Overath geht jetzt in die Reform-Offensive


Overath geht jetzt in die Reform-Offensive
Gemeinde fürchtet um ihren Bestand und will das Sülztal kassieren

Von Waltraud Sax-Demuth
Overath (osd) — Die Overather wollen das Sülztal einkassieren. Sie fürchten für den Bestand ihrer eigenen Gemeinde, wenn der Raum Steinenbrück-Untereschbach der Nachbarstadt Bensberg zugeschlagen werden sollte. Da dieses Gebiet aber 'durch den Königsforst ohnehin von Bensberg getrennt sei, müsse es logischerweise gänzlich zu Overath.
Zwar gehörten die Sülztalorte organisch zusammen, argumentiert man in Overath. Overaths westlichster Teil; Steinenbrück, sei aber unstreitig die Mitte des Sülztales. Eine Abtrennung dieses Gebietes würde praktisch die Auflösung der Gemeinde Overath bedeuten. Und damit der Großgemeinde Aggertal den Weg bahnen, mit der man sich in Overath durchaus nicht abfinden kann. Die Großgemeinde Agger widerspreche auch den Ideen der Landesplanung, die Overath zu einem Entwicklungsschwerpunkt machen wollen.
„Geld nach Bensberg tragen"
Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, in der Oberamtmann König aus den bisherigen Besprechungen über diese Probleme zwischen dem Kreis und den Gemeinden berichtete. Bei diesen Unterhaltungen habe sich gerade in den letzten Tagen ergeben, daß die Vorstellungen der Bezirksregierung in Köln über eine Gebietsreform sich weitgehend mit den Vorstellungen des Oberkreisdirektors decken.
Auf eine konkrete Frage räumte König ein, daß die Kölner Regierung augenscheinlich dazu neige, das Sülztal, der Stadt Bensberg zuzuordnen. Verbitterter Kommentar aus dem Rat: „Was wir also heute in Steinenbrück noch anlegen,das bedeutet Geld nach Bensberg tragen!"
Die Argumente
Die Overather trugen bei den schon erwähnten Besprechungen in jüngster Zeit Oberkreisdirektor Dr. Scholtissek auch die Gründe vor, die ihrer Meinung für einen Anschluß des gesamten Sülztales an Overath sprechen. Das wäre einmal die etwa 900 Jahre alte Geschichte der Gemeinde Overath und ihrer Außenbezirke, die unter anderem auch eine enge kirchliche Bindung an die Muttergemeinde Overath besäßen.
Der künftige Großraum Bergisch Gladbach — Bensberg — Odenthal dürfte sicherlich so viele Eigeninteressen haben, daß das Sülztal darüber zu kurz kommen würde. Die neue Großstadt hätte wahrscheinlich mehr Interesse an der Entwicklung einer City als an der Entwicklung des Sülztales. Schließlich werde das ehrenamtliche Element in der Selbstverwaltung in einem nicht mehr vertretbaren Maße reduziert. Man sehe , keineswegs das Heil in einer „Mini-Gemeinde", doch könne in Overath durchaus eine leistungsfähige Verwaltung aufgebaut werden.
„Aggergemeinde Utopie"
Gegen eine Großgemeinde Agger würde nach Ansicht von Bürgermeister Büscher vor allem die Notwendigkeit sprechen, daß dafür ein neuer Mittelpunkt geschaffen werden müsse. „Mankann natürlich alles machen. Aber angesichts unserer in Jahrhunderten gewachsenen Mittelpunkte ist das doch eine Utopie!"
Nach den im Rat vertretenen Auffassungen sind weder Vilkerath noch Loope geeignet, Mittelpunkte einer solchen Großgemeinde an der Agger zu werden. Zudem sei man in Hohkeppel nicht erbaut von dem Plan, die Gemeinde an Lindlar anzuschließen. Dann wollten die Hohkeppeler schon lieber geschlossen zu Engelskirchen.
Bürgermeister Büscher berichtete über die beabsichtigte Änderung des § 14 der Gemeindeordnung, durch die das Recht der Gemeinden bei Gebietsänderungen erheblich eingeschränkt werden solle. Er sprach dabei die Befürchtung aus, daß man sich einer Verwaltungsdiktatur nähere. Das wiederum veranlaßte ein Ratsmitglied zu der Prognose: „Geschlossen und organisiert wird der Bürger noch eine Rolle spielen!" Daß den Zusammenlegungsabsichten möglicherweise eine „parteipolitische Untergrundbewegung" zugrunde liegen könne, wie es von einem anderen Ratsmitglied teils scherzhaft, teils ernsthaft vermutet wunde, wies der Bürgermeister allerdings entschieden zurück.

Quelle: 
KStA-19670623-rn18
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011