Schönheitskur für steinerne Glücksgöttin

Schönheitskur für steinerne Glücksgöttin

Schönheitskur für steinerne Glücksgöttin

Arbeiten sollen Ostern abgeschlossen sein

Von Karin M. Erdtmann
Bensberg — Seit über 100 Jahren stehen sie vor dem Bensberger Schloß, jetzt sollen sie in neuem Glanz erstrahlen: Die Statuen von Soldat und Glücksgöttin, 1882 zur Erinnerung an die Gefallenen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 erichtet, werden für fast 30000 Mark gereinigt und restauriert.
Die Bonner Fachfirma Woznik, die unter anderem die Sonnenuhr am Bergisch Gladbacher Rathaus wiederhergestellt hat, nahm im Herbst 1985 die Arbeit auf. Zunächst wurde der unter anderem mit Ölflecken beschmierte Steinsockel gereinigt, gehärtet und wasserabweisendbehandelt. Fehlstellen mußten ausgebessert, Verfugungen erneuert werden. Dabei erhielt auch der Sockelbereich die bei einer Farbanalyse festgestellte rötliche Fassung wieder.
Anschließend wandten sich die Restauratoren der Figuten aus schlesischem Sandstein zu und reinigten sie. Das Denkmal zeigt einen voranschreitenden Krieger, der von einer Glücksgöttin begleitet wird. Die beflügelte Dame hält in der linken Hand einen schützenden Schild und in der triumphierenden rechten einen Lorbeerzweig. „Den Gefallenen zum Ruhm, den Lebenden zur Erinnerung, den kommenden Geschlechtern ein Vorbild — der Kreis Muelheim" steht auf dem Sockel, des am 25. Juni 1882 feierlich enthüllten Monumentes. Die Namen der 62 Gefallenen aus dem damaligen Kreis standen auf zwei Marmorplatten an den Seiten des Sockels.
Im vergangenen Jahr wurden diese Marmorplatten abgenommen. Bei näherer Untersuchung stellte sich jedoch heraus, daß ein Nachschlagen der Beschriftung nicht möglich ist und eine farbliche Auslegung der Schrift den Charakter des Denkmals verändern würde. Also entschloß man sich, neue, 80 mal 100 Zentimeter große Platten aus weißem Carrara-Marmor zu bestellen, die zur Zeit bearbeitet werden. Die alten Platten ließ die Stadt als Eigentümer des Denkmals zunächst ins Bensberger Museum bringen.
Die Marmorplatten kosten nach Mitteilung des städtischen Kulturamtes rund 15000 Mark, die Lasierung des Steins schlägt mit 2500 Mark zu Buche, und für die Sanierung von Stein und Statue muß die Stadt rund 12000 Mark aufbringen. Zuschüsse in Höhe von jeweils 5000 Mark kamen vom Land-schaftsverband Rheinland sowie aus den Denkmalpflegemitteln des Kreises. Bei der Stadt rechnet man damit, daß die Arbeiten zu Ostern abgeschlossen sind.
Nur wenigen Bensbergern ist heute noch bewußt, daß der monumentale Gedenkstein einst unmittelbar vor dem Schloßein- gang gestanden hat, umgeben von einem schmiedeeisernen Gitter, das der Bensberger Verschönerungsverein mit finanzieller Unterstützung von Emilie Schmitz gestiftet hatte. Emilie Schmitz, an deren Wirken der Emilienbrunnen am Anfang der Schloßstraße erinnert, ist als Wohltäterin Bensbergs in die Geschichte eingegangen. Die Protestantin engagierte sich unter anderem für den Bau der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus.
Mit der Zunahme des Autoverkehrs und der geänderten Verkehrsführung in der Innenstadt mußte das Kriegerdenkmal von seinem angestammten Platz weichen. Auf dem linken Teil des Schloß-Vorplatzes fand man einen geeigneten Standort für das von Bildhauer E. Reusch gestaltete Werk, das jahrzehntelang vom Kreis verwaltet worden war.

IN NEUEM GLANZ soll das Kriegerdenkmal vor dem Bensberger Schloß erstrahlen. Es wird zur Zeit restauriert.    Bild: A. Günther

 

Quelle: 
KStAnz-19870107 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe nach telefonischer Zusage fr alle Artikel bis Einstellungsdatum 31.07.2007