Waldkolonie Frankenforst

Villenkolonie Alt-Frankenforst

Villenkolonie Alt-Frankenforst

Das Wohnviertel Alt-Frankenforst ist eine beliebte und teure Wohngegend. Herrschaftliche Villen der Kaiserzeit, großzügig parzellierte Grundstücke mit parkartigen Gärten, ein immer noch reichhaltiger Altbaumbestand, baumbestandene Straßen mit Natursteineinfassung, eine begrünte Platzanlage und Rondells geben dem Viertel seinen unverwechselbaren Charakter. Kein Wunder also, daß vor einer solchen Kulisse Regisseure immer wieder Filme drehen. Aber auch Investoren sind da auf der Suche nach Gewinnen. Altbauten werden abgerissen und durch maximale Neubebauung ersetzt. Die Erhaltung des Charakters zwingt aber zum Schutz der Häuser sowie zur Beachtung von Maßstäblichkeit und städtebaulichen Grundregeln. Deshalb war es richtig, daß 1975 ein Bebauungsplan aufgestellt und 1995 das ganze Gebiet als erster Denkmalbereich der Stadt Bergisch Gladbach ausgewiesen wurde.

Um die Jahrhundertwende entstanden in Deutschland im Umkreis großer Städte Villenkolonien. Dabei handelte es sich um Siedlungen draußen im Grünen, die für den begüterten Mittelstand gedacht waren. Innerhalb der Stadt war es wohlhabenden Bürgern kaum noch möglich, zu angemessenen Preisen geeignetes Bauland zu erwerben. Bei den Gebäuden handelte sich um individuelle Landhäuser, häufig im englischen Stil oder im Stil des Historismus, die möglichst preiswert entstehen sollten. Villenkolonien haben gleichartige Merkmale und gestalterische Elemente, so daß man sie als typisch für den deutschen Städtebau nach der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg bezeichnen kann.

Die Wald- und Villenkolonie Frankenforst wurde 1908 gegründet und entspricht in ihren Merkmalen denen anderer Villenkolonien. Zu diesen Merkmalen gehören:

1. Die gewerbliche Gründung durch ein privates Unternehmen.

Betreiber und Gründer der Siedlung Frankenforst war die „Baubude-Organisation für Bodenverwertung G.m.b.H.“ Der Geschäftsführer und bauleitende Architekt war Jean Klein. Die Baubude war eine sogenannte Terraingesellschaft, nach heutigem Sprachgebrauch eine Art von privater Stadtentwicklungsgesellschaft. Diese Gesellschaften kauften an einer verkehrsgünstig gelegenen Stelle preiswert Terrain auf, parzellierten es, erschlossen es mit Straßen, Strom und Wasserleitungen, um es mit Gewinn wieder zu verkaufen.

  1. Die verkehrsgünstige Lage außerhalb der Großstadt.

Eine günstige Verkehrsanbindung war unverzichtbare Notwendigkeit, da die Bewohner der Siedlung aus der Großstadt zuzogen und täglich oder mehrfach wöchentlich zwischen der Stadt und der Vorortsiedlung pendelten. Die Villenkolonie im Frankenforst profitierte von der unmittelbaren Nachbarschaft des Bensberger Bahnhofs mit Anschluß an Bergisch Gladbach und Köln, mehr noch aber von der Verlängerung der Vorortbahn von Köln-Brück nach Bensberg. Die Siedlung stand also in engerer Beziehung zur Stadt Köln als zur dörflichen Landgemeinde Bensberg.

  1. Die Naturromantik der Gründer und Bewohner

Die Gründer heben in ihren Werbeanzeigen die idyllische Ruhe, den Waldbestand und die reine Waldluft hervor. Kinder könnten im Frankenforst gesünder erzogen werden, da sie von den schädlichen Einflüssen der Großstadt abgesondert würden. Die Erhaltung von Bäumen wird von den Bewohnern trotz der damit verbundenen Einschränkungen der Nutzung aus naturromantischen Vorstellungen hingenommen. Kleinviehhaltung sowie Obst und Gemüsebau waren verbreitet.

  1. Die repräsentative Gestaltung und Bebauung sowie die an städtischen Maßstäben orientierte Ausstattung.

Im Frankenforst sollte eine Siedlung für Großstadtmenschen entstehen, daher mußte die Ausstattung auch städtischem Niveau entsprechen. So waren die Lage im Grünen, die Aufstellung eines Bebauungsplanes nach einheitlichen, gestalterischen Richtlinien, die großzügigen Grundstücke sowie das individuelle Einfamilienhaus wichtige Merkmale der Repräsentation. Hinzu kamen die Versorgung mit Strom, Gas und Kanalisation. Diese modernen Errungenschaften standen in Bensberg zu dieser Zeit noch ganz am Anfang.

Die Villenkolonie Frankenforst ist ein typisches Beispiel für die städtebauliche und gesellschaftliche Entwicklung der Zeit vor dem 1.Weltkrieg. Merkmale und Ideen der Gartenstadtbewegung fließen in die Siedlungsstruktur mit ein z.B. der bewußt geplante, hohe Anteil an Gartenfläche. Die Siedlung dokumentiert darüberhinaus die Stilentwicklung vom Historismus über den Jugend- und Heimatstil zur neuen Sachlichkeit bzw. Moderne. Sie hat einen eigenen, lokalen Charakter bekommen. Dies begründet ihren Denkmalwert.

Thomas Klostermann

Denkmalbereiche sind Mehrheiten von baulichen Anlagen, auch wenn nicht jede dazugehörige einzelne bauliche Anlage die Voraussetzungen für ein Baudenkmal erfüllt. Denkmalbereiche können Stadtgrundrisse , Stadt-, Ortsbilder und -silhouetten, Stadtteile und -viertel, Siedlungen, handwerkliche und industrielle Produktionsstätten, Gehöftgruppen, Straßenzüge, bauliche Gesamtanlagen und Einzelbauten sein sowie deren engere Umgebung.

 

 

Quelle: T. Klostermann 2002 

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