"... und wenn es zu öffentlichen Protestaktionen kommt!"


"... und wenn es zu öffentlichen Protestaktionen kommt!"
Mit allen Mitteln soll einer Weisung der Besatzung entgegengetreten werden

Bergisch Gladbach. In einer Hauptausschuß-Sitzung des Kreistages in Linde bei Lindlar, berichtete der Oberkreisdirektor, daß die Besatzungsmacht beabsichtigt, bis zur Fertigstellung der Wohnungen für die Lehrerfamilien des Belgischen Athenäums in Rösrath die belgischen Besatzungswohnungen in Neufrankenforst, die in Kürze fertig werden, zu belegen. Bürgermeister Werheit gab zu verstehen, daß die Bensberger einer Weisung, die Lehrerfamilien zunächst in Neufrankenforst unterzubringen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten werden, selbst auf die Gefahr hin, daß es zu öffentlichen Protestaktionen kommen würde.

Die Frage der Errichtung der erforderlichen Lehrerdienstwohnungen ist seit Monaten Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen zwischen den beteiligten deutschen Ministerien und alliierten Vertretern. Da das Land die eigenen Mittel für den Wohnungsbau nicht zugunsten des Besatzungswohnungsbaus schmälern wollte, konnte endlich erreicht werden, daß die Mittel für die 22 nötigen Besatzungswohnungen aus dem Besatzungshaushalt zur Verfügung gestellt werden. Bauträgerin bleibt die Rheinische Heimstätte GmbH in Düsseldorf.
Die Absicht der Besatzung, die Wohnungen in Frankfurt zu belegen, stieß bei allen beteiligten Stellen auf Widerstand. Es soll notfalls versucht werden, die Verlegung des Athenäums bis zur endgültigen Fertigstellung der Lehrerdienstwohnungen hinauszuzögern. Bei dieser Gelegenheit zeigte Bürgermeister Werheit noch einmal die Sorgen auf, mit denen Bensberg durch die Besatzungsbehörden belastet wird.
Wie Oberkreisdirektor eingangs mitteilte, belaufen sich die Kosten für die Instandsetzung der Schlösser Venauen und Eulenbroich sowie für die Errichtung der Schulpavillons, der Unterrichtshallen usw. auf insgesamt rund eine Million DM.
Nach dem neuen Landeswohnungsgesetz müssen nun die bisherigen Schlichtungsstellen und die Spruchkammern bei den Regierungspräsidenten durch Beschwerdestellen für Wohnungssachen ersetzt werden. Es wurde beschlossen, die Beschwerdestelle in Berg. Gladbach und Spruchkammern in Berg. Gladbach und Wipperfürth einzurichten.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die Kreistagsmitglieder für den neuen Kreissiedlungsausschuß zur Durchführung des Bodenreformgesetzes benannt. Nach Erledigung einiger Personalangelegenheiten besichtigte der Hauptausschuß die Rinderbesamungsstation auf dem Scheurenhof bei Linde. Kreistierzuchtwart Tent erläuterte die Entwicklung dieser Station und die erheblichen volkswirtschaftlichen Vorteile für die Landwirtschaft.

Quelle: 
HW-19500325 (Jahrgang 102)