Auf der Schwelle zum kommenden Jahrtausend wandelt sich auch das Bild der alten Schloßstadt

Auf der Schwelle zum kommenden Jahrtausend wandelt sich auch das Bild der alten Schloßstadt

Das Schloß ist für alteingesessene und neue Bensberger über all die Jahre Identifikationsobjekt geblieben

Auf der Schwelle zum kommenden Jahrtausend wandelt sich auch das Bild der alten Schloßstadt

Schönes altes Fachwerk gehört nicht nur in Bensberg zu den Merkmalen des Bergischen Landes. Fotos: Luhr
So wie früher die zwei Schlösser das Stadtbild Bensbergs prägten, so gehören heute das Barockschloß und das neue Rathaus zur „Skyline". Bens- berg ohne sein Schloß wäre für
alle Bürger auch heute undenkbar.
Gerade deshalb ist auch die heutige Diskussion um die Zukunft des Schlosses, die nun wohl doch noch ein glückliches Ende gefunden hat, von großem öffentlichen Interesse. An ein Fünf-Sterne-Hotel hat bei der Grundsteinlegung wohl keiner gedacht, obwohl in gewissem Sinne das Barockschloß immer wieder zur „Herberge" wurde. Zwar ist das Schicksal des Schlosses in der Ausstellung des Stadtarchivs nicht weiter berücksichtigt, aber ein kurzer (nicht vollständiger) Überblick über die Geschichte ist vielleicht doch von Interesse.

■ Erste Erwähnung war bereits 1139

1139 wurde in einer Schenkungsurkunde erstmals der Name Benesburc erwähnt. Dieses Datum gilt heute im allgemeinen als Beginn der Geschichte Bensbergs. Die alte Burg war Mittelpunkt einer Siedlung, die nach und nach wuchs.
Um 1350 wird Bensberg Sitz eines „Amtes". Die Burg wird 1406 bei einer Schlacht nahe
Bensberg durch Brand zerstört und durch Adolf VII., Herzog von Berg wieder aufgebaut. Das Barockschloß entsteht zwischen 1703 und 1716 durch Kurfürst Johann Wilhelm, genannt Jan Wellem. Nach dessen Tod 1716 werden die Bauarbeiten allerdings eingestellt. Der Innenausbau bleibt unvollendet.
Der Herrscher über die Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg ging einem seinerzeit beliebten Hobby nach, der Jagd. Die waldreiche Umgebung des Jagdschlosses Bensberg war derart optimal, daß der Herrscher sich dort mehrmals aufhielt.
Gebaut wurde das Schloß durch Graf Matteo de Alberti. Schwebte Jan Wellems Frau zunächst eine Villa auf dem Hügel in italienischem Stil vor, so gingen die Planungen nach und nach in Richtung Versailles. 1703 entstand das berühmte Holzmodell des Schlosses, das bis 1906 in Bensberg aufbewahrt wurde.
Danach wurde das Modell in die zentrale Kadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde gebracht. Später, ab 1928 war es im Bensberger Heimatmuseum zu besichtigen. Den Zweiten Weltkrieg hat es jedoch nicht überlebt, es ging am 2. März 1942 bei einem Brand in Flammen auf.
Der Bau des Originals verschlang nicht nur Unsummenan Geld, es dauerte auch etliche Jahre, bis Mittelbau und Seitenflügel vollendet waren (bis 1710). Gleichzeitig begann man mit der opulenten Innenausstattung, von der in späteren Jahren das preußische Heer nicht viel übriggelassen hat.
1815, im Nachgang des Wiener Kongresses fiel das Rheinland und mit ihm auch das Bensberger Schloß an Preußen. 1819 schickte Berlin Soldaten, die von ansteckenden Augenkrankheiten befallen worden waren nach Bensberg. Damit war das Schloß wieder Lazarett, diesmal allerdings unter erheblich ordentlicheren Verhältnissen als bei den Österreichern und Franzosen. Bis 1832 blieb es ein Haus der Kranken.
Doch nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Preußen 1814 und der neuen strategischen Lage brauchte Berlin Offiziere und diese mußten ausgebildet werden. Anfang der 1830er Jahre schickte Preußen seinen Chef des Kadettencorps, Generalmajor von Below ins Rheinland. Dessen Wahl für eine Kaserne fiel auf Bensberg. Fortan bestimmten Befehle den Ton im Schloß.
Das wäre flicht so schlimm gewesen. Aber die Preußen wollten einen Umbau des reich verzierten Schlosses der einer Schleifung gleichkam. Auch Kurt Kluxen urteilt in seiner „Geschichte von Bensberg" vernichtend über die Absichten der neuen Herren. „Mit diesem Entwurf (gemeint ist der Entwurfdes Kölner Ingenieurs Major Schulz) hätte das Schloß aufgehört zu existieren." Dennoch wurde der Plan akzeptiert, Stuckdecken, Seidentapeten und die zahlreichen Malerein wurden vernichtet.

■ Vom barocken Jagdschloß zur Kadettenanstalt

Am 4. Oktober 1840 wurde ein militärische Nutzbau eingeweiht, der kaum wiederzuerkennen war. 5000 Kadetten durchliefen die Anstalt im Schloß. Darunter auch so berühmte Namen wie Franz von Papen, der spätere Reichskanzler. 1918 endete die Bensberger Kadettenherrlichkeit, das Kaiserreich verabschiedete sich von der Weltbühne. Die 20er Jahre vergingen und mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde aus dem Schloß eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola).
Am 13. April 1945 zogen die Amerikaner ins leere Schloß ein. Ihnen folgte eine Einheit der britischen Welsh Guards. Am 12. März 1946 übernahmen die Belgier das Schloß. Ab dem 16. August 1965 wurde es zum Königlich Belgischen Athenäum umfunktioniert. Die Schloßtüren blieben für die Bensberger Bürgerschaft fast 50 Jahre verschlossen.
Erst in den 90er Jahren kam wieder Bewegung in die Diskussion um die Zukunft des Schlosses, es sollte verkauft werden. Zu teuer der Unterhaltder heruntergekommenen Bausubstanz, denn nach dem Krieg hatte es nur noch sehr halbherzige Instandhaltungen gegeben. Für eine Mark wurde es feilgeboten, um die zukünftige Nutzung entbrannte ein heftiger Streit.
Auch die Entscheidung für die Aachen und Münchener Versicherung, die nun bis zum Jahr 1999 ein Fünf-Sterne-Hotel aus dem immer noch beeindrukkenden Komplex machen will, war bis zuletzt Gegenstand etlicher Dispute.
Bensberg kurz vor der Jahrtausendwende ist ein Stadtteil von Bergisch Gladbach, in dem sich viel verändert. Neben dem Schloß steht auch das Bad an der Saaler Mühle zur Renovierung an. Auch hier soll etwas völlig Neues entstehen. Die Diskussion um den eingehausten Autobahnzubringer ist in der Wagschale, die Ausweisung neuer Gewerbeflächen steht bevor.
Kurz und gut, der Prozeß von Wachstum und Verstädterung ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch deshalb lohnt sich ein Besuch der Ausstellung des Stadtarchivs, das auch die auf diesen Seiten als Reproduktionen gekennzeichneten Bilder zur Verfügung gestellt hat. Die Ausstellung wird am morgen um 13 Uhr von Maria Theresia Opladen eröffnet. Sie ist zu den Öffnungszeiten der Bensberger Bank bis zum 12. Dezember zu sehen.
Das Denkmal vor den Schloß hat alle Veränderungen überdauert.

Quelle: 
BLZ-199711-Sonder264-S5 (Bergische Landeszeitung)
Freigabe: 
Freigegeben mit Brief vom 22.08.2007