Kunstschätze im Bergischen Land: Wo die älteste Glocke Deutschlands läutet ...


Kunstschätze im Bergischen Land
Wo die älteste Glocke Deutschlands läutet ...
Odenthal, eine Fundgrube alter Kostbarkeiten

Von Annelis Griebler
Odenthal ist, einer der ältesten befestigen Kirchplätze der Gegend. Und so kann man sich wohl kaum an die Vorstellung klammern, daß sich der Name des Ortes trotz so konsequenter christlicher Vergangenheit vom alten Heidengott Odin mit dem Schlapphut ableiten soll. Vielmehr hießen die Ritter, die um 1150 ihre Burg Strauweiler in unmittelbarer Nachbarschaft hauten, „von Udindarne" oder „von Odendarne". Und :lach ihnen wird sich wohl, wie das so üblich war, auch das Dorf dem Namen nach orientiert haben.
Im übrigen brauchen wir Odin, den Einäugigen, auch gar nicht, um in Odenthal das Gruseln zu lernen. Denn „Sie brieten zu Ohnder die Hexen wie Zohnder", hieß es lange Zeit im Volksmund. Und die Sagen erzählen viel grausame Sachen von Scheiterhaufen, Hexensabatten, Foltern, Qualen und Wundern. Odenthal, bzw. Burg Strauweiler, war eben jahrhundertelang Bezirksgericht in zweifacher Form: Es hatte eine Dingbank mit vier Schöffen und ein Landgericht mit sieben Schöffen, das erst 1811 wegen Unrentabilität aufgelöst wurde. Das letzte Opfer des Hexenwahns war dem Vernehmen nach eine 73jährige, die offenbar bei ihren Nachbarn nicht gut gelitten war.
Sie kam 1613 auf den Holzstoß. Das letzte Todesurteil überhaupt wurde 1787 gegen Stephen Kremer, den Schwarzsteffen, in Odenthal gefällt und vollzogen. 1747 hatte man Rad, Galgen und Bock noch. einmal gründlich renoviert, um dem Raubmörder Johann Wilhelm Müller samt seiner Freundin einen standesgemäßen Abgang zu sichern.
Noch eher vielleicht als die Burg wurde die Kirche gebaut. Der Turm ist jedenfalls aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts, ebenso der schöne alte Taufstein — ein achtseitiges Bekken auf kurzem Fuß, umgeben von acht schwarzen Granitsäulen. Außergewöhnlich stilrein mir ihren derben Kämpferkapitälen sind auch die Pfeiler der frühromanischen Basilika.
Gotische Monstranz
Über dem Hauptaltar hängt. ein Corpus Christi aus dem Jahre 1530 — eine edle Gestalt, die aber erst kürzlich zu Ehren kam und vorher jahrzehntelang ,unbeachtet im Garten des Küsterhauses in Wind und Wetter verbannt war. Auf einem Seitenaltar steht ein heiliger Antonius, wohl auch aus annähernd dieser Zeit, mit kindlich demütigem Gesichtsausdruck und großer, ',einfacher Überzeugungskraft.
Von seltener Schönheit neben diesen frühen Arbeiten ist die Monstranz aus dem 15. Jahrhundert: ein feines, spätgotisches Werk mit Strebebögen, Kielbogen und Baldachin, aus vergoldetem Silber. Unter dem Baldachin funkelt ein reiner Kranz von Diamanten. Mit soviel Zierlichkeit kann die Barockmonstranz, obgleich in ihrer Art auch sehr kunstvoll, kaum konkurrieren. Auch sie ist aus Silber mit Vergoldungen. Strahlen und Rankenwerk umgeben die Mitte; dazwischen Gottvater unter einer Krone, die Muttergottes und Engel.
Birnenförmige Glocke
Zwei Weihkessel sind noch Odenthaler Sehenwürdigkeiten -- einer aus Gelbguß, 15. Jahrhundert, mit Engelhalbfiguren an den Henkeln; der andere, jetzt neben dem Portal angebracht, trägt die Inschrift. „Matheus Reuchenhoffen, Pastor in Odenthal, Anno demini 1609", Beide Kessel sind sehr schwer und behäbig, in der Form außerordentlich solide ausgewogen.
Wir sind dann auch noch hinaufgestiegen in den alten Turm, zur ältesten Glocke des ganzen Bundesgebietes. Die Dielen der schmalen Stiegen knarrten, durch die vergitterten Fenster fiel der Blick gedrängt und beengt auf den ehemals befestigten Kirchhof.
Seit dem 12. Jahrhundert hängt diese birnenförmige, würdige kleine Glocke nun hier oben und läutet Tag für Tag — mit einem ganz eigenartigen, schwer zu bestimmenden Klang und Ton.   

DIE ALTESTE GLOCKE!, die noch jeden Sonntag die Gläubigen zur Kirche ruft, befindet sich im Glockenturm zu Odenthal. Rein äußerlich unterscheidet sie sich in der Form von den heute üblichen. Die Glocke stammt aus romanischer Zeit.

Wird fortgesetzt

Quelle: 
KStA-196xxxxx
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011