ALTREFRATH



ALTREFRATH

von Hans Peter Müller

"Mitten im Kranz dieser Wälder liegt, fast den Fuß des Schlossberges berührend, eine freundliche Siedlung. Feuchtsumpfige Wiesenplane im Zentrum, eilige schmale Bächlein dazwischen, hellsandige Äcker, abwechselnd mit Obstgehegen und lockeren Waldflecken, und hier und dort ragen aus den Baumgruppen vereinzelte Höfe im freundlichen Schwarzweiß ihres bergischen Fachwerkes mit großen, abgewalmten Dächern. An die größeren unter ihnen schmiegen sich die kleineren in gleichem Stil und schwesterlichem Bau. Aus der Lage der Höfe und ihren uralten Namen lassen sich die Rodungsinseln erkennen, aus denen im Laufe der Zeiten auf der waldbestandenen, kargen Sandterrasse der Kölner Bucht das Dorf erwuchs, das wir heute Refrath nennen." so – fast schwärmerisch – beschrieb Prof. Kreutz den Ort, dessen älteste Rodungsinsel wir nun Altrefrath nennen, mit 0.9 km' und knapp 3.000 Einwohnern der kleinste Teil des heutigen Refraths. Von der geschilderten Idylle zeugen nur noch drei Fachwerkhäuser das 1846 erbaute Pastorat östlich der Kirche, das restaurierte Haus Stachelsgut und das ursprüngliche Mottenkopfgut, jetzige Restaurant " Erholung ", das sich unter Putz versteckt. Wiese gib es nur noch eine zwischen Sandbüchel und Simonswiese, die z. Zt. von der Seite des Hirschangers zugebaut wird. Östlich der Kirche ist die Bebauung bereits in den angrenzenden Wald vorgedrungen.

Der Name Refrath ist, was die Vorsilbe "Ref" anbetrifft, ungeklärt. Vieles spricht dafür, dass es sich um eine Rodung ( - rath ) am "planam rivier" (althochdt.) handelte, wobei "rivier" Bach bedeutet, also Rodung am Bach. Bereits im 9. Jhd. zogen Siedler von Merheim herauf, rodeten den Wald und legten ihre bescheidenen Holzhütten an, vermutlich Wohnhaus, Scheune, Stall und am Bach eine Mühle die Saaler Mühle.
Ob diese erste Siedlung nun bei der Hochmotte in Kippekausen lag oder am jetzigen Saalermühlenweiher, ist umstritten. Merkmal eines "Herrenhofes" war in jener Zeit eine "Eigenkirche". Der Grundherr hatte die Pflicht, einen "Leutpriester" anzustellen, der die Seelsorge durchführte. Fest steht seit den Grabungen Prof. Bindings, dass bereits in der ersten Hälfte des 9. Jhd. eine kleine Holzkirche an der Stelle bestand, an der heute die "Alte Kirche" (sog. Taufkirche ) steht.

Bald wurde diese Kirchlein wohl zu klein, und man baute etwa Mitte des 10. Jhd. eine Steinkirche um sie herum, die um 1200 abbrannte und wiederum durch eine umbaute größere ersetzt wurde. Von diesem Bau sind noch Nord und Südwand und deren vier kleine Fenster erhalten. In der ersten Hälfte des 13. Jhd. wurde der Chor erweitert und in die Westmauer ein wuchtiger Turm eingefügt.

Aus derselben Zeit stammt wohl der wertvollste Besitz der Kirche: die Apostelfresken im Chorraum. Sie kamen 1907 bei der Wiederherstellung der 1898 durch einen Orkan arg mitgenommenen Kirche zum Vorschein. Wahrscheinlich stammen sie aus dem 15. Jhd. und werden mit der Kölner Malerschule in Verbindung gebracht. Es sind nur sieben Apostel und der Kirchenpatron, Johannes der Täufer. Die fehlenden könnten über der Sakristeitüre gewesen und beim Bau der Sakristei 1765 zerstört worden sein.

Bis Anfang des 13. Jhd. war das Kirchlein Pfarrkirche, dann kam die Pfarrzuständigkeit auf Geheiß des Herzogs von Berg nach Bensberg. Dorthin wurde 1641 auch der romanische Taufstein gebracht, der noch vorhanden ist. Der alte Kirchhof beherbergt innerhalb der umfriedenden Steinmauer Grabsteine, die bis ins 15. Jhd. zurückweisen. 1997 sind sie mit großem finanziellen Aufwand durch den Bürger– und Heimatverein Refrath, die Refrather Jagdgesellschaft und die Abt. Rhein Berg des Berg. Geschichtsvereins restauriert worden. Prof. Werling hat sie 2002 mit seinen Studenten dokumentiert.

Außer dem erwähnten Mottenkopfgut lassen sich noch zahlreiche weitere Güter feststellen, deren Namen teilweise in den Straßennamen erhalten geblieben sind, z. B. Saaler Mühle, Kippekausen, Werheide, Junkersgut, Halbenmorgen, Auf der Kaule, Stachelsgut, Kirchfeldchen, Sandbüchel.

Nahe der Kirche ( heute Kieppemühlenweg ) stand der "Wiedenhof ". Wiedenhof und Kirche gehören in jedem Dorf zusammen.

In ihm wohnte der Pfarrer, der von den Erträgen des Hofes lebte.
Mit der Pfarrzuständigkeit kam auch der Wiedenhof in Bensberger Besitz und wurde verpachtet. 1939 erfolgte der Abriss. Erwähnenswert ist noch die alte Vikarie, die 1993 trotz der Bemühungen des Bürger–und Heimatvereines abgerissen wurde. Zwischen Bensbergern und Refrathern hatte es, die Seelsorge betreffend, immer wieder Auseinandersetzungen gegeben. Schließlich stiftete 1734 der Bensberger Pfarrer Noethen Geld für den Bau einer Vikarie, die Refrather übernahmen den Unterhalt eines ansässigen Vikars. Dieser hatte u.a. die Verpflichtung, im Winter die Refrather Kinder zu unterrichten, die Vikarie war also die erste Schule des Ortes. Der letzte Vikar, Christian Büschemer, sein Grabstein steht auf dem Kirchhof, wurde später der erste Pfarrer der neu errichteten Gemeinde. Auch eine Straße trägt seinen Namen. Besonders augenfällig ist heute noch die "Steinbreche".

Herzog Jan Wellem hatte zum Bau seines Schlosses wallonischen Steinmetze unter Führung des Meisters Leonhard Goudhaire angeworben. Sie brachen die Steine im heutigen Kahnweiher bzw. Zaubersee, bearbeiteten sie vor Ort und schafften sie mit Lasttieren nach Bensberg. Der Herzog war mit des Meisters Arbeit so zufrieden, dass er ihm das Grundstück neben dem Steinbruch schenkte, auf dem dieser 1712 das noch stehende "Herrenhaus" erbaute. 1703 hatte Goudhaire Katharina Beckers vom Gassengut geheiratet, die Tochter Anna Maria heiratete Otto Siegen vom Gut Iddelsfeld, deren Enkel Bernhard Eyberg wurde zum großen Wohltäter Refraths, da auf seine Stiftung hin Refrath 1845 wieder selbstständige Pfarre wurde. Auch sein Gedenkstein steht auf dem Kirchhof der alten Kirche und eine Straße ist nach ihm benannt. Nach seinem Tode 1846 - er starb kinderlos – wurde sein Erbe aufgeteilt. Die Steinbreche mit den Steinbrüchen, Trassgruben und Kalköfen ( u.a. auf dem heutigen Markplatz !) kamen an Heinrich Rolshoven, der an den "Siebenmorgen" vier Morgen Land an Pfr. Dolman verkaufte zum Bau der neuen Pfarrkirche. Vor dem ersten Weltkrieg kam die Steinbreche in den Besitz Josef Kellers, der den Steinbruch zum Kahnweiher vollaufen ließ und aus dem Anwesen eines der größten Ausflugslokale des Rheinlandes machte. Der aktive Bürger- u. Heimatverein Refrath ist sehr interessiert an alten Bildern und Infos und nimmt auch gerne neue Mitglieder auf!

Infos: H.P. Müller (Archiv) Tel. 02204/66355

Steinbreche: Kahnweiher vor dem 1. Weltkrieg

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Quelle: 
GLK-2005-06
Freigabe: 
Freigegeben mittels Schreiben des GL-Verlages (email) vom 31.7.2007