Minischindeln für den Mühlenturm


Minischindeln für den Mühlenturm
MODELLBAU Auf dem Altenberger Weihnachtsmarkt präsentiert Günter Blömer an diesem Wochenende mehrere historische Mahlwerke, darunter ist ein Modell der Hüvener Mühle - Die Besucher dürfen mitbauen

VON KARIN M. ERDTMANN
Odenthal. Eine Windmühle in unmittelbarer Nähe des Dorns? Was nicht nur für Städtebauer und Denkmalschützer derzeit schwer vorstellbar ist, wird für die Besucher des Weihnachtsmarktes an diesem Wochenende Realität. Der Odenthaler Modellbauer Günter Blömer präsentiert von heute an in dem Budendorf neben der ehemaligen Abteikirche mehrere historische Mahlwerke. Im Mittelpunkt steht ein Modell der Hüvener Mühle aus dem Emsland, die oben mit Windkraft und unten durch ein Wasserrad betrieben wird. „Die wollte ich immer schon mal bauen, aber bislang war sie mir zu kompliziert und zeitaufwändig", sagt der Besitzer des „Steiner Wind-und Wassermuseums".
Dreimal ist er nach Niedersachsen gefahren, um das Original in Augenschein zu nehmen. Vom Kammrad bis zur Königswelle, vom Bremsklotz bis zur Bespannung der Flügel soll schließlich alles originalgetreu sein. Nur allzu gern erläutert der ehemalige Malermeister die Funktionsweise der kombinierten Wind- und Wassermühle, die europaweit zu den ganz wenigen noch erhaltenen ihrer Art gehört. War nicht genug Wasser da, wurde sie mit Windkraft betrieben; war der Wind zu stark, wurde der obere „König" abgekuppelt. „Die Müller mussten sich damals nicht nur auf Mühlenbau verstehen, sondern auch das Wetter immer im Blick haben", erläutert der passionierte Modellbauer und Heimatforscher. War der Wind zu stark, bestand die Gefahr, dass „die Mühle durchging", dabei zerstört wurde oder abbrannte. Auch von den aus Pappelholz gefertigten „Bremsringen" ging eine latente Gefahr aus. Zudem dürfe der Mühlenstuhl auch nicht mit dem Mauerwerk verbunden sein, damit beim Mahlbetrieb nicht das ganze Gebäude bebt, erklärt Blömer.
Handwerklich betätigen können sich auch die Weihnachtsmarktbesucher. Sie dürfen mit Blömer an dem Modell eines alten Pumpenwagens der Feuerwehr bauen oder können den Mühlenturm mit Minischindeln versehen, die der Modellbauer per selbst konstruierter Brotmesser-Guillotine Stück für Stück aus einer Leiste schneidet. "Afrikanisches Apfelsinenkisten-holz", beantwortet er schmunzelnd die Frage nach der Herkunft. Auch die Tücher, die über die Windbretter gespannt werden, hat er selber genäht.
Auf dem Altenberger Weihnachtsmarkt befindet sich der Mühlenforscher zudem auf historisch bedeutsamem Gelände. Als die Mönche noch im Tal der Dhünn lebten, wurde nur wenige Meter von Blömers Stand entfernt mit Wasserkraft unter anderem Korn gemahlen und Öl gewonnen. Wie die Getreidemühle arbeitete, zeigt der Odenthaler ebenfalls an dem Modell eines entsprechenden Getriebes.
Direkte Vergleiche mit dem Original sind an einem Nachbau eines Mitteljochs des Altenberger Domes möglich. Durch abnehmbare Teile verdeutlicht Blömer die statische Bedeutung, die der ehemalige Kreuzgang für die Kirche hatte, und demonstriert die Funktion der Strebemauern, die vor mehr als 100 Jahren durch Strebebögen ersetzt wurden. Nebenbei räumt Blömer auch noch mit einem Märchen auf. Entgegen landläufiger Volkslied-Weisheit sei es keineswegs die Mühle, die am rauschenden Bach klappert, sondern lediglich der Rüttelschuh.
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Nachbau eines Mitteljochs des Altenberger Domes mit dem ehemaligen Kreuzgang (r.) und den ehemaligen Strebemauern.

Modell einer Altenberger Getreidemühle, die es im Kloster gab.
Günter  Blömer bespannt die Flügel von seinem Modell der Hüvener Mühle aus dem Emsland. Sie wird oben mit Windkraft und unten durch ein Wasserrad betrieben.    BILDER: CHRISTOPHER ARLINGHAUS

Blömer schneidet Minischindeln aus einer Leiste.

Quelle: 
KStA-20111202-s46