Unsere Bergische Heimat 1959-07

Ein Forscherleben endete allzu früh

Dr. Anton Jux starb am 15. Juni 1959 / Ein Gedenkblatt

Mit tiefer Trauer vernahm man im Bergischen Land die Nachricht vom allzu frühen Ableben des bergischen Heimatforschers Dr. Anton J u x, Bergisch Gladbach. Mit einem seiner fünf Söhne hatte er am 15. Juni 1959 — am letzten Freitag vor Pfingsten — den Garten seines Hauses aufgeräumt in Vorbereitung für die kommenden Feiertage. Bevor er einem alten bergischen Brauch folgen wollte, durch Abbrennen eines Feuers (dazu sollte der gewonnene Kehricht dienen) der baldigen Erscheinung des Heiligen Geistes zu gedenken, ging er sichtlich erschöpft in sein Haus. Als er nach längerer Zeit nicht erschienen war, suchte sein Sohn nach ihm und fand ihn gelähmt, aber noch lebend auf. Arzt und Priester kamen recht bald, konnten jedoch nicht mehr verhindern, daß der 64jährige, stets rüstige Mann kurz danach verstarb. Ein überaus arbeitsreiches Leben hatte geendet. Seine Heimatstadt Bergisch Gladbach, das Bergische Land hatten einen ihrer Treuesten verloren, nicht zuletzt seine Familie, für die er stets so treu gesorgt hatte.
Zu Bergisch Gladbach am 13.März 1895 geboren, besuchte er die Volksschule, um sich nach Abschluß dem Bäckerhandwerk zu widmen. Seine Zielstrebigkeit und Aufgeschlossenheit für den Alltag ließen in ihm den Gedanken aufkommen und reifen, Lehrer zu werden. Im Jahre 1911 nahm ihn die frühere Kreisstadt Wipperfürth auf, wo er auf Präparandie und Seminar seine Studien begann, die er 1915 mit Ablegung der ersten Lehrerprüfung erfolgreich beendete. Schon damals interessierten den jungen Seminaristen die historischen Werdegänge der alten bergischen Hauptstadt und der weiteren Nachbarschaft. Zwei katholische Geistliche wurden Dr. Jux damals Lenker und Weiser in der Historie. Zu Wipperfeld war es der Pfarrherr Conrad Schmitz, der als geborener Wipperfürther die umfangreiche Geschichte seiner Vaterstadt durchforschte. Im Suitbertusblatt, einer Sonntagsbeilage des Wipperfürther Volksblattes, veröffentlichte Pfarrer Schmitz Beiträge zur Geschichte von Wipperfürth, Vorarbeiten für die spätere Stadtgeschichte. In den reichhaltigen Archiven der Stadt und der Pfarre arbeitete ferner der damatige Religionslehrer Heinrich Löcherbach, der sich ebenfalls durch wertvolle Veröffentlichungen einen Namen erwarb. Mit beiden hatte der Seminarist früh Verbindung aufgenommen, die bis zum Tode beider bestehen blieb. Doch nicht allein die Geschichtskunde mit einer fundierten wissenschaftlichen Urkundenforschung wurde sein Steckenpferd. Auch das verwandte Gebiet der Volkskunde zog ihn an. Dadurch wurden die ersten Beziehungen zum bergischen Sagenforscher Schell geknüpft.
Der junge Lehrer mußte 1915 zunächst Kriegsdienste leisten. Im Osten mehrfach verwundet, konnte er schließlich dem Zivilleben wiedergegeben werden. Seine Lehrertätigkeit begann im Schulbezirk Eitorf an der Sieg (in Irlenborn und Bohlscheid). Es folgten Anstellungen im Schulverband Much (Kreuzkapelle und Oberhausen), in Lindlar und Rösrath. Ueberall nahm er die Gelegenheit wahr, die jeweilige Ortsgeschichte und Volkskunde zu erforschen. Die „Bergische Wacht", die zu Engelskirchen im Verlag des verdienstvollen Edmund Schiefeling erschien und auch in Much ihre Bezieher hatte, nahm seine Forschungsergebnisse gern auf. So wurde er mit weiteren Förderern der Heimatpflege wie Arthur Oedekoven und Wilhelm Breidenbach, beide Lindlar, bekannt. Inzwischen längst Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins und des Historischen Vereins für den Niederrhein geworden, hatte er weitere Möglichkeiten zur Publikation seiner Forschungen.
1919 hatten in Bergisch Gladbach August Kierspel und Bertram Steinbach den Bergischen Kalender aus der Taufe gehoben: Schon früh wurde er Mitarbeiter und übernahm schließlich die Gesamtleitung, die er in wechselvoller Geschichte bis auf den heutigen Tag beibehielt.
Mit dem verdienstvollen Univ.-Prof. Dr. Adam Wrede, dem Stadtkölner Geschichtler und Volkskundler, verband ihn eine enge Freundschaft, begründet nicht zuletzt durch die exakten Forschungsergebnisse des jungen Lehrers. Was wohl kaum jemand dem Bäckerburschen Anton Jux vorausgesagt hätte, wurde im Jahre 1929 Wirklichkeit, er erhielt in Köln den philosophischen Doktorhut. Von 1931-1934 war Dr. Jux als Hauptlehrer in Bergisch Gladbach, an den Volksschulen in Gronau, an der Wilhelmstraße und schließlich als Rektor an der Buchmühle tätig. Der erfolgreiche Abschluß der Mittelschullehrer-Prüfung im Jahre 1925 war die Voraussetzung zu seiner Berufung als Hauptschulrektor. Nach Kriegsende war Köln-Mülhehm sein Wirkungsfeld, zunächst an der Schule Tiefenthalstraße und bis zum Sterbetag als Rektor an der Fichteschule.
44 Jahre im Schuldienst waren vergangen. Ein Jahr wollte Dr. Jux noch aushalten, um im Jahre 1960 in den Ruhestand zu treten. Dann wollte er nur noch seiner Familie, die er 1926 gegründet hatte, und der Geschichtsforschung shch widmen.
Die Zahl sehner Publikationen in den Heimatbeilagen der Tagespresse und der Fachliteratur der Geschichtsvereine, besonders auch in unserer Beilage „Unsere bergische Heimat", ferner des Kölner und Düsseldorfer Geschichtsvereins und dem des Siegkreises sind ungezählt und lohnen eine genaue Registrierung als Quelle bergischer Heimatgeschichte. Seine Forschungen über Wipperfürth, Odenthal und Herrenstrunden fanden ihren Niederschlag in der Geschichte des Dekanates Wipperfürth von Prof. Dr. Peter Opladen. Kleine, aber bedeutsame Broschüren über den französischen und kaiserlichen Friedhof bei Bensberg und die Kommende Herrenstrunden bei Bergisch Gladbach bekunden die Qualität des verstorbenen Forschers Dr. Jux. Seine letzte Veröffentlichung war das Heimatbuch von Hohkeppel, das aus Anlaß des 1000jährigen Bestehens der alten Pfarre Hohkeppel in enger Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Josef Külheim, Lindlar, herausgegeben wurde. Hier sei noch erwähnt, daß die Schaffung des Laurentiuskreuzes als sichtbares Festabzeichen vom Verstorbenen stammt, ein keineswegs unbeachtet bleibender Beweis für die echt christliche, bergische Gesinnung von Dr. Jux.
Wer das Glück hatte, den Menschen Dr. Jux näher kennenzulernen, wird bestätigen müssen, einen für alle Dinge des Lebens aufgeschlossenen Menschen kennengelernt zu haben. Seiner Familie war er ein vorbildlicher Hausvater, seinen Schulkindern ein liebevoller und kenntnisreicher Lehrer und seinen Bekannten herzlicher Freund. Alle, die mit ihm zusammenkamen und arbeiteten, werden ihn für immer vermissen. Sein stets gastfreudiges Haus in Bergisch Gladbach mit den vielen, noch unveröffentlichten Manuskripten (darunter auch die Geschichte von Bergisch Gladbach) wird noch oft Fundstätte für spätere Geschichtsforscher und Volkskundler sein und bleiben.
Der Forscher und Mensch Dr. Jux hat seine Seele seinem Schöpfer wiedergegeben. Sein Leben war Liebe zu seiner angestammten bergischen Heimat, deren Sprache er in seltener Feinfühligkeit zu erleben und zu sprechen verstand. I. Külheim, Lindlar

dahin