Vor 30 Jahren trat Paul Lücke als Innenminister zurück

Vor 30 Jahren trat Paul Lücke als Innenminister zurück

Als die Große Koaltion einen ihrer Väter fraß
Vor 30 Jahren trat Paul Lücke als Innenminister zurück
Von Monika Werner

Bergisch Gladbach — „Die Bonner Große Koaliton aus Christ-und aus Sozialdemokraten hat einen ihrer Väter gefressen" vermeldete vor 30 Jahren ein Hamburger Nachrichtenmagazin. Der Christdemokrat Paul Lücke trat am 29. März 1968 als Bundesinnenminister zurück. Hinter ihm lagen mehr als 18 Jahre Wohnungsbau- und Innenministerium.
Anlaß für den Rücktritt des Bensbergers war die Ablehnung der Einführung des Mehrheitswahlrechtes durch die Sozialdemokraten. Auf ihrem Nürnberger Parteitag hatten sie die erst 16 Monate zuvor bei den Koalitionsverhandlungen abgesprochene Grundgesetzänderung erst einmal bis zum nächsten Parteitag auf Eis gelegt. Es sollte bis heute dabei bleiben.
Paul Lücke sei persönlich enttäuscht gewesen, erinnert sich seine Tochter Maria Theresia Opladen, heute Bürgermeisterin von Bergisch Gladbach. Herbert Wehner habe ihrem Vater persönlich versprochen, daß die Sozial-
Vor 30 Jahren zurückgetreten: Paul Lücke. (Bild: Kollmann)
demokraten hinter der Vereinbarung stünden. Leicht sei ihm der Rücktritt nicht gefallen, so die damals 20jährige. Denn neben seiner beruflichen Karriere und dem Einsatz für sein Bergisches Land standen auch handfeste wirtschaftliche Dinge auf dem Spiel: Dem Politiker fehlten 20 Monate, um eine Ministerpension zu erhalten, und bei Lückes saßen immerhin acht Personen um den Tisch. Die Kinder waren alle noch in der Aus-
bildung. Darum habe sie die Rücktrittserklärung sehr geprägt und ihr politisches Handeln beeinflußt: Ihrem Vater sei es damals auch um seine persönlche Glaubwürdigkeit gegangen. Denn das Mehrheitswahlrecht sei für ihn ein Garant einer parlamentarischen Demokratie gewesen, in der nicht kleine Parteien als Zünglein an der Waage großen Einfluß haben.
Der „Vater des sozialen Wohnungsbaues" übernahm 1969 die Geschäftsführung der Deutschen Wohnungsbaugesellschaft in Köln. Der Mann, dessen Rat bereits Konrad Adenauer schätzte, zog sich aus der aktuellen Politik zurück, stand seiner Partei aber noch mit Rat und Sachkunde zur Seite. Nach einer Operation verstarb Paul Lücke am 10. August 1976. Mit der Vergabe des „Paul-LückePreises" an um das Allgemeinwohl. verdiente Menschen und mit dem Paul-Lücke-Gespräch ehrt die Kreis-CDU ihren langjährigen Vorsitzenden. An der Benennung einer Straße in Herkenrath nach ihm hätte Lücke sicher seine Freude gehabt, denn dort wohnen viele junge Familien mit Kindern.


Quelle: 
KStAnz-19980329 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
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