Schon wieder Angst vor dem Abriß


Schon wieder Angst vor dem Abriß
Mieter in Bensberg empört über Stadt

Von Renate Hofmann
Bensberg — Die Bewohner der städtischen Häuser an den Straßen Reiser und Im Mondsröttchen sind wütend. Wieder einmal steht der Abbruch der sieben Doppelhäuser zur Diskussion. Allerdings: Keiner weiß genau, wann was wie passieren soll. Um Licht in das Dunkel, zu bringen, wandten sich die Anwoner an die, Ratsfraktion der Grünen, die nun im Finanzausschuß die Situation klären will.
Hohe Wellen schlug das Abbruchvorhaben der Stadt bereits vor Weihnachten.
Die Häuser mit viel Liebe in Schuß gehalten
Es machte die Runde, daß die Häuser Reiser 32 und 34 im Frühjahr abgerissen würden. In der Tat hatte die Stadtverwaltung in Bergisch Gladbach einer Familie einen Brief mit dieser Ankündigung geschickt. Die Nachbarn halten den Zeitpunkt für „inhuman". „Wie kann man einer Familie eine Woche vor Weihnachten schreiben, daß sie innerhalb eines Monats ausziehen muß", wird verständnislos gefragt. Und die Nachbarn fürchten: „Wenn die beiden Häuser erst einmal abgebrochen sind, sind wir die nächsten.,,Das sind die unwirtschaftlichsten Häuser im Stadtgebiet", sagt dazu Peter Schlösser, Sprecher der Stadtverwaltung. Die Instandsetzungskosten hätten sich in den letzten Jahren derart gehäuft, daß das Hochbauamt Alarm geschlagen habe. Außerdem: „So viel Grund und Boden für so wenig Leute ist heute nicht mehr vertretbar." An ihre Stelle will die Stadt Sozialwohnungen in zweigeschossiger Bauweise entstehen lassen. Die Grundstücke Reiser 32 und 34 seien die größten und für den Beginn des Vorhabens am besten geeignet. Man habe sich zuerst an die dortigen Bewohner gewandt.
„Wir machen das jetzt zum dritten Mal mit", klagt Maria Rallis. „Das hatten wir schon vor 20 Jahren und vor vier Jahren war es wieder so weit. Damals hat man uns doch fest zugesagt, daß wir keine Kündigung mehr bekämen", klagen die Mieter fassungslos. Sie alle hängen an ihren Häusern, die sie seit Jahrzehnten bewohnen und mit viel Liebe in Schuß halten.
Die Angst vor einem möglichen Umzug bereitet ihnen mittlerweile schlaflose Nächte. „Wer soll die Miete zahlen?" fragen sich die Anwohner, die entweder Rente beziehen oder arbeitslos sind. Wohngeld könne die Differenz nicht auffangen. Auch Nachbarschaft, Garten und Haustiere müßten sie aufgeben. „In unserem Alter noch umziehen müssen, das ist schon hart", schimpfen auch Elsbeth Burs (82) und Josefine Heller (72).
„Daß die Reparaturen zu teuerseien, hält man uns schon seit Jahren vor", sagt Käthe Monigl. Die anderen bestätigen: „Aus Angst davor sagen wir ja schon gar nichts mehr und machen lieber alles selber." Käthe Monigl hat so auf eigene Kosten eine Heizung einbauen lassen. Sie fühlt sich regelrecht „gefoppt", denn sie hatte bereits einmal für ein städtisches Vorhaben ihr Haus räumen müssen. Jetzt klagt sie weiter: „Jeder Hausbesitzer muß jedes Jahr etwas machen: streichen, ausbessern, erneuern. Nur die Stadt darf 30 Jahre nichts tun." So lange hätten nämlich an manchen Häusern die Fassaden keinen neuen Anstriche bekommen. „Da kommt der Verdacht auf, die machen das extra, damit die Häuser verfallen." Auch Willi Eckenroth fühlt sich hintergangen.
Daß über kurz oder lang für die 1946 für sogenannte Besatzungsverdrängte gebauten Häuser eine Lösung gefunden werden müsse, wollen auch die Grünen nicht abstreiten. Das sagt jedenfalls Magda Ryborsch, Vorsitzende der Ratsfraktion. Dennoch könne man so nicht vorgehen. Bei allem Verständnis für die Nöte der Stadtverwaltung fordert Ryborsch einen angemessenen Umgang mit den Anwohnern.
„So kann man nicht mit Menschen umgehen"
„Knall auf Fall und ohne die Nachbarn einzubeziehen geht das nicht. So kann man mit Menschen nicht umgehen", sagt Fraktionsvorsitzende Magda Ryborsch ganz deutlich. Jetzt fordert sie von der Verwaltung erst einmal ein ausführliches Konzept ein.

Klein und fein finden die Anwohner ihre Häuser an den Straßen Reiser und Im Mondsröttchen, baufällig und unrentabel sind sie für die Stadtverwaltung. Deshalb sollen sie abgerissen werden. (Bild: Möllinghoff)

Quelle: 
KStA-19940301-rn9