Aus unserer Heimat: Stadt Bergisch Gladbach


Stadt Bergisch Gladbach

Das letzte Blatt

 

Von den Gladbacher Sängern
Rückblick auf die Tätigkeit des Gemeinschaftschores im Jahre 1942

In den Wintermonaten des Jahres 1941 gründete man in der Kreisstadt den unter der Leitung von Lehrer Hans Oster stehenden Gemeinschaftschor, der sich inzwischen einen klangvollen Namen gemacht hat. Schon gleich zu Anfang dieses Jahres konnte der Chor sein erstes Konzert geben. In den wenigenMonaten seit seiner Gründung hatte der Chor eine Probetätigkeit entfaltet, die die Durchführung eines großen Chorkonzertes mit erstklassiger Vortragsfolge gestattete. Nach diesem Konzert setzte wieder ein eifriges Proben ein, so daß die Sängergemeinschaft bald über einen umfangreichen Schatz an gut gekonnten vierstimmigen Chören und Liedern verfügte, mit denen sie bei den verschiedensten Anlässen auftreten konnte. So besuchte der Gemeinschaftschor die Krankenhäuser und erfreute die Insassen mit schönen Liedspenden. Ferner erwies er einem Förderer des deutschen Liedes die letzte Ehre und brachte gelegentlich einer goldenen Hochzeit ein Abendständchen. Ein weiteres Ziele war dem Chor in der Mitwirkung bei den öffentlichen Eingestunen anläßlich einer Reichsstraßensammlung  gestellt. Das Konzert auf dem Rathausplatz war ein neuer Beweis der Leistungstüchtigkeit der Sängergemeinschaft, die sich in Gladbach in kurzer Zeit einen großen Freundeskreis gesichert hat. Den Höhepunkt der Jahresarbeit bildete das Kreissängertreffen in der Kreisstadt. Die Mitwirkung bei den Massenchören wie auch die Uraufführung bei den Chorliedern verlangten eine eifrige Probetätigkeit, die sich gelohnt hat und die den Sängern und ihrem Chorleiter einen guten Erfolg brachte. Nun kann der Chor am Jahresende trotz der zeitbedingten Schwierigkeiten auf ein ersprießliches Wirken zurückblicken, das für die Sänger Ansporn zu weiterem Schaffen ist.

Für das Jahr 1943 hat sich der Gemeinschaftschor neue Aufgaben gestellt. Den Auftakt bildet wieder ein großes Chorkonzert im Februar, für das seit einigen Monaten die Proben aufgenommen wurden. Die nächste Probe der Sänger ist am Sonntagmorgen im Lokal Hölzer in der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße. Alle Sänger werden pünktlich und vollzählig erwartet.

 

Alle Kraft für den Sieg einsetzen!

Rückblick auf ein Jahr erfolgreicher Arbeit der Partei im Rheinisch-Bergischen Kreise
Mit Entschlossenheit und Zuversicht ins neue Jahr!

 

Die Heimat vor 100 Jahren
Wie sah es im Bergischen Land um das Jahr 1942 aus?

Das Jahr 1942 liegt nun hinter uns. Es verflöß, dem einen schneller, dem anderen langsamer und reihte sich als bedeutsames Jahr geschichtlicher Ereignisse seinen Vorgängern an.

Weniger lebhaft ging das Jahr 1842 zu Ende, das in eine geruhsamere Zeit hineinfiel, allerdings unsere Heimat einige bedeutsame Neuerungen brachte, die wir hier nicht übergehen wollen. Das Jahr 1842 eröffnete nämlich den eigentlichen Eintritt unserer Stadt, die damals noch Landgemeinde war, in das moderne Leben und die Fortschritte, die technische Erfindungen und Notwendigkeiten der Entwicklung mit sich brachten.

Die verkehrstechnisch wichtigste Neuerung bestand in dem Bau der Straße Mülheim-Bergisch Gladbach. Mancher wird fragen, was daran denn schon Bedeutsames sei. Nun, die Frage ist schnell an Hand der damals vorhandenen Wege und Straßen beantwortet. Straßen in unserem Sinne mit Pflasterung usw. gab es noch fast garnicht. Der Hauptverkehr wickelte sich seit Jahrhunderten, um nicht von Jahrtausenden zu reden, auf der alten Wipperfürther Straße ab, soweit es sich um den Verkehr in das Bergische hinein handelte. Diese alte Straße nahme aber ihren Hauptzug über Hand, Fora, Hebborn, Romaney und weiter östlich. Sie ließ unsere Stadt zienlich weit rechts liegen, und nur kleine Nebenwege von Dellbrück und Paffrath aus schlossen Gladbach an diese damalige Hauptstraße an. Uas dieser günstigeren Verkehrslage heraus erklärt sich auch die damals immer noch sehr wesentliche Rolle, die Paffrath spielen konnte, nachdem es im ganzen Mittelalter und weiterhin der führende Ort auf Gladbacher Begiet gewesen war. Noch 1846 zählte der Paffrather Bezirk 830 Seelen gegenüber 686 Gladbachern, wozu dann noch aus den anderen Gemeindeteilen entfielen: 390 auf Kömbüchen, 384 auf Sand und 365 auf Gronau. Mit dem Bau der neuen Straße, die von Dellbrück kam und im wesentlichen damals ihr heutiges Gesicht erhielt, stand nun der heutige Stadtkern erstmals Anschluß an die Verkehreentwicklung, die ihm bisher gefehlt hatte.  Die Bedeutung dieser Neuerung hat man auch damals wohl klar erkannt, wenn man auch nicht alle daran sich knüpfenden Folgen, wie wir sie heute sehen, schon erkennen konnte. Die Weihe der Straße erfolgte nach ihrer Fertigstellung im Mai in der heutigen Gaststätte Paas, die damals "Bergisch Hüs'chen" heiß. Da waren der damalige Landrat Schnabel, weiter der Graf von Fürstenberg, der sich um den Bau sehr verdient gemacht hatte., Bürgermeister Kolter und zahlreiche andere angesehene oder um das Werk verdiente Leute erschienen. Besonders wurde der um die notwendigen Arbeite und den Einsatz dazu hochverdiente Urban von der Gronau, Urban Odenthal, gefeiert, der sogar einen Ehrenplatz zwischen dem Grafen und Landrat erhielt.Die Schilderung dieses Festessens, die uns Bendel in seinem Buch vom ehemaligen Kreise Mülheim gibt, weist auf eine Kehrseite der damaligen Entwicklung hin, die ebenfalls die neue Zeit mit sich gebracht hatte. Zahlreiche heimische Bauern hatten sich auf Spekulation an der Börse gestürzt, wobei einige wenige ein wenig Glück gehabt haben mögen, die meisten aber, wie es in der Natur der Dinge liegt, ihr ganzes Vermögen verloren. Diese Tatsache gab den Behörden mit Recht viel zu bedenken. Als die Sprache auf diesen Übelstand kam, meinte der "Ironer Urbohn" in seinem unverfälschten bergischen Platt, auf das er auch vor hohen Herren nicht verzichtete: "Die Ursaach litt an da Börse sellever. Do fählt een Saach. Wenn die do wö'er, dann wü'et dä Quatsch bahl am Eng sinn." Und als keiner wußte, was er meinte, da sagte er: "Do fählt enen düchtien Ohtzepissel, für dä Bu'eren de Huck zu schu'e  ". Die Gesellschaft gab ihm recht, wenn der Vorschlag, so richtig er sein mochte, auch wohl sehr schwer hätte verwirklicht werden können. Jedenfalls zeigt die ganze Geschichte, daß man auch bei uns damals die neue Zeit, die da sich anbahnte, recht lebhaft, um nicht zu sagen, zu lebhaft in sich aufnahm.

Um beim Straßenbau zu bleiben. So leitete diese auf Kosten des Freiherrn von Freiherrn von Fürstenberg erbaute erste moderne Straße bald zahlreiche zahlreiche weitere Straßenbauten ein. Schon 1848 konnte die Durchleitung der Straße bis Spitze erfolgen, von wo sie im folgenden Jahrzehnt weiter über Dürscheid-Biesfeld nach Wipperfürthe durchgesetzt wurde. Schon 1853-58 entstanden die heutigen Straßen nach Bensberg und Paffrath, von denen die letztere dann in der Nachkriegszeit die heutige allen Ansprüchen gerecht werdende Ausgestaltung erlebte. Die Straße nach Odenthal folgte erst 1882, und ihr heutiger Ausbau als Teerstraße liegt noch nicht weit zurück. So bildete das Jahr 1842 einen Markstein in der heimischen Verkehrsgeschichte, da es dem Verkehr völlig neue Wege wies, die sich in der Folge als sehr bedeutsam herausstellten und die Entwicklung eines Jahrtausends über den Haufen warfen.

Eine zweite bedeutsame Neuerung, ebenfalls technischer Art, hielt damals auch im Strundertale ihren Einzug: die erste Dampfmaschine. Bis dahin hatte die fleißige Strunde Jahrhunderte hindurch allein den Anforderungen genügt, die die zahlreichen Mühlen an ihren Ufern an sie stellten. Nun wuchsen ihr die Papiermühlen,die der Strunde ihr Dasein verdankten, über den Kopf. Die damals größte Papiermühle, die Dombach, die im Besitze der Firma Maurenbrecher war, entschloß sich 1842 als erste, den Dampfbetrieb aufzunehmen. Die Entwicklung zur Dampfmaschine, die 1810 in England begonnen hatte, schlug nun ihre Wellen auch in das stille Strundertal. Ein Unternehmen nach dem anderen machte sich in der Folge die technischen Neuerungen zu eigen. Freilich die Dombach hat den Vorstrung, den sie damals besaß, auch auf diese Weise nicht zu halten vermocht. Zu der Maschine muß, wie auch heute noch, der entsprechende Geist kommen, vielleicht gelegentlich auch etwas Glück. Tatsache ist und bleibt jedenfalls, daß die Dombach später von den Zandersschen Werken überflügelt wurde und schon 1875 in deren Besitz überging.

Immerhin brachte das Jahr 1842 bedeutsame Neuerungen und den Eintritt unserer engeren Heimat in die moderne Entwicklung verkehretechnischer und industrieller Art, und jeder Kreisstädter, der sich im Geiste in jene Zeit zurückzuversetzen vermag, wird uns darin zustimmen, wenn wir feststellen, daß sich das Bild der Heimat in diesen hundert Jahren doch gewaltig verändert hat. Wie wird es sich in den kommenden hundert Jahren gestalten? Die Antwort darauf wird uns erst einer iunserer Nachfahren 2042 geben können. Aber "dann tun uns allen die Backenzähne nicht mehr weh" wie ein altbergischer Ausdruck besagt.

Quelle: 
RBZ-19421231