Ist Bensberg nur für Requisitionen gut genug?


Ist Bensberg nur für Requisitionen gut genug?
Von unserem K. E.-Volkskorrespondenten

Angesichts dieser Frage reift immer mehr die Bekenntnis zu einem sofortigen Friedensvertrag und dem Abzug aller Besatzungstruppen heran. Immer größer wird der Kreis der durch Besatzungsmaßnahmen Betroffenen, immer größer ihr Leid, immer geringer die Einnahmen der Stadt und immer größer — und hier sind wir auf dem Kernpunkt dieser Veröffentlichung gekommen.
die Gewinne auswärtiger Unternehmer,
welche hier in Bensberg für die Besatzungsmacht große Aufträge im Bausektor ausführen.
Wir sind der Meinung, daß, wenn die Stadtgemeinde die Lasten zu tragen hat, sie dann auch etwaige Erleichterungen, wenn man sie überhaupt so nennen kann, genießen soll.
So sind im Stadtgebiet schon viele große Besatzungsaufträge vergeben worden und immer auswärtige Unternehmer den Rahm abgeschöpft und das einheimische Handwerk ging leer aus oder wurde nur minimal bedacht. Der sonderbarste Fall aber wohl die im Frankenforst zu bauende belgische Schule sein.
Eine sensationelle Auftragsvergebung
Nachdem die Firmen ihre Angebote mehr oder weniger sorgfältig bearbeitet hatten und dem Bauamt einreichten, war dann die Eröffnung, und aus der Konkurrenz der Firmen aus Stuttgart, Braunschweig, Essen, Köln usw. ging eine Bensberger Firma als Sieger, das heißt, als Billigster hervor.
Da nun nach der Reichsverdingungsordnung der Billigste den Auftrag bekommen mußte, sprach man der Firma aus Bensberg einen Teil des Schulneubaues zu. Das war schon sonderbar. Aber es kommt noch besser. Anscheinend besann man sich auf die Tradition, daß man in Bensberg nur die Lasten zu tragen habe, zog den Auftrag zurück mit der fadenscheinigen Erklärung, es erfolge eine Neuausschreibung mit einer Mehrmengenberechnung von ca. 25000 DM. Anstatt nun noch 25000 DM teurer zu werden, ist der neue Sieger, eine Braunschweiger Firma, noch ca. 6000 DM billiger als im ersten Angebot. Die zweite berücksichtigte Firma aus Köln war auch billiger als in der ersten Ausschreibung.
Soll da nicht einer dran gedreht haben? Mit Recht wird diese Angelegenheit diskutiert, und alle Bensberger Handwerker und Unternehmer müssen schärfstens dagegen Verwahrung einlegen, daß ihre Angebote insbesondere auswärtigen Unternehmern als Wegweiser dienen. Dem Finanzneubauamt sei gesagt, daß dieses Gebaren ganz sonderbar ist und nicht so ohne weiteres hingenommen werden kann. Die gewählten Volksvertretungen müssen sich der Sache annehmen und dafür sorgen, daß sich so etwas nicht mehr wiederholen kann.
Möge man auch nicht auf den Gedanken kommen, man habe eine kommunistische Firma ausgebootet und habe recht getan. Der Artikelschreiber ist unbeeinflußt und nimmt als von der Bevölkerung gewählter kommunistischer Abgeordneter die Interessen aller wahr.

Quelle: 
VSt-19500419