Unterbringung von 20 belgischen Lehrerfamilien in der Stadt Bensberg


Bensberg, den 5.4.1950
Wa./G.

Herrn
Landrat Hoesch
Bergisch Gladbach

Betr.: Unterbringung von 20 belgischen Lehrerfamilien in der Stadt Bensberg

Gegen die Absicht, 20 belgische Lehrerfamilien in der Stadt Bensberg unterzubringen, legen Stadtvertretung und Stadtverwaltung aufs schärfste Verwahrung und Protest ein.

Als die belgischen Truppen im Zuge der Räumung des Bonn-Godesberger Raumes im Sommer vergangenen Jahres nach Bensberg verlegt wurden, versicherten sämtliche Besatzungsstellen und deutsche Behörden feierlichst, daß nach Fertigstellung der Besatzungsbauten im Frankenforst die zusätzlich zu den Altbeschlagnahmungen vorgenommenen Requisitionen von 93 Wohnungen sämtlich aufgehoben würden. Der Fertigstellungstermin der Besatzungsbauten im Frankenforst steht bevor.

Nunmehr verlautet, daß bis zur Erstellung der noch nicht in Angriff genommenen Lehrerdienstwohnungen in Rösrath 20 belgische Lehrerfamilien in den Besatzungsbauten im Prankenforst untergebracht werden sollen. Dadurch müßte mindestens die gleiche Anzahl der im vergangenen Jahre requirierten Wohnungen bis auf weiteres beschlagnahmt bleiben. Den deutschen Familien würde es dadurch nicht ermöglicht, bei Fertigstellung des Bauvorhabens Frankenforst wieder aus ihren Keller- und Mansardenwohnungen in die eigenen Häuser zurückzukehren. Bei der Last der Besatzung und der Fülle der finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die Bensberg als Besatzungsstadt seit Kriegsende trägt, können die Nichteinhaltung des gegebenen Versprechens und die sich daraus ergebenden zusätzlichen Belastungen unter keinen Umständen hingenommen werden. Wohnungssuchende und Besatzungsverdrängte haben in öffentlicher Versammlung wissen lassen, daß sie im Falle der Nichteinlösung des gegebenen Versprechens zu Aktionen und Selbsthilfemaßnahmen greifen werden. Auf diese Entwicklung hinzuweisen, halten wir für unsere Pflicht.

Der letzte Rest von Vertrauen schwindet, wenn feierlichst abgegebene Erklärungen nicht eingehalten werden und wenn zudem der Stadt Bensberg als Besatzungsstadt Lasten ungewohnten Ausmaßes rücksichtslos weiterhin aufgebürdet werden. Bei gutem Willen alliierter und deutscher Stel len würde ein Ausweg, die belgischen Lehrerfamilien bis zur Fertigstellung der Dienstwohnungen in Rösrath vorübergehend unterzubringen, sich durchaus finden lassen. Wenn die bestehende Absicht verwirklicht wird, ist damit zu rechnen, daß sich die Bevölkerung einhellig und einstimmig gegen die nun schon jahrelang mit Geduld getragenen Besatzungslasten aufbäumen wird und damit der Stadtvertretung und Stadtverwaltung jede geordnete Arbeit unmöglich macht.
   
    STADTVERTRETUNG        STADTVERWALTUNG
    Bürgermeister        Stadtdirektor

Quelle: 
Stadt Bensberg, April 1950