Ministerium läßt sich „Ilona" Millionen kosten


Interatom will Ende 1989 eine 38 Meter hohe Großversuchsanlage auf dem Werksgelände in Betrieb nehmen
Ministerium läßt sich „Ilona" Millionen kosten
Firma wendet sich neuen Gebieten zu

Von unserer Redakteurin Barbara A. Cepielik
Bensberg – Eine Großversuchsanlage soll Ende 1989 auf dem Interatom-Gelände in Moitzfeld in Betrieb genommen werden. Die Anlage werde – so kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Interatom GmbH, Dr. Claus Berke bei der Bilanzpressekonferenz an –„mit 38 Metern Höhe (ohne Kamin) und 23 Metern Breite ein besonders auffallendes Gebäude auf dem Firmengelände" sein. 18 Millionen Mark kostet die Anlage mit dem Namen „Ilona", 15 Millionen davon schießt das Bundesministerium für Forschung und Technologie zu.
„Ilo " soll ein von Interatom entwickeltes Nachwärmeabfuhrsystem für Brüterkraftwerke testen. Neue Mitarbeiter wird das Unternehmen deswegen jedoch nicht einstellen. Das sei ein „neuer Auftrag, der mit alten Leuten" durchgezogen werde, hieß es. Interatom werde mit „Abstand der drittgrößte Arbeitgeber im Rheinisch-Bergischen Kreis bleiben."
Mitgeteilt wurde auch, daß rund 800 Arbeitsplätze am „Schnellen Brüter" in Kalkar ( „Immer noch unser größtes Projekt") „hängen". Ob der in jemals ganz in Betrieb genommen wird, bleibt dahingestellt.
„Diversifikation"  lautete bei der ahresbilanz-Pressekonferenz siehe auch Bericht im Wirtsc aftsteil) das Hauptstichwort. Das heißt: Auch wenn sich mit der Reaktorforschung unddem Anlagebau zur Zeit noch rund 70 Prozent der Beschäftigten befassen, soll die Arbeit in den nächsten Jahren mehr und mehr auf andere Bereiche umgelenkt werden, die Solartechnik zum Beispiel. Berke: „Fast 30 Prozent unserer Beschäftigten haben mit Gebieten zu tun, die vor zehn Jahren noch nicht existierten". Diese Trend solle weiterverfolgt werden.
Angestrebt ist bis zum Anfag der 90er Jahre eine 50 : 50 Lösung. Das bedeutet: Mitarbeiter, die bislang mit Reaktoren zu tun hatte, werden die Abteilungen wechseln. Von September 1986 bis September 1987 ging die Stammbelegschaft von 1776 um fast 100 auf 1683 Mitarbeiter zurück. Rund die Hälfte dieser Beschäftigten sei bei den Beteiligungsgesellschaften untergekommen, die anderen hätten sich einen neue Arbeitsstelle gesucht beziehungsweise seien im Pensionsalter gewesen, sagte Berke.
Vollgeschäftigung habe es trotz einer Halbierung des Auftragseinganges gegeben. Angesichts der Tatsache, daß kein neues Großprojekt als Auftrag erwartet worden sei, habe man mit einer solche Entwicklung gerechnet. Der Umsatz im dreißigsten Jahr des Interatom-Bestehens lag bei 370 Millionen Mark, 20 Millionen unter dem im Vorjahr. Er soll, so die Schätzung des Unternehmens, 1987/88 auf 500 Millionen ansteigen.
Nach einem Defizit im Jahr 1985/86 von 9,5 Millionen schrieb Interatom auch 1986/87 ein Minus – 12,5 Millionen Mark. Die „Diversifikation", die großen finanziellen Anstrengungen beim Aufbau neuer Geschäftsgebiete habe so viel Geld geschluckt, sagte Berke. Siemens hat diesen Verlust getragen. Das laufende Geschäftsjahr werde aller Voraussicht nach einen „ausgeglichenen Abschluß bringen".
„Zum Gemischtwarenladen" sei Interatom geworden, meinte ein Vorstandssprecher leicht ironisch mit Blick auf die zwei neuen Beteiligungen und die neuen Aufgabenfelder und Bereiche, die im vergangenen Jahr dazugekommen sind. Die Beteiligung an der Siemens Solar GmbH, die sich mit „direkter Stromerzeugung aus Sonnenenergie" beschätigt und der „Sigal", einer Tochter, die im Bereich der Oberflächentechnik Fuß fassen soll, wurden als zwei Beispiele genannt.

IM MODELL silbrig glänzend und schwer zu finden (Pfeil), in natura 38 Meter hoch (ohne Schornstein) – das ist die Großversuchsanlage „Ilona", die Interatom für 18 Millionen Mark plant.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19880317
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011