Die Burg Strauweiler macht schon seit einem halben Jahrtausend Geschichte und Geschichten


Die Burg Strauweiler macht schon seit einem halben Jahrtausend Geschichte und Geschichten
Schloßhandel auf Heiratsmarkt

Nur aus der Ferne läßt das Gebäude Träume an mittelalterliche Zauberei und Spuk aufkommen

Von unserem Redakteur Hans Kloep
Odenthal (hk) — Wie ein verwunschenes Schloß schmiegt sich die Burg Strauweiler zwischen Odenthal und Altenberg in die hügelige Waldlandschaft. Wer es von der Ferne sieht, denkt an Schloßgeister, mittelalterlichem Zauber und Spuk. Aber nur aus der Entfernung. Je näher man dem zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammenden Zinnen der Burg kommt, umso mehr verschwindet auch die Verzauberung des in dieser Gegend einmaligen Bauwerkes. Aus der Nähe ernüchtert das trutzige Gebäude mit seinen fast glatten Fassaden, seiner von Ordnungsliebe geprägten Umgebung. Keine Spinnennetze, kein Moder aus alten Zeiten umgibt die geschichtsträchtige Burg, die heute von der Familie des Prinzen zu Sayn-Witggenstein-Berleburg bewohnt und unter großen finanziellen Opfern für die Nachwelt erhalten wird. Die Familie des Prinzen lebt hier sehr zurückgezogen und läßt sich nicht gerne ins Rampenlicht rücken. Der Verwalter des Anwesens, Baron von Thuemmler, zum „Kölner Stadt-Anzeiger": „Das bitten wir zu respektieren."
Respekt flößt dem Betrachter der gut erhaltenen Burg zweifellos auch die Geschichte des Gebäudes und das gut erhaltene Archiv darüber ein, mit dem sich seit einiger Zeit Dr. Rudolf Brandts, ehemaliger Landesarchivdirektor beim Landschafts Rheinland, Köln, befaßt. Er hatte bereits vor vielen Jahren dem Prinzen versprochen, das Archiv Strauweiler in Ordnung zu bringen. Weil es in der aktiven Zeit nicht klappte, machte Dr. Brandts es jetzt in seinem mit Arbeit reich angefüllten Ruhestand. Ingesamt muß er rund 120 Urkunden sichten, die sich auch mit den anderen beiden Adelsitzen im Odenthaler Raum befassen: mit Haus Osenau und dem Gut Amtmann Scherf.
Von ungeheurem Wert
Die uralten Akten, über die nun Dr. Brandts brütet, entschlüsselt und Zusammenhänge herstellt, sind von ungeheurem Wert. Schwere, zum Teil in Holzkapseln eingelassene Siegel zieren die Dokumente, die von Herzögen und anderen erlaubten Persönlichkeiten unterschrieben sind. Wer vor diesem Archiv steht, spürt den Hauch der Geschichte.
Die älteste Nennung des Hauses Strauweiler stammt von 1467. Die Urkunde befaßt sich mit der Teilung des Familienvermögens zwischen den zwei Brü dern Aelff und Johann Quade. Während Aelff der ältere von den beiden den Besitz in Buschfeld und anderen linksrheinischen Orten sowie in Deutz und Bensberg erhält, bekommt Johann Haus und Wohnung Strauweiler mit Zubehör (Zehnten, Fischereien und Hofgedingen (das Recht, Streitereien zu regeln), außerdem im Kirchspiel Odenthal den Hof Bursbergh, den Hof Lentzbolt und die Höfe Eggen und Kloiberg (Klauberg), ferner je zwei Höfe im Kirchspiel Herkenrath und Burscheid.
Wie man so etwas in damaliger Zeit verbriefte und versiegelte, gibt folgende Kostprobe aus dem Vertrag wieder: "Von allen diesen Höfen, Erben und Gütern, Weingärten, Häusern, Renten und Gülten mit allen ihren Zu- und Zubehörungen als vurgevoitrt und erkleirt steynt`, hat Aelff für sich und seine Erben 'auch Wederumb lutterlichen ind klaiclois myt halme, hande ind monde vertzegen ind vertzyen', kraft dieses Briefes nach Recht und Gewohnheit des Landesvan dem Berghe und der Stadt Köln 'als ich billichen ind zo rechte dorn soulde` in Hände und zu Behuf Johann und dessen Erben und hat sich und seine Erben davon enterbt und Johann und dessen Erben daran an-geerbt zu ewigen Tagen.
Schulden zu bezahlen
Die Brüder Aelff und Johann haben 'sunderlingen Ausschen uns beyden bedadingt`, daß sie die Schulden ihres Vaters und ihrer Mutter, die beide Verstorben sind, soweit sie noch unbezahlt sind, zusammen bezahlen sollen."
Schon zu damaligen Zeiten mußten die Vertragsjuristen alles haargenau festhalten und alles mußte so geregelt werden, daß später Mißverständnisse nicht zu Erbstreitereien führen konnten.
Die erste bekannte Familie auf Strauweiler war die von Vorst, die hier nachweislich im 14. Jahrhundert hier wohnte. Sie war auch in der Gegend von Zündorf begütert. Durch Heirat erhielt dann die Familie Quade (Quadt oder die Quaden), den Besitz, die ihn wiederum durch Heirat an die Familie von Hall abtrat. Dann folgten die Wolff Metternichs, die 300 Jahre, von Juli 1618 bis in die letzten fünfziger Jahre Strauweiler besaßen. Wollf Metternich hat Strauweiler zu Lehen bekommen vom Herzog von Jülich und Berg, denn Strauweiler war ein Bergisches Lehen. Der gleiche Herzog hat gegen 1630 grundherrliche und Gerichtsrechte erhalten. Aus dieser Zeit stammt auch heute noch das große Wald- und Erholungsgebiet neben der Achse Köln-Leverkusen-Düsseldorf.
Die von Halls haben laut vieler Dokumente einen langwierigen Streit mit mit den Äbten des Klosters Altenberg wegen der Fischereirechte ausgetragen. Er begann 1577 und endeten anscheinend 1622, bis: „Die Pfalzneuburgischen Jülich und Bergischen Präsident und Räte beurkunden den in der Streitsache zwischen Abt Godtfried von Zündorf und den Conventualen des Klosters zum Aldenberg einerseits und Heinrich und Degenhardt von Hall zu Strauweiler andererseits wegen etlicher bei dem Hause Strauweiler in den Dhünn aufgerichteten Schlachten, Deiche, Schleusen und Fischquellen durch fürstliche Kommissare vermittelten Vergleich von 1577 und dessen Bestätigung bei hiesiger Kanzler gemäß dem wörtlich angerückten Rezeß von 1596."
Damals spielte die Dhünn mit ihrem Fischreichtum eine große wirtschaftliche Rolle. Aus diesem Grunde ist zu verstehen, daß sich die Kontrahenten oft Vorteile bei der Fischerei verschaffen wollten. In diesem Falle ging es darum, daß die von den Halls errichteten Deiche, eingelegten Sohlen und Steinwerk unverletzt erhalten blieben, die Schleuse wieder hergestellt und ein Brett nicht auf der Schwelle oder Sohle weder auf- gelegt wurde, damit der Fischfang nicht mehr behindert werden konnte. Man schloß zwar diesen Vergleich. Aber immer wieder mußte sich der Abt über die von Halls beschwerden.
Brand und Verwüstungen
Aber auch Brand und Verwüstung ging über Strauweiler her. Erstmals wurde Strauweiler in diesem Zusammenhang erwähnt, als die Kölner 1416 die Burg niederbrannten.
Heute besteht Strauweiler aus drei, im Laufe der Jahrhunderte aneinanderbauten Burghäusern und dem Torhaus. Daälteste Burghaus aus dem 15. Jahrhundert ist daan der Südwestecke gelegene mit den vier runden Ecktürmchen. Einer dieser Ecktürme ist zweigeschossig. Früher befand sich dartin ein Gefängnis, welches nur durch eine mit schweren Eisenriegeln versehene Luke vom Speiher aus erreichbar war.
Im Jahr 1955 wurde Strauweiler renoviert, wobei keine ewesentlichen baulichen Änderungen vorgenommen wurden.
So steht die alte Burg heute in solidem Glanz in der bergischen Landschaft. Aus der Ferne zu wilden Gespenstergeschichten anregend, aus der Nähe aber als ein nüchternes Symbol unserer eit, die zwar altes erhalten möchte, aber keine Zeit mehr um Träumen läßt.

AUF DEN SPUREN DER GESCHICHTE von Strauweiler ist der Bensberger Archivar Dr. Rudolf Brandts, früher Landesarchivdirektor beim Landschaftsverband in Köln. 120 alte Dokumente sichtet und bearbeitet er.

DIE SIEGEL AUS ALTER ZEIT waren oft Kunstwerke. Auch das von H Johann zu Kleve, Jülich und Berg, Graf zu der Mark und Ravensberg, das aus dem Jahre 1529 stammt und Seltenheitswert besitzt.

TRUTZIG RECKT SICH DIE BURG STRAUWEILER in die Höhe. Über fünfhundert Jahr alt sind Teile dieses schönen Gebäudes, das in seiner Schlichtheit aus der Nähe nüchtern wirkt und wenig von den vielen mit ihm verbundenen Schicksale ahnen läßt.
Bilder: Roland U.Neumann

Quelle: 
KStA-19800906-rn13
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011