
1715 ist die Schloßkapelle noch ohne Dach.
1716 werden nach dem Tod des Kurfürsten die Bau- und Ausstattungsarbeiten eingestellt. Die Zufahrtsrampe, der Schloßgarten, die Kapelle und die Reuttersäle bleiben unvollendet.
1716-1742 Herzog Karl Philipp, Bruder Johann Wilhelms, der mit seinem Bruder in sehr gespannten Verhältnissen lebte, war mit der kostspieligen Pflege der Künste nicht einverstanden. Beim Antritt der Regierung sistierte er alle laufenden Kunstunternehmungen und machte alle Kunstaufträge rückgängig. Damit waren die am Düsseldorfer Hof beschäftigten Künstler entlassen. Er mied Düsseldorf und Bensberg, ließ sich eine neue Residenz in Mannheim erbauen und widmete sich dem Wiederaufbau der Pfalz. Er benutzte die Einkünfte aus dem Herzogtum, um den Schuldenberg abzubezahlen.
1742-1799 Herzog Karl Theodor aus dem Hause Sulzbach. Schloß Bensberg unter der Verwaltung der Burggrafen Moureaux. Unter dem Kurfürsten Karl Theodor wurden die notwendigen Unterhaltungsarbeiten vorgenommen. Ein Teil der Gemälde kommt nach Mannheim. Vor 1787 wurden die Laternen auf den Kupferdächern mit Blei verkleidet.
1793-1795 wurde während des ersten Koalitionskrieges das Schloß von dem Generalfeldzeugmeister Graf Clerfayt als Lazarett der kaiserlichen Armee beschlagnahmt, zeitweilig auch als Gefangenenlager benutzt.
1793 wurden Gemälde von Antonio Bellucci, Herman van der Myn, Giovanni Antonio Pellegrini, Anthoni Schoonjans und Jan Weenix d. J., Tapeten und Vorhänge abgenommen und in Verschläge verpackt, das wertvolle Mobiliar in einigen Zimmern zusammengestellt. Die Beletage des Corps de logis wurde zunächst versiegelt, später dann vermauert, die Kapelle wurde zum Strohmagazin bestimmt. Seit dieser Zeit dient das Schloß als Lazarett und Kaserne.
1795 wurde ein Teil der verpackten Bilder und Effekten weggeschafft.
1795 lag französische Einquartierung unter Brigadegeneral Bastout im Schloß.
1796 bewohnte es der General Soult mit seinem Stab.
1802 wurden die Gemälde nach Düsseldorf, die Wandbespannungen wieder nach Bensberg verbracht.
1802/03 wurde das verfallene Corps de Garde mit dem Material des nördlichen wiederhergestellt.
1806 kamen die Gemälde nach München, wo sie sich heute in der Obhut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befinden.
1806 wird Murat Großherzog von Berg.
1808-1813 Das Herzogtum Berg kommt unter Napoleons Verwaltung.
1813 diente das Schloß als französisches Lazarett.
1815 wurden die Rheinlande preußisch. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wollte Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen das Schloß wieder zu einem fürstlichen Wohnsitz machen, doch blieb es 1819-1832 preußisches Militärlazarett.
1824 Auf Antrag des Konservators Mosler wurden 1824 30 Gemälde aus Bensberg an die Kunstakademie in Düsseldorf abgegeben.
1834 wurde das Schloß als Königlich Preußische Kadettenanstalt vorgesehen. Bericht des Hauptmanns von Mühlbach.
1837 wird durch „Allerhöchste Cabinets-Ordre" Bensberg als zukünftiger Sitz des Kadettenhauses bestimmt. Major Schulz fertigt einen Entwurf und einen Kostenvoranschlag für den Umbau des Schlosses zur Kadettenanstalt, der nach einer Umarbeitung 1838 von König Friedrich Wilhelm III. genehmigt wurde.
1838 Im Sommer dieses Jahres begann der Umbau unter Leitung von Major Schulz. Die Distribution wurde vollständig verändert, fast alle Stuckdecken heruntergeschlagen, die innere Stufe des Ehrenhofes überbaut und die Schloßkapelle abgebrochen.
1839 Seit 1839 führte Garnisonsbaudirektor Hauptmann Karl Schnitzler die Bauarbeiten fort.
1840 wurde die Kadettenanstalt eingeweiht. Die letzten Reste der Ausstattung, einige Gemälde, die Wandbespannungen von zwei Zimmern, eine prachtvolle Scagliola-Tischplatte mit dem Allianzwappen von Johann
Wilhelm und Anna Maria Louisa sowie Kaminumrahmungen und Kaminplatten wurden in die Schlösser Brühl und Stolzenfels überführt.
1841 wurden die Neubauten anstelle der ehemaligen Corps de Garde nach Entwürfen des Majors Schulz fertiggestellt. König Friedrich Wilhelm IV. äußerte sich in einer Allerhöchsten Cabinets-Ordre mißbilligend über die Verlegung der Treppenhäuser, die Zerstörung der Stuckdecken und den Abbruch der Kapelle.
1842 Mitte Sommer 1842 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Ein Fürstenschloß war in eine Kaserne umgebaut worden.
1843/51 wird zunächst eine, später eine zweite Baumreihe angepflanzt.
1857 wird ein Brunnen auf dem Schloßhof angelegt.
1865 treffen Feuerwehrspritzen für das Schloß ein.
1880 wird für das Kriegerdenkmal vor dem Schloßtor der Grundstein gelegt.
1885 werden Bohrarbeiten für einen neuen Brunnen ausgeführt; man trieb 1,5 Kilometer entfernt von der Anstalt einen senkrechten 19 Meter tiefen Schacht und zwei Meter über dem Grund noch einen weiteren 22 Meter langen Querstollen durch den Kalkfelsen, der mit wasserführenden Schieferschichten abwechselte. Die große anfallende Wassermenge wurde mit einer Dampfmaschine zum Schloß hinaufgepumpt.
1886 werden neuzeitliche sanitäre Einrichtungen im Schloß installiert. Statt des einfachen Tonnensystems wurde ein Zylindersystem mit Wasserspülung, Ventilabsperrung und Einzeltoiletten mit Geruchsverschluß eingeführt.
1889 wurde der Neubau einer Turnhalle für die Kadetten vollendet. Die alte Turnhalle wurde in ein Badehaus mit Duschen und Badewannen umgebaut.
1890 wurden zwei Aufwärterhäuser nordöstlich des Schlosses erbaut und das Schloß damit um 12 Familienwohnungen entlastet.
1891 wurde ein Waschhaus mit neuester Einrichtung gebaut. 1895/ 96 wurden unter dem Kommandeur der Kadettenanstalt, Oberstleutnant Schwarz, Restaurierungsarbeiten durchgeführt.
1896 wird die neueingerichtete Kapelle eingeweiht.
1897 brannte der Dachstuhl des nördlichen Flügels ab.
1900 wurde der Neubau einer Schwimmhalle für die Kadetten fertiggestellt.
1906 wurde die Gasbeleuchtung im Schloß eingeführt.
1907 Kauf eines Grundstücks für eine vorgesehene Kläranlage.
1908 wurde eine Kläranlage in Betrieb genommen.
1909 erfolgten Grundstückskäufe für einen Spiel- und Sportplatz, für einen Lazarettneubau und für Lehrerwohnungen.
1910 wurde eine Rollschuhbahn auf dem Schloßhof angelegt.
1914-1918 Erster Weltkrieg.
1918 Auflösung der Kadettenanstalt im Bensberger Schloß.
1919-1923 diente das Schloß während der Ruhrbesetzung als Kaserne für Truppen der Entente.
1924-1933 diente das Schloß als Unterkunft obdachloser Bensberger.
1933 mußten die Dächer erneuert werden.
1934-1937 wurde das Schloß durch die Preußische Staatsbauverwaltung restauriert, wobei die ursprüngliche Mittelfront und der Altbau wiederhergestellt wurden; Zugleich fanden Umbau- und Ausbaumaßnahmen für die Bedürfnisse einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt statt.
1935 Eröffnung der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt im Schloß.
1939-1945
Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Schloß Schäden durch fahrlässige Brandstiftung am 2. März 1943 und verlor den bedeutendsten Rest der
wandfesten Ausstattung, das Deckengemälde von Giovanni Antonio Pellegrini.
1945 Am 13. April 1945 ziehen die amerikanischen Truppen im Schloß ein und übergeben die Stellung am 26. Oktober den Engländern.
1946 Am 23. März 1946 übernehmen die Belgier das Schloß.
1965 Das Bensberger Schloß wird als Belgisches Gymnasium (Atheneum) für 650 Schüler genutzt, von denen 120 internatsmäßig untergebracht sind.
1992 Die Südfront und der Mittelbau von Schloß Bensberg gehen in Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.
1992-1995 Sanierungsarbeiten am Dach und an den Türmen.
1995 Am 1. Mai schreibt der Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes im Auftrag der NRW-Landesregierung das Schloß öffentlich in der deutschen und Schweizer Tagespresse zum Verkauf aus. Am 31. Mai findet die konstituierende Sitzung des „Schloß Bensberg e.V." im Bensberger Ratssaal statt. Dr. Ulrich Müller-Frank, der Sohn des Bensberger
Ex-Bürgermeisters, wird erster Vorsitzender. Am 14. September 1995 stellt der Planungsausschuß der Stadt Bergisch Gladbach einen
Bebauungsplan für das Schloßgelände auf.

Komplett umgebaut wurde das Schloß Bensberg Mitte der 30er Jahre, als eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt einzog.

Werner Dobisch (Mitte mit Hut), der für den Umbau des Schlosses verantwortlich war und später zum Reichsbaurat ernannt wurde, bei der Feier zur Fertigstellung der Napola im Schloß Bensberg.

Das Neue Schloß Bensberg kurz nach seiner Fertigstellung um 1716 in einem Stich eines unbekannten Künstlers dieser Zeit.
Seit Generationen ist das Schloß auch für die Bensberger Pänz erlebte Geschichte. Das historische Foto entstand um die Jahrhundertwende.
Das erste Holzmodell des Schlosses, das 1703 gebaut wurde, ist beim Großbrand 1942 vernichtet worden.
Preußische Kadetten beim strengen Unterricht des Oberstudienrates Amsel im Jahr 1913. Das Schloß war Kaderschmiede für die Zöglinge bester Familien im Deutschen Reich.
Die Geburtstagsfeier von Oberst Mülheim am 7. Mai 1914 im Casino des Schlosses Bensberg.

Oberst Mathies mit Adjutanten.
Marokkanische Soldaten beim Einzug in der Schloßstadt Bensberg. Sie waren von 1920 an hier stationiert.

Blut-und-Boden-Ideologie hielt Einzug in Schloß Bensberg während des Dritten Reiches. Der militärische Nachwuchs wurde auf dem Schloßhof gedrillt.

 

Die Bausünden der Preußen machten aus Prunksälen kasernenähnlichen Zweckbau
Jan Wellem gab Schloß in Auftrag, Matteo de Alberti baute es und Werner Dobisch restaurierte es

Das Neue Schloß Bensberg ist im wesentlichen mit den Namen drei berühmter Männer verbunden: dem Erbauer Kurfürst Johann Wilhelm II. (Jan Wellem), dem Architekten Graf Matteo de Alberti und schließlich dem Reichsbaurat Werner Dobisch, der durch seinen Umbau Mitte der 30er Jahre dieses Jahrhunderts zur Substanzerhaltung des Bauwerks sowie in Teilen auch zur Restaurierung in den ursprünglichen Zustand beitrug.
Der Kurfürst hat niemals in seinem Jagdschloß gelebt. Zwar war es prunkvoll ausgestattet. Seine Schlafgemächer sollen in zartem Grün getüncht gewesen sein und im Garten sollte ein Wildgehege entstehen, so daß der Herrscher seiner Passion selbst im Bette frönen konnte. Quasi mit seine Tode X wurde das imposante Bauwerk erst fertiggestellt.
Architekt Graf Matteo de Alberti galt als einer der genialsten Baumeister seiner Zeit. Jan Wellem befahl Alberti eigens für den Bau des Schlosses
Bensberg im Jahr 1700 seinen Wohnsitz nach Köln zu verlegen:
Reichsbaurat Werner Dobisch galt ebenfalls als einer der anerkanntesten Bauexperten seiner Zeit. Er wurde schließlich auch 1939 Leiter des Staatshochbauamtes 1, ihm oblag bis 1946 auch die Betreuung der Schlösser Sanssouci und Neubabelsberg. Nach Dobischs Plänen sollte Schloß Bensberg umfassend instandgesetzt werden. Dringender Bedarf der Sanierung bestand vor allem am beschädigten Dach sowie an der Bleiverkleidung der fünf Kuppeln. Dobisch setzte schließlich aber auch alles daran, die rund 100 Jahre zuvor  von den Preußen unter dem
Major Schulz verbrochenen Bausünden so weit wie möglich zu beheben. Damals war aus Prunksälen ein kasernenähnlicher Bau mit kleinen Kammern
entstanden. Die ursprüngliche Anordnung der Räume, wie sie von Matteo de Alberti angelegt worden waren, sind aber aus statischen Gründen nicht wiederherstellbar gewesen. Auch die Zwischendecken der Treppenhäuser sind nicht mehr zu entfernen. Der Durchblick auf die noch vorhandenen Deckengemälde Pellegrinis und Zanettis in den Kuppeln war ein für alle mal verwehrt.
Dobisch ließ jedoch den von den Preußen errichteten Anbau am Mittelbau, den Corps de Jogis, abreißen, um den ursprünglich repräsentativen Grundriß wieder herzustellen. Dabei wurde auch die Kapelle der Kadetten, die auch der evangelischen Kirchengemeinde zur Verfügung stand, abgebrochen.
Für die Kirchengemeinde wurde 1937 ein neues Gotteshaus am Eingang des Gemeindefriedhofs errichtet — einer der seltenen Fälle, daß die Nationalsozialisten sich am Bau sakraler Gebäude überhaupt beteiligten.

Von außen hui, von innen pfui — das Schloß Bensberg wirkt in seiner ganzen Barockherrlichkeit. Doch die Bausubstanz im Inneren der größten Schloßanlage des Rheinlands ist marode.
Der prunksüchtige Bauherr: Kurfürst Jan Weilem
Der geniale Architekt: Graf Matteo de Alberti
Der Retter der Bausubstanz des Denkmals: Werner Dobisch.

 

Der gute Geist des Schlosses
Georges Vermandel hat jahrzehntelang die Baugeschichte erforscht — In diesen Tagen ist er nach Belgien heimgekehrt

Georges Vermandel hat die Baugeschichte des Bensberger Schlosses ergründet. Hier steht er vor der alten und noch erhaltenen Turnhalle, in der sich einst die Kadetten körperlich ertüchtigten.

Adieu Bensberg! Georges Vermandel reicht die Hand zum Abschied.

Zielstrebig geht die Schülergruppe auf einen eisernen Adler kurz hinter dem Schloßhofportal zu. „Das ist ein preußischer Adler. Als die Engländer nach Kriegsende ins Schloß kamen, haben sie ihn vom Sockel gestoßen, weil sie ihn mit dem Reichsadler verwechselt haben." Der pensionierte belgische Lehrer Georges Vermandel bleibt keine Antwort schuldig. Er gilt als der beste Kenner des Bensberger Schlosses. Seit 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Historie des Jagdschlosses, er forscht nach unbekannten Dokumenten, er sucht Zeitzeugen, er archiviert und stellt Zusammenhänge schriftlich dar.
1965 kam der Belgier nach
Bensberg, wo er als Lehrer im königlichen Athenaeum die Kinder belgischer Militärangehöriger aus der Region unterrichtete. Sein
persönliches Interesse an der Baugeschichte von Schloß Bensberg hätten seine Schüler geweckt, erinnert sich Georges Vermandel.
„Die Schüler haben mich etwas gefragt und ich mußte ihre Fragen beantworten. So begann ich selbst viel über das Schloß zu lesen. Und so entwickelte sich das Interesse immer weiter."
Unzählige Besuchergruppen hat Georges Vermandel in den zurückliegenden drei Jahrzehnten durch das Schloß geführt. Ihm ist es zu verdanken, daß es für die Bürger zumindest eine Möglichkeit gab, das Schloß kennenzulernen. Georges Vermandel hat sich durch
seine Schloßführungen viele Freunde gemacht, sein freundliches Wesen und seine fachlich fundierten Kenntnisse haben ihn zu einem hochgeachteten Mann im Bergischen Land gemacht.
Der gute „Geist des
Schlosses" kehrte vor wenigen Wochen allerdings Bensberg den Rücken. Mit seiner Pensionierung am 1. September dieses Jahres hat er seine
Arbeit in der Schloßstadt beendet, jetzt ist er zurückgangen in seine belgische Heimat. In Oostkamp in der Nähe von Brügge will .er zunächst einmal sein kleines Eigenheim in Schuß bringen und sich dann mit den Denkmälern seiner geschichtsträchtigen Heimatregion intensiv befassen.
Doch Bensberg und „seinem" Schloß hat Georges Vermandel natürlich nicht für immer Adieu gesagt: „Ich bin doch nicht aus der Welt. Selbstverständlich werde ich regelmäßig nach Bensberg kommen und auch weiterhin die eine
oder andere Schloßführung leiten", sagt der verdiente Bensberger Bürger. Auch seine Forschungsarbeit am Bensberger Schloß will er natürlich nicht einstellen. Im Gegenteil: Das, was er über drei Jahrzehnte an Informationen, Dokumenten und Fotos gesammelt hat, will er nun an seinem Schreibtisch aufarbeiten und in schriftlicher Form für die Nachwelt erhalten.
Für ihn sei es eine „sehr schöne" Zeit in Bensberg gewesen, mit interessanten Begegnungen. So sei beispielsweise vor wenigen Monaten ein ehemaliger Schüler der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt innerhalb des Schlosses bei ihm zu Besuch gewesen. Bei der Durchsicht historischer Fotos habe sich der Mann, der später in der DDR lebte, wiedererkannt. Anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen verhalf der Überraschungsgast Vermandel zu weiteren Erkenntnissen. So war der ehemalige
NPEA-Schüler gegen Kriegsende mitsamt der Bensberger Napola
auf einen Gutshof im ostdeutschen Hardenhausen bei Warburg verlegt worden. Auch ein Filmdokument von diesem Gehöft konnte der Gast beschaffen.
Solche und andere Begegnungen haben die Arbeit Vermandels immer wieder vorangebracht. Als seinen bislang größten Erfolg bezeichnet Vermandel die Aufdeckung der Hintergründe des Großbrandes im Jahr 1942. So hat er mit akribischer Archivarbeit und durch Zeugenbefragung aufgedeckt, daß zwei zündelnde Schüler das Feuer verursacht haben. Dieser Tatbestand ist von der damaligen Schulleitung verheimlicht worden, da die Anstalt als vorbildlichfür die Erziehung der Jugend zu gelten hatte. Vermandel konnte auch nachweisen, daß die Behebung der Brandschäden vor allem zehn russischen Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald zu verdanken ist. Vermandels Recherchen zufolge haben alle zehn Russen den Krieg überlebt. „Dieses Kapitel ist noch nicht abgeschlossen", sagt Vermandel, der nun den Ehrgeiz entwickelt, nachzuforschen, ob es noch Überlebende der ehemaligen Häftlingsgruppe gibt, um mit Hilfe deren Erinnerungen auch die Umstände des fluchtartigen Auszugs der Napola im April 1945 zu rekonstruieren. „Damals ist alles stehen und liegengelassen worden", weiß Vermandel.
Der Hobbyhistoriker gilt als bester Kenner des Schlosses, vor allem seiner Schwächen. Jeden Winkel hat er im Keller durchkämmt, er weiß, daß die Heizungsanlage, Mauerwerk oder Rohrleitungen teils völlig marode sind. So meint er denn auch, daß sich die Sanierungskosten „leicht auf mehr als 150 Millionen Mark" summieren könnten.
Georges Vermandel wäre auch froh, wenn das Bensberger Schloß für den Bürger geöffnet würde.
Doch die Sache müsse nun auch engagiert angegangen werden. Vermandel: „Solange wie es ungenutzt dasteht, ist es für alle nur ein Klotz am Bein. Allein der Unterhalt an Heizungskosten entspricht etwa 300 Einfamilienhäusern."

Quelle: 
KStAnz-19951025-Sonder248 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe nach telefonischer Zusage für alle Artikel bis Einstellungsdatum 31.07.2007

Kommentare

Anwaltlich vorgetragene Forderungen

Mit einer gewissen Regelmäßigkeit wird an den Bergischen Geschichtsverein Rhein-Berg die Forderung gestellt, in dem online-Archiv einen Namen aus einem Beitrag zu entfernen oder sogar den gesamten Beitrag zu löschen. In der Regel geben wir solchen Forderungen nicht nach. So haben wir in den vergangenen Jahren zwei Prozesse gewonnen (die Forderungen wurden vollständig zurückgewiesen). In einem Fall waren wir kulant und in einem anderen Fall wurden die Forderungen zurückgezogen, nachdem wir auf die Begründungen in den gewonnenen Prozessen verwiesen haben.

Im aktuellen Fall erreicht uns ein anwaltliches Schreiben mit der Forderung, binnen weniger Tage einen Namen aus einem Artikel (dem ersten Artikel dieser Sonderausgabe zu Schloß Bensberg) zu entfernen. Leider war es mir in der Kürze der Zeit nicht möglich, den Sachverhalt rechtlich
 bewerten zu lassen. Darum - und nur darum - nehme ich den Namen der betreffenden Person aus dem TEXT (in Absprache mit dem Rechteinhaber "Kölner Stadt-Anzeiger"), sodaß Suchmaschinen den Artikel bei Suche nach der Person nicht mehr auflisten.

Das ist kein Eingeständnis irgendeiner Art! Wir behalten uns vor, den Text wieder in seine Originalform zu bringen, wenn wir zu einer entsprechenden rechtlichen Bewertung gekommen sind.