Zeitzeugen aus Stein: Baudenkmäler in Bergisch Gladbach - Der Pfarrer wohnte nie hier


Zeitzeugen aus Stein: Baudenkmäler in Bergisch Gladbach

Der Pfarrer wohnte nie hier   
DENKMAL: Das Pastorat in Refrath hat eine wechselvolle Geschichte - Umbau dauerte zehn Jahre

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Nicht alles, was auf Sand gebaut ist, muss zwangsläufig kurzlebig sein. Das Pastorat neben der alten Kirche in Refrath ist dafür ein gutes Beispiel. Als das Gebäude 1846 als Pfarrhaus errichtet wurde, eignete sich der Boden nur bedingt für das Vorhaben. Denn neben dem sandigen Baugrund erschwerte auch das hoch stehende Grundwasser, das die Ausschachtung eines Kellers unmöglich machte, die Arbeiten.
Mehr als 160 Jahre später jedenfalls präsentiert sich das Pastorat in bestem Zustand. Zu verdanken hat das seit 1993 unter Denkmalschutz stehende Gebäude seine gute Erhaltung dem Kölner Ehepaar, das sich im Herbst 1978 entschloss, das damals ziemlich marode Haus mit Garten zu kaufen und zu renovieren.
Was als kurzer Umbau gedacht war, sollte am Ende zehn Jahre dauern. „Als wir mühsam zwei Zimmer fertig hatten, haben wir auf der Baustelle gelebt", erinnert sich der Eigentümer heute. Balken der tragenden Fachwerkkonstruktion erwiesen sich als wurmstichig, aus der undichten Heizung lief das Wasser heraus, die Fenster waren von Vorbesitzern wenig denkmalgerecht modernisiert und die ursprüngliche Fassade durch spätere Anbauten verschandelt worden, der Brunnen im Garten war mit Schutt vollgekippt.
Nach und nach rekonstruierten die neuen Besitzer den alten Zustand des Hauses wieder. Dass sie dabei die Auflagen des Denkmalschutzes beachten mussten, war für die Familie kein Problem. „Wir hatten nie vor, gegen den Denkmalschutz zu arbeiten. Das hat uns eher geholfen und auch mit Zuschüssen unterstützt", sagt der Pädagoge, der viele Arbeiten gemeinsam mit seiner Frau selbst ausführte.
In der Hoffnung, Refrath wieder zu einer selbstständigen Pfarrgemeinde zu machen, hatte Bernhard Eyberg (1766-1846), heute noch durch die nach ihm benannte Straße bekannt, nicht nur Geld für das Salär eines künftigen Pfarrers gestiftet, sondern auch noch ein Stück Land neben der alten Kirche erworben und Baumaterial zur Verfügung gestellt, um ein Pastorat zu errichten.
Die Vollendung dieses Planes sollte Eyberg jedoch nicht mehr erleben. Er starb unerwartet im Juli 1846. Da seine 22 Erben aber den Weiterbau förderten, konnte das Gebäude doch noch fertiggestellt werden, erläutert Hans Peter Müller, Vorsitzender des Refrather Bürger- und Heimatvereins, die Baugeschichte des Hauses in einem Aufsatz zur Refrather Ortsgeschichte.
Allerdings wurde das Pastorat seiner eigentlichen Aufgabe kaum gerecht: Der erste Pfarrer, Christian Büschemer, habe nie darin gewohnt, so Müller, lediglich die Pfarrverwalter lebten eine Weile hier. Mit dem Bau der neuen Pfarrkirche wurde dann auch ein neues Pastorat errichtet, so dass der spätere Pfarrer Josef Heinrich Dolman um das Jahr 1869 dorthin umziehen konnte. Das „alte" Pastorat, das nun offiziell keines mehr war, kam unter den Hammer: Bei einer Versteigerung erwarb es für 950 Taler die Firma Berzelius, die die Zinkhütte betrieb. Sie nutzte das Gebäude als Direktorenwohnung, da man „auf der Zinkhütte selbst wegen der dort herrschenden Ausdünstung" nicht wohnen wollte.
Doch auch, wenn der Denkmalschutz beim Umbau des Pastorats großgeschrieben wurde, präsentiert sich das Haus heute im Inneren leicht verändert. „Das Gebäude sollte ursprünglich als Pastorat repräsentativen Charakter haben", erzählt der Besitzer. Daher sei das Fachwerkgebälk verputzt worden, um Mauerwerk vorzutäuschen. „Fachwerk galt damals als bäurisch", so der Hausherr, der sich dieser Sichtweise aber nicht anschließen wollte. Daher wurden die Balken wieder freigelegt und geben den Räumen nun das gemütliche Aussehen, das Fachwerkhäusern eigen ist.

Zeugen der Vergangenheit
Sie sind Zeugen der Vergangenheit, haben je nach Baujahr Kriegs- und Friedenszeiten erlebt, Seuchen und Hungersnöte, Brände und Unwetter überstanden. An manchen hat der Zahn der Zeit unübersehbar seine Spuren hinterlassen, manche wurden mit neuem Leben erfüllt und liebevoll restauriert, für manche ist die Zukunft ungewiss.
Mehr als 180 Objekte zählt die Denkmalliste der Stadt. Kirchen und Wegekreuze ebenso wie Industriebauten und Wohnhäuser. Einige dieser Denkmale will diese Serie vorstellen. (spe)

Das Innere des Baus wurde liebevoll saniert.

Zwischenzeitlich war das Fachwerk verputzt, um dem Haus einen repräsentativen Charakter zu geben.        BILDER: NEUMANN

Quelle: 
KStAt-20120104