DIE KAULE in Bensberg



DIE KAULE

von Max Morsches
in der Freiheit Bensberg

"Kaule" kommt von einer Kuhle in der Landschaft. Ortsteile Kaule gab es viele, z. B. auch in Refrath und Immekeppel. Zur Freiheit Bensberg gehörte neben dem Ortskern die westlich anschließende Kaule. Sie war im Osten durch die herzogliche Rosenhecke, im Süden durch den Frankenforster Bach, im Norden von der heutigen Kölner Straße und im Westen etwa durch die spätere Eisenbahnlinie begrenzt. Nachbarn der Freiheit brauchten bis 1806 keine Steuern und Zölle zu entrichten und waren von Frondiensten befreit. Im Urkataster von 1827 wurde die Kaule Flur 5 der Gemarkung Bensberg-Freiheit.

Seit über hundert Jahren ist Kaule eine Straße, die vom ehemaligen Bahnhof Bensberg bis zum heutigen Albertus-Magnus-Gymnasium führt. Die Kaule war Teil des alten Wegs, der von Köln zum Alten Schloss in Bensberg führte. Der "Neue Weg", die heutige Kölner Straße, wurde erst nach 1700 als Jagdweg vom Schloss in den Frankenforst angelegt. Zur Kirche in Bensberg benutzte man den "Kauler Leich- (bzw. Kirch-)weg ", der über Forststraße und Neidplätzchen führte und dazwischen beim Straßenbahnbau umgeleitet wurde.

Die Kaule war bereits besiedelt, als Herzog Adolf von Berg den Bensbergern nach dem teilweisen Wiederaufbau der Burg um 1410 Freiheitsrechte verlieh. Schriftliche Quellen von vor 1648 liegen kaum vor und ergeben kein Gesamtbild.

Die 1669 aufgestellte Herrenpachtliste nennt zehn Güter im Bereich Kaule. Der Maurer Johann Curten (+1677) besaß vier: Maurersgut, Gut auf der Straßen, Gut auf'm Kamp und Maurersgut in der Reisern. Wilhelm in der Trompetten (+1673) gehörte der spätere Kauler Hof, und die Brüder Wilhelm (+1677) und Erncken in der Schmitten (+1680 zum Saal) betrieben eine Schmiede zunächst im Gut auf der Straßen und ab 1670 im ehemaligen Hülsengut in der Schmittengasse, der heutigen Kauler Kreuzgasse, die damals noch über den heutigen Immenzaun mit dem Uhlweg verbunden war. 1668 erbaute Leonhard Kleberg (+1699) das Gut am Schlagbaum an der Ecke Uhlweg/Kaule.

"In der Reisern" lagen die Güter von Johann Curten und Wupper Jahn (1659 tot) sowie etwas oberhalb am heutigen Schlossfeldweg das Rosenwaldgut in der Reiser, das Bela von Hundsiefen 1515 der Kirche zu Bensberg geschenkt hatte.

Unterhalb der Kaule lag im späteren Gleisbereich an der Wasenmeistergasse, die durch den Bahnbau in Stegerwaldstraße und Kaule getrennt wurde, das Gut des Abdeckers, der wegen der üblen Gerüche immer außerhalb der übrigen Besiedlung wohnte. Der Abdecker unter der Kaule, auch Wasenmeister oder Schinder genannt, entsorgte und verarbeitete alle Tierkadaver im Bereich zwischen Agger und Dhünn.

Als 1806 die Franzosen Hausnummern einführten, hatte sich, meist durch Erbteilungen, die Anzahl der Höfe seit 1669 verdreifacht. Alle alten Häuser auf der Kaule waren Fachwerkbauten. Am imposantesten ist das um 1800 von Oberjäger Karl Kettner erbaute "Kettners Haus". Zum geselligen Beisammensein traf man sich im Kauler Hof (untere Hälfte des Guts in der Trompetten) oder 200m oberhalb "Om heeße Steen". Der heiße Stein, der dem um 1730 erbauten Haus den Namen gab, war wohl ein Brautstein bzw. Rechtstein, auf dem in lang zurückliegenden Zeiten geheiratet und Recht gesprochen wurde.

Nachdem die Kaule lange ein Handwerkerdorf gewesen war, kam im 19. Jahrhundert der Bergbau auf. Die Grube St. Julien mit Förderschächten im Bahnhofsbereich und am oberen Teil der Broicher Straße und einer Zentrale "auf der Halde" machte die meisten Kauler zu Bergleuten.
Mittelpunkt des Ortsteils war und ist das Kauler Kreuz. An seiner Stelle soll schon vor 1550 ein Vorgängerkreuz gestanden haben.

Das heutige mit der Inschrift: "0 crux ave" war bis 1885 Kirchhofskreuz der alten Nikolauskirche in Bensberg. Der 1887 gegründete Junggesellen-Verein BensbergKaule verpflichtete sich in §1 seiner Statuten, "für die Reparatur und Verschönerung sowie auch für das Zieren des zu Kaule befindlichen großen Kreuzes bei Gelegenheit der Pfingstprozession Sorge zu tragen". Nachfolgeverein ist der Bürgerverein Bensberg-Kaule, der die Pflege und Gestaltung des Kreuzes übernommen hat und mit musikalischen Beiträgen alte Traditionen belebt. Seit etlichen Jahren organisiert er Advent-singen am Kauler Kreuz. Der Gesangverein Harmonie Kaule von 1889, der 2000 wieder einen großen Damenchor bekam, findet weit über Bensberg hinaus guten Anklang.

Nun noch ein sozialgeschichtlich interessanter Vorfall. Es geht um das Burris-Gut, das an der Ecke Kaule/Reiser nach 1750 von Johann Peter Burri (+1776) erbaut worden war. Seine drei Enkel beantragten am 4.9.1809 die Teilung des Guts. Oberschultheiß Daniels beauftragte den Scheffen Johann Schaefer mit der Angelegenheit. Dieser sprach fünf Tage später vor Ort mit dem Pächter sowie dem Ehemann einer Erbin, auch Vormund der beiden andern Erben. Scheffe Schaefer berichtete dem Gericht am 18.9., das Gut lasse sich nicht dreiteilen, weil es zu klein war und 200 Thaler Schulden auf ihm lasteten. Keiner der Erben hätte das Gut übernehmen und die andern abfinden können. Der Scheffe sollte nun das Gut schätzen und am 16.10., also sechs Wochen nach der Stellung des Teilungsantrags, wurde das Gut an den bisherigen Pächter Jakob Keller verkauft, der 1813 starb. Die Witwe starb kurz nach der Hochzeit mit Wilhelm Külheim, der mit drei Stiefkindern und vielen Schulden im Burrisgut lebte. Er konnte aber den Kellerskindern das Gut erhalten.

1. Max Morsches, Häuser und Bewohner der Kaule in der Freiheit Bensberg nach den Hausnummern von 1806, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 8
(2001), 5.33 ff.
2. Brigitte Weber, Streifzug durch alte Gaststätten in Bensberg, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 1982, 5. 157 ff, hier: S. 162.
3. Max Morsches, Das Burris-Gut auf der Kaule in Bensberg, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn, Heft 2 (1995), 5. 45 ff. mit einer Karte des Bereichs Kaule, die alle Häuser von 1806 zeigt.

Das Albertus-Magnus-Gymnasium und die Realschule

STADT THEMA

GLkompakt 04/05 S14+15

Freigabe: 
Freigegeben mittels Schreiben des GL-Verlages (email) vom 31.7.2007