Am Wegrand: Kreuze in Rhein-Berg - Mahnung zur Rettung der Seele am Wegesrand


Am Wegrand: Kreuze in Rhein-Berg

Mahnung zur Rettung der Seele am Wegesrand
SERIE Vier Wegekreuze sind im Stadtgebiet erhalten geblieben - einige wurden in letzter Minute vor der Zerstörung bewahrt

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. „Rette deine Seele" fordert die alte Inschrift des Wegekreuzes an der Kirche St. Johann Baptist in Refrath auf, aber inzwischen gilt es nicht nur die Seele, sondern auch die Wege-kreuze selbst zu retten. „Leider besitzt unser Ort nur noch drei Wege-kreuze, die an ihrem ursprünglichen Ort stehen", bedauert Hans Peter Müller, Vorsitzender des Refrather Bürger- und Heimatvereins.
Die Kreuze stehen inzwischen zwar unter Denkmalschutz, doch Wind und Wetter und nicht zuletzt auch mutwillige Zerstörungen haben den historischen Kreuzen in der Vergangenheit immer wieder schwer zugesetzt. Das Wegekreuz an der Kirche hatte hier nicht immer seinen Standort. Ursprünglich mahnte es Vorübergehende an der Straße Brandroster, ihr Seelenheil nicht aus den Augen zu lassen. Weil es dem Eigentümer im Weg stand, so Müller, fand es schließlich an der Taufkirche einen neuen Platz.
Damit hatte es wesentlich mehr Glück als das alte Kreuz, das einmal an der Hüttenstraße stand und an das der Bürger- und Heimatverein in seiner Publikation „Refrath gestern und heute", Band 1, nur noch erinnern kann. Denn das landete schlicht auf dem Sperrmüll. „Das ist eine ganz traurige Geschichte", sagt Müller. Nachdem der Grundstückseigentümer keinen Wert auf das Kreuz aus dem Jahr 1783 gelegt habe, sei es von einem Restaurator niedergelegt worden. „Dann hat es in der Pfarre St. Elisabeth ein, zwei Jahre in der Garage herumgelegen, ist schließlich auf einen Anhänger geladen und entsorgt worden", so der Heimatforscher. Der Stifter des Kreuzes sei unbekannt, doch habe es in der Hüttenstraße früher einige sehr alte Höfe gegeben, so dass das Kreuz möglicherweise eine Familienstiftung gewesen sei, vermutet Müller.
Dies ist jedenfalls bei dem steinernen Ossenbach-Kreuz an der Lustheide 44 der Fall, benannt nach dem Stifterehepaar Ossenbach, das 1897 das Kreuz zur Erinnerung an seine Silberhochzeit errichten ließ. Den Mittelteil ziert die steinerne Büste der „schmerz-durch ein Schwert, das Marias Herz durchbohrt. Als wertvollstes der Kreuze gilt das Missionskreuz im Beningsfeld aus dem Jahr 1765. Damit ist es das älteste der vier erhaltenen Wegekreuze. Das Missionskreuz wurde jüngst aufwändig restauriert. Frostschäden und Moose hatten dem Stein zugesetzt. „Dann platzt alles weg", weiß Müller um den ewigen Kampf gegen den Verfall der Denkmäler. Im Beningsfeld hatte der steinerne Jakobus auf diese Weise schon seinen Stab verloren, der ihm jetzt durch die Arbeit der Restauratoren wieder in die Hand gedrückt wurde. Das Prozessionskreuz im Vürfels 76 hätte beinahe das Schicksal des Hauses geteilt, vor dem es ursprünglich stand und das abgerissen wurde. Doch der Bürger- und Heimatverein handelte schnell. Mit Einverständnis der neuen Eigentümer konnte es wenige Meter. versetzt wieder aufgerichtet werden. Erst dabei wurde entdeckt, dass es gar nicht wie immer angenommen, aus Stein, sondern aus Holz bestand.
„Früher haben die Besitzer bei jeder Fronleichnamsprozession wohl einen Eimer Farbe in die Hand genommen und drübergestrichen", sagt Müller lächelnd. Viel Arbeit für den Restaurator: 23 Farbschichten wurden vom Holz entfernt.
2006 beschädigten Unbekannte das Kreuz schwer. „Das Kruzifix wurde heruntergerissen, nur die Arme hingen noch am Querbalken", so Müller. Erst Wochen später tauchte der Corpus wieder auf. „Eines Morgens lag er vor einer Haustür", sagt Müller. Und wieder musste renoviert werden, was durch den großen Einsatz eines Refrather Ehepaares habe finanziert werden können, so Müller. „Die beiden sind einfach mit einer Sammelbüchse herumgegangen."
Das Wegekreuz im Beningsfeld mit Jakobus-Darstellung. BILDER: NEUMANN haften Muttergottes", dargestellt Dieses Exemplar wurde an die Kirche St. Johann Baptist versetzt.

Quelle: 
KStA-20111231