Zeitzeugen aus Stein - Baudenkmäler in Bergisch Gladbach: Holzbock und Hausschwamm besiegt


Holzbock und Hausschwamm besiegt
ALT-FRANKENFORST Eine Villa aus dem Jahr 1909 wurde von ihren neuen Besitzern aufwändig saniert

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Als Liane und Hartmut Schneider das Haus zum ersten Mal sahen, war es unbewohnt – oder beinahe unbewohnt. Denn der gemeine Holzbock hatte sich als hartnäckiger Untermieter im Dach eingenistet. Davon ahnte das Kölner Ehepaar aber noch nichts, als es 1976 eine Wohnung in Bergisch Gladbach suchte und neugierig durch das Gartentor des Gebäudes an der Parkstraße in Alt-Frankenforst spähte.
Das Haus, das seit sechs Jahren leer stand, sollte bereits Ende der 60er Jahre abgerissen werden und mehreren Neubauten weichen. Diese Pläne scheiterten jedoch am Widerstand der Anwohner. Gerettet war das Haus damit aber noch lange nicht. Denn es verfiel mehr und mehr. 1976 wurde es schließlich zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt das Ehepaar Schneider, das damit aber noch kein Dach über dem Kopf hatte.
Denn was die Fassade der Villa aus dem Jahr 1909/10 versprach, konnten die Innenräume und der rückwärtige Teil des Hauses nicht halten. „Das Dach war kaputt und so war jahrelang Wasser eingedrungen, mit der Folge, dass der Holzbock im Dach und der Hausschwamm im Keller war", erinnert sich Hartmut Schneider. Das waren aber nicht die einzigen unliebsamen Entdeckungen. Der Putz fiel beim ersten Schlag von den Wänden, die sanitären Einrichtungen waren verrottet, die Elektrik gefährlich und die Um- und Anbauten aus den 50er Jahren hässlich. „Wir haben jahrelang auf einer Baustelle gelebt", sagt Schneider. Ein Zimmer im Obergeschoss musste genügen, während unten noch die Böden fehlten und fast alles andere auch.
„Durch die vielen Veränderungen hatte Haus Tanneneck seine Seele verloren", meint Schneider. Dass es diese Seele wiedererlangt hat, das ist Verdienst der Eigentümer. Nach alten Plänen stellten siemit viel Liebe zum Detail den Originalzustand wieder her. Und wo genaue Angaben fehlten, rekonstruierten sie im ursprünglichen Stil. Dass das Werk gelungen ist, attestierte nicht zuletzt die Denkmalbehörde, die das Haus 1991 unter Denkmalschutz stellte. Und auch der Film entdeckte das Anwesen. Für Fernsehproduktionen standen hier Götz George genauso wie Armin Müller-Stahl oder Gaby Köster vor der Kamera.
Geld, Zeit und Nerven
Erbauer des Hauses, eines der ersten in der geplanten Waldsiedlung Frankenforst, war Hermann Schütte aus Soest, Oberleutnant a.D. Einige Jahre später war es das Wohnhaus des Regierungsbaumeisters Carl Moritz, ein Architekt, der unter anderem auch das Kölner Opernhaus und die Deutzer Brücke gebaut hat. „Baulich übel mitgespielt", so Hartmut Schneider, „wurde dem Haus erstmals zu Beginn der 50er Jahre". Damals wurde es von einem Handelsrat an der italienischen Botschaft bewohnt und dem damaligen Geschmack angepasst. „Mit dem Stil des Hauses hatten die Veränderungen nichts zu tun", kritisiert der heutige Besitzer. Mit seiner Frau verwandelte er das Gebäude behutsam in den ursprünglichen Zustand zurück. Das kostete nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit und gute Nerven. „Geduld ist dabei das Wichtigste", sagt Schneider lächelnd. Selbst Handwerker sowie Freunde und Bekannte seien zwischendurch ungeduldig geworden, was die Eigentümer aber nicht aus der Ruhe brachte. Vieles renovierte Schneider selbst. Als Autodidakt erlernte der Industriekaufmann mehrere Gewerke, entwarf und baute bleiverglaste Jugendstilfenster, brachte Wandverkleidungen an und kachelte die Küche.
Schon die Materialbeschaffung für die Restaurierung war eine Detektivarbeit. So kommen die Fliesen aus Frankreich, wo sie auch in den Pariser Metrostationen verbaut wurden, der Kamin stammt von einem französischen Flohmarkt und den Marmor für die Böden ließ man in einer Fuhre aus Italien kommen. „Das war billiger als hier Bodenplatten zu besorgen",berichtet Schneider.
So sind die heutigen Besitzer mit jedem Winkel des Hauses verwachsen und kennen viele Details zur Baugeschichte. Nur eine kleine Wissenslücke würden sie gerne noch schließen. „Wir suchen noch Leute, die uns erzählen können, wie das hier unmittelbar nach dem Krieg aussah", sagt Schneider. Gerüchten zufolge soll damals direkt vor dem Haus ein Wachhäuschen gestanden und im Gebäude ein Casino für die Offiziere der Besatzungsmächte existiert haben.

Die Villa an der Parkstraße in Alt-Frankenforst stammt aus den Jahren 1909/10.  BILDER: ARLINGHAUS

Hartmut Schneider hat das Haus mit seiner Frau saniert.

Besonderes Merkmal des Hauses sind die bleiverglasten Jugendstilfenster

Quelle: 
KStA-20111118
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 31.8.2011