Passt ein Neubau ins Bild?


Passt ein Neubau ins Bild?
GRONAUER WALDSIEDLUNG Anwohner ärgern sich über Baugenehmigung - Satzung steht aus

VON DIETHELM NONNENBROICH
Bergisch Gladbach. „Wir fühlen uns von der Stadt nicht ernst genommen", sagt Frank Grobolschek vom Freundeskreis Gronauer Wald und spricht damit aus, was offenbar die meisten Mitglieder des Vereins denken. Sie wehren sich gegen eine Bebauung ihrer Siedlung mit nicht angepassten Immobilien.
Im April 2009 hatte der Planungsausschuss der Stadt den Aufstellungsbeschluss/ für einen Bebauungsplan der ehemaligen Arbeitersiedlung verfasst. Nach kurzer Zeit stellten die Planer der Stadt fest, dass ein Bebauungsplan das falsche Verfahren sei, und beschlossen, eine Erhaltungssatzung zu erstellen. Seitdem sei nichts mehr passiert, moniert der Freundeskreis. Grobolschek: „Regelmäßig sehen wir Bürgermeister Lutz Urbach und seine Mitarbeiter. Wir bekommen immer viel Lob für unsere Arbeit und Ideen, die wir im Verein Freundeskreis Gronauer Wald entwickeln. Allerdings tut sich nichts in der Verwaltung."
Besonders deutlich sei dies den Anwohnern geworden, als ein Haus an der Ecke Richard-Zanders-Straße/Kiefernweg verkauft wurde. Der neue Besitzer habe von der Stadt sofort eine Baugenehmigung für die Bebauung des Gartengrundstücks der Villa erhalten. „Die Erteilung der Genehmigung können wir nicht nachvollziehen", sagt Gobolscheck unter zustimmendem Kopfnicken seiner Mitstreiter. „Die Stadt hat eine Gestaltungsfibel mit uns erstellen lassen, die sehr gut zeigt, welche Bebauung in der Siedlung Sinn macht. Warum die Stadt jetzt sowas genehmigt und damit gegen ihre ei: gene Empfehlung handelt, können wir nicht verstehen."
In der Tat: Im Vorwort der Gestaltungsfibel weist Bürgermeister Urbach mehrfach auf den unverwechselbaren Charakter der Siedlung hin und formuliert das Ziel der Stadt, negative Bauentwicklungen, die nicht ins Bild der Gartensiedlung passen, zu vermeiden. Folgen dieser Bauentwicklung seien siedlungsuntypische Gestaltungen, die langfristig die Unverwechselbarkeit des städtebaulichen Kleinods Gronau und die Wohn- und Lebensqualität in der Gartensiedlung Gronauer Wald verringern würden, führte Urbach im Vorwort aus. Insgesamt 21462 Euro kostete ,die Erstellung der Expertise durch das Architekturbüro Voigt-Werling, auf die sich Urbach bezog. 80 Prozent der Studie finanzierte der Steuerzahler indirekt durch Fördergelder der Regionale 2010 und 20 Prozent kamen durch Spenden der Bewohner der Gartensiedlung zusammen.
Widerspruch von der Stadt
Gisela Müller-Veit, Fachbereichsleiterin Bauen und Planen der Stadt, widerspricht den Angaben des Freundeskreises vehement. Müller-Veit: „Der Freundeskreis verwechselt Begrifflichkeiten und versteht das Verfahren nicht. In dem Fall Gronauer Waldsiedlung ist eine Erhaltungssatzung notwendig. Ein Bebauungsplan kommt hier gar nicht in Frage." In der nächsten Woche werde intern über die Satzung abgestimmt. „Dann werden wir uns mit dem Freundeskreis Gronauer Wald zusammensetzen und die Satzung endgültig verfassen."
Am Mittwoch präsentierten die beiden Architekten Anja Büscher und Irina Schneider im Gronauer Wirtshaus ihre Magisterarbeiten an der Fachhochschule Köln. Thema: Umnutzung eines ehemaligen Gärtnereigebäudes entlang der Gartensiedlung Gronauer Wald. Die Arbeiten der beiden jungen Architektinnen passen perfekt in die Umgebung der Siedlung.

Die Gronauer Waldsiedlung
Im Jahr 1897 veranlassten die Papierfabrikanten Anna und Richard Zanders den Bau einer etwa 30 Hektar großen Siedlung in einem Waldgelände. Kostengünstigen Wohnraum für die Arbeiter der Papierfabrik sollte geschaffen werden, der wesentlich ästhetischer sein sollte als die zu dieser Zeit üblichen Massenmietshäuser in Bergisch Gladbach.
Die Arbeiter konnten ein Eigenheim zu günstigen Konditionen erwerben und wurden dadurch auch stärker an das Unternehmen gebunden. Gartenarchitekt
Albert Brodersen entwarf einen einheitlichen Bebauungsplan für Häuser und Grünanlagen.
Der Lerbach und die Vegetation wurden in die Planung einbezogen, Waldpartien und Wiesenabschnitte blieben bestehen, um den ländlichen Charakter der Siedlung zu wahren. In den Gärten wurden Obstbäume gepflanzt und Gemüsebeete angelegt, damit die Bewohner sich selbst versorgen konnten. Später zogen auch Wohlhabende in die Siedlung ein und bewohnten stattliche Villen. (dino)

Anja Büscher (links) und Irina Schneider präsentieren ein Modell ihrer Masterarbeit über die Gronauer Waldsiedlung.    BILD:DIETHELM NONNENBROICH

Quelle: 
KStA-20120302