Der Wirt war auf Schnaps spezialisiert


Zeitzeugen aus Stein  Baudenkmäler in Bergisch Gladbach

Der Wirt war auf Schnaps spezialisiert
WAATSACK: Historische Gaststätte in zentraler Lage ist von Plänen für eine neue Verkehrsführung bedroht

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Das Haus mit dem merkwürdigen Namen „Waatsack" liegt verkehrsgünstig – zu günstig, wenn es Pech hat. Denn das Gebäude steht seit 200 Jahren am Tor zur Innenstadt, an der Einmündung Hauptstraße/Odenthaler Straße. Doch wo früher Pferd und Wagen bequem aneinander vorbeikamen, quält sich heute der Verkehr durch ein Nadelöhr. Grund genug für die Stadtplaner, über eine neue Verkehrsführung an dieser Stelle nachzudenken.
Das aber könnte entweder ein brutales Ende des seit 1988 denkmalgeschützten Hauses durch die Abrissbirne bedeuten, wie bei der einst wenige hundert Meter nördlich gelegenenen Gaststätte „Am löstigen Dreck", oder zumindest die Streichung aus der Denkmalliste. Denn eine Translozierung, sprich Umsetzung des Hauses, das haben die Denkmalschützer deutlich gemacht, würde die Denkmalwürdigkeit des Hauses aufheben. Der Waatsack ist ein Denkmal, das an seinen althergebrachten Standort gebunden ist.
Erbaut wurde der „Waatsack" 1793, als in Frankreich die Revolution tobte. Wenig später wurde hier eine Schankwirtschaft eingerichtet, die vermutlich von den Kirchgängern früherer Zeiten gerne zur Stärkung aufgesucht wurde, bevor man sich wieder auf den oft langen und beschwerlichen Heimweg machte. Noch Jahrzehnte später, 1846, merkte Vincenz von Zuccalmaglio nicht ohne Süffisanz an: „Um die Kirchen liegen nur wenige Häuser, meistens Schenken". Später warb das Lokal mit einem großen Saal, Garten und Kegelbahn. Noch heute ist im Haus eine Gaststätte untergebracht.
Im 19. Jahrhundert stand Peter Linder, Gastwirt und Konditor, in der Küche und hinterm Tresen. Einige seiner Rezepte, gehaltvoll durch den großzügigen Einsatz von Hochprozentigem, haben sich über die Jahre erhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen örtlichen Gaststätten, in denen das ausgeschenkte Bier auch im Hause gebraut wurde, so der Historiker Hans Leonhard Brenner, war man im Waatsack auf Schnäpse spezialisiert.
Über die Herleitung des markanten Hausnamens „Waatsack" gibt es bis heute verschiedene Versionen, viele von ihnen dürften, wenn schon nicht wahr, so doch gut erfunden sein. Eine davon lautet, beim Bau des Hauses sei eine Karre mit Kalksäcken umgekippt. Als die Ladung die Straße herab-gerollt sei, habe ein Arbeiter gerufen: „Waat, Sack!". Wahrscheinlicher ist, dass sich das Wort aus dem Mittelhochdeutschen ableitet und ein leicht erhöhtes Grundstück ("Wuorde") am Wasser ("ack") meint.

Von außen ist das Haus mit Schiefer verkleidet.

Seit 1988 unter Denkmalschutz: Das Haus an der Ecke Hauptstraße/Odenthaler Straße dient bis heute als Gastwirtschaft.    BILDER: ARLINGHAUS

Zeugen der Vergangenheit
Sie sind Zeugen der Vergangenheit, haben je nach Baujahr Kriegs- und Friedenszeiten erlebt, Seuchen und Hungersnöte, Brände und Unwetter überstanden. An manchen hat der Zahn der Zeit unübersehbar seine Spuren hinterlassen, manche wurden mit neuem Leben erfüllt und liebevoll restauriert, für manche ist die Zukunft ungewiss.

Mehr als 180 Objekte zählt die Denkmalliste der Stadt. Kirchen und Wegekreuze ebenso wie Industriebauten und Wohnhäuser. Einige dieser Denkmale will diese Serie vorstellen. (spe)

 

Quelle: 
KStA-20111215