Den Brombeerranken abgetrotzt


Zeitzeugen aus Stein - Baudenkmäler in Bergisch Gladbach:

Den Brombeerranken abgetrotzt
DENKMÄLER Familie Kuttler hat in ihr Haus an der Richard-Zanders-Straße viel Arbeit investiert

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Zehn Jahre lang hatte das Haus leergestanden, erste Schäden zeigten sich am Gebäude, Brombeerranken und Gestrüpp hatten längst den Garten erobert. So präsentierte sich das denkmalgeschützte Haus an der RichardZanders-Straße, als die Kölner Kerult und Kristin Kuttler es für sich entdeckten. „Eigentlich wollten wir nicht aufs Land, aber dann haben wir das Haus gesehen und uns gleich verliebt", erinnert sich Kristin Kuttler lächelnd. Angetan hatten es den beiden besonders die vielen liebevollen Details des Hauses, die kleinen Erker und der Fassadenschmuck. „Allerdings war das Haus in schlechtem Zustand und wir haben vom Dach bis zum Keller alles saniert", so die neue Eigentümerin. „Eigentlich standen nur noch die Mauern und die haben wir dann auch noch verputzt." Die nötige Kernsanierung habe wohl viele potenzielle Käufer abgeschreckt. Kuttlers hingegen nicht. „Das war unsere dritte große Sanierung – allerdings die erste eines ganzen Hauses", erzählt Kristin Kuttler.
Das zweigeschossige Wohnhaus mit Walmdach wurde 1906 am Rande der Gronauer Waldsiedlung gebaut, die Unternehmer Richard Zanders für Mitarbeiter seiner nahe gelegenen Papierfabrik errichten ließ. Die Planer orientierten sich dabei an der Gartenstadtbewegung, die natürliche Umgebung wurde in das Gestaltungskonzept einbezogen. Architekt des repräsentativen Hauses war Ludwig Bopp, der auch das Gladbacher Rathaus geplant hat. An der Richard-Zanders-Straße errichtete er eines der aufwändigeren Gebäude der Siedlung, im eklektischen Stilmix. Im Erdgeschoss waren das repräsentative Wohnzimmer und die Küche untergebracht, in der ersten Etage die Schlafräume, unterm Dach die Dienstbotenzimmer. „Deshalb", so Kristin Kuttler, „hat dort auch jedes Zimmer ein eigenes Waschbecken." 1934 erfolgte ein größerer Umbau, mit dem Einflüsse einer „gemäßigten Moderne" Einzug hielten. Möglicherweise veranlasste Dr. Emil Flatz den Umbau. Der Ingenieur aus Österreich lebte seit 1927 in Bergisch Gladbach und wohnte nach dem Adressbuch von 1939 im Haus an der Richard-Zanders-Straße. Flatz war nicht nur Vorstandsmitglied bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln, sondern hatte als Techniker auch Entwicklungen im Motorenbau vorangetrieben. Während des Zweiten Weltkrieges war er maßgeblich am Bau luftgekühlter Dieselmotoren beteiligt. Emil Flatz starb 1989 im Alter von 100 Jahren in Bergisch Gladbach-Sand.
Bei den Modernisierungsarbeiten im Frühjahr blieben größere 'Überraschungen glücklicherweise aus, freuen sich die neuen Eigentümer. Seit Februar steht das Gebäude unter Denkmalschutz, daher mussten die Arbeiten mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt werden. Strittige Punkte und Diskussionen habe es dabei nicht gegeben. „Wir lieben das Haus ja so, wie es ist." Zudem seien mit dem Denkmalschutz auch steuerliche Vorteile verbunden. Nur eine Vorgabe habe das Budget fast gesprengt – die 36 Holzsprossenfenster. „Wir hatten an Kunststoff gedacht", erinnert sich Kristin Kuttler. „Das wäre günstiger geworden."

Das zweigeschossige Wohnhaus mit Walmdach wurde 1906 am Rande der Gronauer Waldsiedlung gebaut.

Kristin Kuttler hat das Haus an der Richard-Zanders-Straße mit ihrer Familie saniert.    BILDER: NEUMANN

Die Serie
Sie sind Zeugen der Vergangenheit, haben je nach Baujahr Kriegs- und Friedenszeiten erlebt, Seuchen und Hungersnöte, Brände und Unwetter überstanden. An manchen hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen, manche wurden mit neuem Leben erfüllt und liebevoll restauriert, für manche ist die Zukunft ungewiss. Mehr als 180 Objekte zählt die Denkmalliste der Stadt Bergisch Gladbach: Kirchen und Wegekreuze, Industriebauten und Wohnhäuser. Einige dieser geschützten Denkmale will diese Serie vorstellen. (spe)

Quelle: 
KStA-20111105