Der alten Mühle auf der Spur


Der alten Mühle auf der Spur
REGIONALE Mauerreste werden freigelegt

VON JULIA LAPPERT
Bergisch Gladbach. Ein bisschen sieht es aus wie eine große Schatzsuche. Vorsichtig entfernen zehn freiwillige Helfer Laub, Holz und Müll in dem kleinen Waldstück an der Strunde in der Nähe von Gut Schiff. Im Rahmen des Regionale-Projektes „Regio-Grün – entlang der Strunde" arbeiten die Ehrenamtler unter der Leitung von Thomas Klostermann, um das Bodendenkmal einer alten Pulvermühle freizulegen.
Die Mühle war eine von vieren, die rund um Gut Schiffzur Schießpulvererzeugung genutzt wurden. „Die Strunde floss damals etwas anders als heute, damit der Wasserdruck für die Mühle nicht zu groß wurde", sagt Thomas Klostermann. Deutlich zu erkennen sind der Obergraben, der das Wasser zum Mühlrad geführt hat, sowie die Mauerköpfe der Mühle. „Wir wollen an der Strunde Erzählstandorte schaffen und die Geschichte der Pulverproduktion erlebbar machen", sagt Klostermann. Der Schutzwall verdeckte bislang die Sicht auf das Bodendenkmal.
Wenn die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind, wird ab Mai eine Landschaftsbaufirma die Mauerreste stabilisieren und herausgebrochene Mauersteine wieder einsetzen. „Leider sind hier in der letzten Zeit einige Steine möglicherweise von spielenden Kindern durcheinander gebracht worden, deshalb wünsche ich mir mehr Respekt und Interesse für das Bodendenkmal", sagt Klostermann. Später sollen Infotafeln auf die Geschichte der Mühle hinweisen.
Bevor die Aufräumarbeiten beginnen konnten, wurden mehrere große Bäume gefällt, um die Sicherheit der Helfer bei den Arbeiten nicht zu gefährden. Zudem drückten Fichten auf das Mauerwerk der alten Mühle. „Ich war sofort von der Aktion begeistert und entschloss mich mit einigen Mitgliedern, bei den Arbeiten hier zu helfen", sagt Randolf Link, Vorsitzender des Vereins Landschaft und Geschichte. Der Verein bietet seit vielen Jahren Führungen von Herrenstrunden bis zu dem Bodendenkmal an. Johann Wilhelm Wecus, ein Kölner Ratsherr, war der erste Besitzer der Mühle, die um 1850 erbaut würde. „Hier wurde sehr feines Schießpulver hergestellt, das europaweit berühmt war", sagt Link. Er zeigt auf einer historischen Karte aus dem Stadtarchiv auf den Standort der Mühle, die in der Erweiterungsphase der Anlage rund um Gut Schiff entstanden ist. „Die vier Mühlen auf dem Gelände sind alle ähnlich gebaut worden und haben einen fast identischen Grundriss", sagt Link. Ein Foto von einer der anderen Mühlen gibt weitere Hinweise auf das Aussehen. „Spannend wird es, wenn wir die Maße vor Ort mit den Maßen der anderen Mühlen, die wir haben, vergleichen", sagt Link. Ganz sicher, wie das Wasserrad stand, ist er sich nämlich noch nicht. „Die Mühle war bis 1910 in Betrieb", sagt Thomas Klostermann. Von diesem Zeitpunkt an sei Schießpulver für die Jagd nicht mehr so gefragt gewesen, sondern eher fürs Militär. Klostermann: „Ob die Mühle eingestürzt ist oder schließlich abgerissen wurde, ist uns leider nicht bekannt."

Projektleiter Thomas Klostermann (r.) und Randolf Link arbeiten mit weiteren Helfern am früheren Standort der Pulvermühle. BILD: ROLAND U. NEUMANN

Quelle: 
KStA-20120227-s35