Bürgerinitiative „Rettet Refrath vor Verkehr" zählte Fahrzeuge auf der Dolmanstraße



Bürgerinitiative „Rettet Refrath vor Verkehr" zählte Fahrzeuge auf der Dolmanstraße
In der Spitze waren es 2025 Autos
Videofilme ausgewertet — Mehr Lastwagen — „Straße ist in einigen Jahren dicht"

Von Jürgen Koch
Refrath — Spitzenwerte bis zu 2025 Fahrzeuge pro Stunde auf der Dolmanstraße hat eine neue Verkehrszählung der Bürgerinitiative „Rettet Refrath vor Verkehr" ergeben. Die Belastung liegt fast den ganzen Tag über um 1500 Fahrzeuge pro Stunde. Der Lastwagenverkehr ist deutlich angestiegen, im Abstand von wenige Minuten fahren die Lkw auch nachts durch Refrath. Diese Ergebnisse der Verkehrszählung legte die Bürgerinitiative jetzt vor, um ihre Forderung nach einer Umgehungsstraße zu untermauern. Gezählt wurde der Verkehr an der Kreuzung Dolmanstraße/ Bernhard-Eyberg-Straße/ Sandbüchel.
Verkehr aufgezeichnet
Auf einem Balkon war eine Videokamera installiert worden, die am Donnerstag, einem amtlichen Zähltag, 12. Dezember 1985, und am Freitag, 13. Dezember 1985, rund um die Uhr, also 48 Stunden lang, den Verkehr aufzeichnete. Die Videocassetten wurden später ausgewertet, die Fahrzeuge gezählt. Dabei ergab sich die höchste Verkehrsbelastung an dem Donnerstag zwischen 17 und 18 Uhr. 2025 Fahrzeuge rollten in dieser Zeit über die Dolmanstraße, die nach Auskunft der Bürgerinitiative für rund 1700 Fahrzeuge ausgelegt ist. Am Freitag lagen die Werte fast den ganzen Tag lang über 1500 Fahrzeuge.
Zwischen 7 und 17 Uhr fahren durchschnittlich mehr als 200 Lastwagen in der Stunde über die Dolmannstraße, die Spitze liegt bei fast 300. Verglichen und umgerechnet auf die Ergebnissen einer Verkehrszählung der Bürgerinitiative von 1982 — damals wurde zwölf Stunden lang an einem Freitag gezählt —nahm der Verkehr um sieben Prozent zu. Auf gesonderte Lärmmessungen wurde verzichtet, weil die Lärmbelastung aus der Verkehrsdichte errechnet werden kann.
Der Anteil des Lkw-Verkehrs stieg von 10,9 auf 12,3 Prozent. Das entspricht einer Zunahme von 19,8 Prozent. Die Zahl der Personenwagen insgesamt nahm um 6,7 Prozent zu. An dem Donnerstag rollten 23 342, am Freitag 24 350 Fahrzeuge über die Dolmanstraße.
„Der Standort der Verkehrszählung und der hohe Lkw-Anteil beweisen eindeutig, daß auf der Dolmanstraße fast nur Durchgangsverkehr fließt", so Josef Heim von der Bürgerinitiative. Berücksichtige man, daß nachts stündlich zwischen 10 und 15 Lastwagen fahren, dann bedeute dies, daß alle vier bis fünf Minuten die Anwohner vom Lärm eines Lastwagens geweckt werden. Dieter Zippelius: „Die Belastung ist schon jenseits der Schwelle, bis zu der die Leute ohne Gesundheitsschäden leben können".
„Wir haben den ganzen Tag über konstant dichten Verkehr", so Heim zu den Zahlen. Auch zur Mittagszeit könne der Verkehr nicht mehr fließend durchfahren. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, steht in einigen Jahren der Verkehr schon tagsüber", prophezeite Heim.
„Irgendwann werden die Folgen eintreten", meinte Heim, „ob die Politiker das wahrhaben wollen oder nicht". Denn es gebe für die Autofahrer keine Alternative zur Dolmannstraße, die zum Autobahnzubringer geworden sei. Daher hätten Staus auch keinen Abschreckungseffekt.
Verärgert ist die Bürgerinitiative darüber, daß das Gutachten zur Verkehrssituation in Refrath und zu möglichen Trassenführungen einer Umgehungsstraße schon seit Monaten vorliegt, ihnen aber vorenthalten werde. Minister Jochimsen verweise sie an Verkehrsminister Zöpel, dieser an den Landschaftsverband, der das Gutachten noch auswerte. Das sei ein perfektes BlindeKuh-Spiel.
Die Bürgerinitiative glaubt, das Gutachten werde zurückgehalten, um vorher die Abstimmungen in den zuständigen Gremien vorzubereiten, mit dem Ziel, die L 286 n aus dem Landesstraßenbedarfsplan herauszunehmen. Dann, so fürchtet die Bürgerinitiative, werde die Planfeststellung aufgehoben, die Trasse bebaut.
Wind bläßt ins Gesicht
Daß der Wind den Straßenbauern zur Zeit ins Gesicht bläßt, räumt die Bürgerinitiative ein, doch das dürfe nicht zu einer „Totalverweigerung" führen mit der Konsequenz, gesundheitsgefährende Zustände hinzunehmen. „Der Umweltschutz geht soweit, daß der Mensch dabei vergessen wird", meinte Heim.
Die Bürgeriniative ist sicher, daß die Umgehungsstraße gebaut wird — irgendwann. Wenn der Verkehr in Refrath stehe, würden die Politiker sich besinnen. „Die Notwendigkeit der Straße können wir jederzeit nachweisen", sagt die Bürgerinitiative.

VERKEHRSENTWICKLUNG RUF DER DOLMANSTRASSE
1982=100%    1985=107%
UM SIEBEN PROZENT ZUGENOMMEN hat der Verkehr auf der Dolmanstraße. Der Anteil der Lastwagen stieg, so die Bürgerinitiative, auf 12,3 Prozent gegenüber 10,9 Prozent 1982. Damals hatte die Bürgerinitiative ebenfalls den Verkehr gezählt.

VERKEHRSAUFKOMMEN AUF DER DOLMANSTRASSE
SPITZENWERTE bis zu 2025 Fahrzeuge hat die Bürgerinitiative „Rettet Refrath vor Verkehr" auf der Dolmanstraße ermittelt. Die Ergebnisse der Video-Aufzeichnungen wurden in eine Graphik übertragen. Der geschwärzte Teil der Säulen kennzeichnet den Anteil der Lkw am Verkehrsaufkommen.

Quelle: 
KStA-19880321-rn10
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011