Kirche kaufte „Gourmet-Tempel"


Kirche kaufte „Gourmet-Tempel"
Der Altenberger Hof und das Alte Brauhaus sind ab 1. November im Besitz des Erzbistums Köln
Die Gastronomie soll erhalten bleiben

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Altenberg — Das Erzbistum Köln wird in Altenberg neuer Eigentümer n gastronomischen Betrie- bei m 1. November gehen zwei mhafte und in der ganzen bergischen Region bekannte Restaurants in seinen Besitz über: das Restaurant Altes Brauhaus und das noble Hotel-Restaurant Altenberger Hof mit der Torschänke. Der bisherige Besitzer Tassilo Graf Wolff Metternich (London) hat die Altenberger Liegenschaften nach längeren Verhandlungen an das Kölner Erzbistum verkauft. In Altenberg soll sich vorläufig jedoch nichts ändern.
Von der Gräflich Wolf Metternichschen Verwaltung in Altenberg, deren Leiter Franz Ruhs ist, wurde der Verkauf auf Anfrage zwar bestätigt. Nähere Einzelheiten wurden jedoch nicht mitgeteilt. Auch die Kaufsumme bleibt „top secret". Daß Verhandlungen zwischen dem Erzbistum und dem bisherigen Besitzer der aus der Altenberger Klosterzeit stammenden Gebäude schwebten, war den eingeweihten Altenbergern „schon lange kein Geheimnis mehr", wie zu erfahren war. „Das hat sich herumgesprochen". Näheres wußte man jedoch nicht. Auch die Evangelische Landeskirche war interessiert, die Gebäude zu erwerben, da die Ortsgemeinde schon seit langem Probleme mit dem Christophorushaus hat, das dringend restauriert werden muß.
Am Ende zeichnete sich indessen ab, daß nur das Erzbistum in Frage kam. Es hat offenbar langfristig Interesse daran, einen Teil für bestimmte Zwecke wie etwa für die Unterbringung der Katholischen Jugendakademie zu nutzen.
Als Vertragspartner hat es sich nach allem, was zu erfahren war, beim Kauf verpflichtet, die Gastronomie im Altenberger Hof zu erhalten, nach den lange vorliegenden Plänen die innere bauliche Umgestaltung durchführen zu lassen und mit der bisherigen Pächterfamilie Herbert Bongard einen langjährigen Pachtvertrag einzugehen.
Renommierter Betrieb
Familie Bongard hat den Altenberger Hof in den vergangenen Jahrzehnten zu einem renommierten Betrieb gemacht, der auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist. Es war bekannt, daß Hotel und der Gourmettempel Altenberger Hof erheblicher Investitionen bedarf, da Renovierungen und Modernisierungen insbesondere im Hotelbereich für notwendig gehalten werden. Die Pläne liegen dafür ebenso vor wie die Baugenehmigung. Es soll sich um Maßnahmen handeln, die rund vier Millionen Mark kosten.
Das Alte Brauhaus, das keinen Hotelbetrieb hat, als Restaurant mit großer Terrasse auch ein Anziehungspunkt war, wird von Hans Joachim Stotzka bewirtschaftet. Ein länger laufender Vertrag mit ihm ist wohl nicht vorgesehen. Doch soll sich zunächst an der Bewirtschaftung nichts ändern. Stotzka war gestern nicht zu erreichen. Auch Herbert Bongard war nicht erreichbar. Exakte Auskünfte waren auch von der Familie nicht zu erhalten. „Für den Altenberger Hof wird sich nichts ändern", hieß es lediglich.
Von den Verkaufsverhandlungen wußte auch die Gemeinde Odenthal, die ein Vorkaufsrecht hatte, aber davon keinen Gebrauch machen konnte. Kommunen sollen keine gastronomischen Betriebe unterhalten. Wie zu erfahren war, hat sich Gemeindedirektor Johannes Maubach jedoch dafür ausgesprochen, daß für Altenberg die gastronomischen Strukturen im Interesse der Wirtschaft der Gemeinde und ihrer Attraktivität erhalten bleiben.
In diesem Sinne hat sich auch der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland und Vizelandrat des Kreises, Jürgen Wilhelm, geäußert. Wilhelm hat nach Kenntnis von den bevorstehenden Veränderungen den Generalvikar des Erzbistums, Norbert Feldhoff, Anfang Oktober um ein Gespräch in dieser Angelegenheit gebeten. „Das Gespräch ist noch nicht zustande gekommen. Ich habe noch keine Antwort auf mein Schreiben erhalten", sagte Wilhelm.
Grundsätzlich vertrat er die Auffassung, daß der Verkauf der Betriebe an das Erzbistum eine Tatsache ist, die man akzeptierenmuß. Aber jetzt sei ein Gespräch erst recht notwendig, damit die Konzeption Altenberg von Gemeinde, Kreis auch vom Erzbistum anerkannt und weitergeführt wird. Altenberg solle Ziel von Bürgern aus der ganzen Region bleiben, die in diesem Tal des Dorns nicht nur die hohen kulturellen und historischen Werte suchen und sehen, sondern die in Altenberg auch die Beschaulichkeit der Gärten und Grünanlagen und eine ruhige und gepflegte Gastronomie genießen wollen.

Sucht Gespräch mit dem Generalvikariat: J. Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung.

Das Alte Brauhaus, ein beliebtes Altenberger Restaurant mit Gartenterrasse und Parkplatz, wurde verkauft. Es geht in Besitz des Erzbistums über. (Bilder: Günter Möllinghoff)

Das Hotel Altenberger Hof hat sich durch seine gute Küche im ganzen Land bei Gourmets einen Ruf erworben. Der neue Eigentümer wird Investitionen zur Modernisierung des Hotels vornehmen.

Quelle: 
KStA-19911019
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011