Kaputtsaniertes Fachwerkhaus wird verkauft


Kaputtsaniertes Fachwerkhaus wird verkauft
Stadt hat kein Geld für Erhalt

Von Karin M. ErdtmannBergisch
Gladbach — Die Stadt soll das Haus Fischbachstraße 3 in Bensberg verkaufen. Eine entsprechende Empfehlung sprach der Kulturausschuß mit Mehrheit aus. Die denkmalpflegerischen Belange sowie die Vorgaben der Stadt sollen in den Kaufvertrag einfließen. Ferner wird die Verwaltung aufgefordert, dem Bewerber den Vorzug zu geben, der eine Nutzung vorschlägt, „die den kulturpolitischen Interessen der Stadt Rechnung trägt".
Wie Joachim Folkerts (SPD) erklärte, sei seine Fraktion nach wie vor gegen einen Verkauf. „Wir schicken uns an, aus einem der beiden kulturellen und kommunikativen Zentren der Stadt ein Stück herauszubrechen und dem öffentlichen Zugang zu entziehen." Man solle nicht nur aus finantiellen Erwägungen handeln sondern auch nach kulturellen Aspekten sehen. „Es wäre ein Jammer, wenn diese Gebäude verloren ginge. Wir wollen es erhalten, um es zugänglich zu machen." Sein Fraktionskollege Erich Dresbach dachte da beispielsweise an eine Angliederung ans Museum.
„Das Gebäude ist in einem beklagenswerten Zustand, weil es vor einigen Jahren völlig falsch restauriert wurde", meinte Maria Mömkes (CDU) (wir berichteten). Sie sprach sich für den Verkauf an einen privaten Nutzer aus, der dort beispielsweise eine Galerieeinrichten könnte. Eine öffentliche Nutzung würde Sterilität erzeugen. „Es ist aber unabdingbar, daß das Haus entsprechend dem denkmalpflegerischen Wert restauriert wird."
Für einen Verkauf sprachen sich aus Iris Filmer (FDP) und Brigitte Weil (CDU) aus: „Wir haben uns in dieser Stadt kulturell soviel vorgenommen, daß wir gezwungen sind, Schwerpunkte zu setzen." Mario Jorberg (SPD) sah die Dinge indes anders: „Die Stadt entzieht sich ihrer Verpflichtung, Denkmäler zu schützen und gibt ein schlechtes Zeichen, wenn sie aus Kostengründen ein Denkmal veräußert, weil es kaputtsaniert ist."
Eine Lanze für die privaten Eigentümer von Denkmälern brach Ausschußvorsitzende Ruth Niesert (CDU): „Wir sehen ja am Bensberger Schloß, was passiert, wenn die öffentliche Hand Eigentümer ist. Da ist ja noch nicht mal die Mauer in Ordnung. Da warten wir jetzt schon zwei Jahre drauf."
Die Mehrheit stimmte schließlich für den Vorschlag der Verwaltung, die aufgrund der Haushaltslage keine Möglichkeit gesehen hatte, das Baudenkmal in eigener Regie zu sanieren und einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Mittel- bis langfristig müßten andere kulturelle Projekte den Vorrang genießen.
Einstimmig sprach sich der Ausschuß dafür aus, das Gaststättengebäude an der Hauptstraße 316 in die Denkmalliste einzutragen, da das zweigeschossige verschieferte Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf die Eingangstür im Originalzustand erhalten sei.
Ebenfalls einstimmig beschloß der Ausschuß, für die Erneuerung der Fensterläden und der Haustür am Baudenkmal Odenthaler Straße 41 einen Zuschuß in Höhe von 4000 Mark zu gewähren.

Quelle: 
KStA-19880603
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011