Kauler Hof 1650 erwähnt

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Kauler Hof 1650 erwähnt

Das älteste Haus der Stadt

Der Wirt ging in den Pütt

Kauler Hof 1650 erwähnt

DER KAULER HOP zur Jahrhundertwende: Damals stand vor dem Gebäude noch ein großes eingezäuntes Wegekreuz.

HEUTE: EINE gemütliche bergische Gastwirtschaft, die seit vielen Jahren ihre Stammgäste hat.
Bild: Günter Möllinghoff

 

Von Berl-Christoph Gerhards
Bensberg (sh) — Das älteste intakte Fachwerkhaus im Stadtgebiet ist der Kauler Hof: Dieses ehemalige Gut wurde erstmals um 1650 erwähnt und hieß damals Maurershof. Außerdem dürfte es sich um eine der ältesten Gaststätten handeln. Schon 1844 war sie im Betrieb. Gasthaus Paas in Gladbach ist allerdings noch älter, es besteht 140 Jahre.
Das genaue Datum, wann das Haus gebaut wurde, läßt sich zur Zeit noch nicht feststellen. Eine dendrochronologische Untersuchung, wie sie vom entsprechenden Institut der Kölner Universität bereits mehrfach an bergischen Fachwerkhäusern vorgenommen wurde, soll vielleicht genauere Aufschlüsse geben (der „Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete über diese Untersuchung der Jahresringe an den Fachwerkbalken).
Das Gut geht mit einiger Sicherheit auf die viel ältere Bensberger Burg zurück. Damals gab es die „Freiheit Bensberg", was so viel wie Steuerfreiheit bedeuten sollte — tatsächlich aber mußten auch in diesem Bereich um die Burg Steuern in bar oder in Naturalien entrichtet werden.

Während sich das Burgvolk zunächst unmittelbar an der Burg niederließ, kam mit der räumlichen Ausdehnung der „Freiheit" die Siedlung Kaule zur Entfaltung. Drei Güter sind 1650 mit Sicherheit nachzuweisen: zwei kleinere, das Schmittengut und das Weidengut, während das „Maurersgut auf der Keulen" wohl das größte war.
Aus alten Archiven und Kirchbüchern lassen sich die vergangenen Jahrhunderte etwa nachverfolgen, wie es auch A. Haasbach anläßlich des 125jährigen Bestehens der Gaststätte 1969 tat.
1650 war jedenfalls ein Jean Curten, der „Maurer auf der Kaulen", Eigentümer des Hofes. Curten war wohl ein bedeutender und einflußreicher Mann und die damalige Berufsgattung Maurer bedeutete damals etwa soviel wie heute die Stellung eines Bauunternehmers. Auch die Güter in Keule hat Jean Curten vermutlich selbst errichtet.
Mehrere Kinder der Familie Curten erhielten verschiedene Güter, die Tochter Katharina heiratete als letzte und bekam zusammen mit ihrem Mann Matthias Marx aus dem Kirchspiel Merheim nach der Hochzeit den Hof an der Keule. Matthias Marx hatte eine Wollweberei und wird in den Kirchbüchern als „Wüllenweber" genannt. Mit der Hochzeit 1665 wird also die Existenz des Kaulerhofes deutlich.
Als Matthias Marx 1701 starb,blieb bis 1709 eine Erbengemeinschaft bestehen. Die Tochter der Eheleute Marx, Eva, heiratete 1708 den aus Lüttich stammenden Erasmus Dupange. Im Zuge dieser und anderer Hochzeiten aus der Familie wurde der Besitz des Vaters aufgeteilt, Erasmus Dupange und Ehefrau bekamen unter anderem die drei zum Hof gehörenden Gebäude am Reiser. Die Familie bewirtschaftete dabei die umliegenden Felder, es war also eine Bauernfamilie.
Zwar wurde der Hof etwa 1785 an Josef Hammelrath verpachtet, blieb aber bis 1833 im Besitz von mehreren Generationen der Dupange-Familie. Am 28. Februar starb der seinerzeitige Gutsbesitzer Dupange. Da keine Erben vorhanden waren, kam es zum Verkauf an Anton Hoven aus Ockhoven. Damit endete auch das Pachtverhältnis mit Josef Hammelrath, neuer Pächter wurde Anton Werheid aus Bensberg.
Anton Hoven hatte aber offenbar als weitab wohnender Gutsbesitzer kein großes Interesse an der Erhaltung des gesamten Hofes einschließlich der Ländereien. Er verkaufte laufend Parzellen und einzelne Gebäude auf dem Gut, und 1844 erwarb der in der Kaule wohnende Ackerer Wilhelm Eschbach den Kauler Hof zum Preis von 300 Talern. Gleichzeitig wurde die Gaststätte eröffnet.
Diese Neueröffnung kam nicht von ungefähr: Durch den zunehmenden Bergbau im Bensberger Revier hatten die Gaststätten ganz allgemein lebhaften Zuspruch, aber die Einkünfte aus diesem Gewerbezweig allein reichten nicht aus. Eschbach wurde selbst noch Bergmann, wobei seine Frau Sibilla die Gastwirtschaft wohl geführt haben dürfte.
Wilhelm Eschbach starb 1861, und 1883 wurde der Hof erneut zum Verkauf angeboten. Neuer Eigentümer wurde der Gastwirt Matthias Herweg aus Moitzfeld, der den Kauler Hof weiterverpachtete. In den Jahren zuvor waren die Ländereien durch Verkäufe einzelner Parzellen weiter geschrumpft, so daß die Gastwirtschaft Haupteinnahmequelle des Besitzers bzw. seines Pächters wurde.
1886 gründete man in Kaule einen Junggesellenverein, der in den ersten Jahren seines Bestehens zahlreiche Feste im Kauler Hof feierte, 1887, 88 und 89 wurden anläßlich der Kirmesveranstaltungen jeweils festlich dekorierte Tanzzelte errichtet, der 1889 gegründete Gesangverein „Harmonie" war ebenfalls oft Gast.
Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges verkaufte Herweg den Kauler Hof an den Kaufmann Anton Strasser aus Bensberg, wobei nochmals Parzellen getrennt wurden. 1932 wurde der Holzhändler Fritz Strasser Eigentümer des Hofes und bereits 1938 erwarb Hubert Kraus das Anwesen. Die übel 100 Jahre alte Scheune wurde abgerissen und an ihrer Stelle der jetzige Saal errichtet; 1954 kam noch eine Kegelbahn hinzu. Das waren aber auch schon die einzigen wesentlichen Änderungen an diesem Gasthof, der sich heute liebevoll gepflegt - Wirt ist Gert Eickel —, als Zeuge Bensberger Geschichte präsentiert

 

Quelle: 
KStA-19790725 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe nach telefonischer Zusage fr alle Artikel bis Einstellungsdatum 31.07.2007