Verliert die Gartensiedlung ihren historischen Charakter?


Verliert die Gartensiedlung ihren historischen Charakter?
Zwei Masterarbeiten wurden als Vorschlag für die Umgestaltung einer alten Gärtnerei ausgearbeitet

VON PEDRO FATZIKIS
Gronau. Die Angst geht um beim Freundeskreis Gartensiedlung Gronauer Wald. Dieser wurde 2008 gegründet, um die Siedlung in ihrem Erscheinungsbild zu erhalten —vor allem auch um sogenannte atypische Bauvorhaben, die die unverwechselbaren Merkmale der Gartensiedlung in ihrem Gesamtbild zerstören würden, zu verhindern. Rasch fanden auch erfolgreiche Gespräche mit der Stadt und dem LVR statt — es wurden beispielsweise der Siedlungsbereich um die Eiche und Teile des Gronauer Waldweges unter Denkmalschutz gestellt. Der Erhalt des Erscheinungsbildes war somit für die nachfolgenden Generationen sichergestellt. In diesem Zusammenhang erfolgte 2009 durch einen einstimmigen Beschluss des Planungsausschusses die Aufforderung an die Verwaltung, einen sogenannten Bebauungsplan als verbindlichen Bauleitplan aufzustellen — dabei ist es bis heute geblieben. „Die Stadt zeigt sich trotz größtem Einsatz des Freundeskreises, die Ziele im Sinne der Siedlungsentwicklung zu vertreten, wenig kooperativ", so Frank Grobolschek vom Freundeskreis. „Es wurde sogar ein Bauvorhaben genehmigt, welches dem geplanten Bebauungsplan entgegensteht. Anwohner haben dagegen geklagt und die Stadt hält sich trotz aller Beteuerungen, sich für die Siedlung einzusetzen, letztlich nicht an die gesteckten Ziele", so Grobolschek weiter.„Wir fühlen uns schlicht nicht ernstgenommen", so der einstimmige Tenor aller Mitglieder des Vereins. Übrigens wurde 2011 gemeinsam mit der Stadt eine sogenannte Gestaltungsfibel für die Gartensiedlung erstellt — im Vorwort des Handbuches betont Bürgermeister Lutz Urbach mehrfach die 'Erhaltung des historischen Charakters. Von siedlungsun typischer Gestaltung, Elementen, die als Fremdkörper erlebt werden und unbedingt vermieden werden müssten sowie von der Unverwechselbarkeit dieses städtebaulichen Kleinods ist hier die Rede.
Gleichzeitig präsentierte der Freundeskreis gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Werling zwei Masterarbeiten,' die am Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der Fakultät für Architektur der FH-Köln bearbeitet wurden.
Anja Büscher beschreibt in ihrer Masterarbeit die Umnützung eines ehemaligen Gärtnereigebäudes zu einer Wohnanlage für Studenten einschließlich gärtnerischer Neugestaltung der Lerbach-Aue entlang der Gartensiedlung Gronauer Wald. Ebenfalls mit der Umnützung bzw. Erweiterung des Gärtnereigebäudes hat sich Irina Schneider in Ihrer Arbeit beschäftigt — hierbei soll eine neue Kindertagesstätte entstehen. In beiden Arbeiten wurde klar nach den Vorgaben der Gestaltungsfibel vorgegangen — modern zwar, aber mit Gewährleistung und Erhalt des historischen Charakters der Gartensiedlung.

■ Frank Grobolschek vom Freundeskreis, Anja Büscher, Irina Schneider und Prof. Dr. Werling (v.l.n.r.) präsentieren die beiden Masterarbeiten am Gesamtmodell.    FOTO: FATZIKIS

Quelle: 
BHB-20120307-s5