Fand ein Bagger die alte Burg Berge?


Zwei Meter dicke Mauer freigelegt
Fand ein Bagger die alte Burg Berge?
Reste eines Wohnsitzes des bergischen Grafen

Von Fritz Hinrichs
Altenberg (ki) — Die Greifzähne eines Baggers haben jüngst die Frage nach der Burg Berge bei Altenberg — vor mehr als 800 Jahren Wohnsitz der bergischen Grafen und damit Vorgängerin von Schloß Burg a. d. Wupper — wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt. Nach dem Bau der Altenberger Umgehungsstraße ließ der Prinz zu Sayn-Wittgenstein die Waldungen an der alten Burg durch einen neuen Holzabfuhrweg erschließen, Der Bagger räumte dabei einen Teil des südlichen Berghügels ab und legte eine etwa zwei Meter dicke Mauer frei.
Diese Mauer kann als ein Teilstück einer Außen- oder einer Turmmauer angesprochen werden. Durch den Aufschluß im südlichen Burgbezirk, etwa einen Kilometer westlich vom Altenberger Dom entfernt, bietet sich jetzt eine Chance, die Forschung nach der alten Grafenburg aufzunehmen.
Kein Geld, kein Personal
Inzwischen ist der Vertrauensmann für Bodenaltertümer beim Rheinischen Landesmuseum in Bonn, Dr. Herrenbrod, benachrichtigt worden. Man darf hoffen, daß er einen Weg findet, nicht nur das Interesse an der alten Grafenburg neu zu bleiben, sondern daß auch Ergebnisse zustande kommen, die das Dunkel der Geschichte, das immer noch über dem alten Burgplatz liegt, aufhellen.
Freilich: Allzu große Hoffnungen dürfen in die Grabungen nicht gesetzt werden, weil Geld und Personal fehlen.
Anf dem Hügel westlich des Altenberger Domes ist heute von der alten Burganlage nichts mehr zu erkennen. Anders war das noch vor 140 Jahren, zur Zeit der Gebrüder von Zuccalmaglio, die die Geschichte alter historischer Stätten erforschten. Im zweiten Band der „Vorzeit"von Montanus findet man einen Bericht, in dem es u. a. heißt:
Turm und Gewölbe bleiben
„Wir stehen hier (gemeint ist die Höhe westlich von Altenberg) auf den Ruinen des ältesten Residenzschlosses der Grafen von Berg, welches unserer Heimat den Namen gegeben hat. Der fromme Eberhard und sein Bruder Adolph ließen die Mauersteine des alten Schlosses zum Baumaterial für die neue Niederlassung ausbrechen. Von dem alten Stammschloß blieben nur ein gewaltiger Turm und ein hohes Thorgewölbe stehen. Weil die ganze Ruine des alten Schlosses mit vermodertem Schutte überdeckt ist, und bloß in dem Schutthaufen des östlichen Turmes Steine mit Mörtel und ein Teil eines Fachgewölbes zu Tage liegen, so wird dieser östliche Turm irrtümlich als die ganze Baustelle des weiland hochgerühmten Schlosses gezeigt.
Doch gibt man sich die Mühe, den Felsvorsprung zu überklettern, so findet man deutlich die Ringmauern, die Stellen der einzelnen Türme, der Hauptgebäude und der tiefen Wallgräben, die nach Osten vor dem Burggraben und dem Burggarten und dem Burgweiher das alte Schloß vor dem höheren Büchelsberge abschneiden."
Die Burg war bewohnt
Schon vor rund 30 Jahren suchte und fand Heimatforscher Rektor i.R. Fritz Hinrichs aus Leichlingen auf dem Hügel nahe Altenberg Mauerteile der alten Burg Berg.

Vor etwa 30 Jahren habe ich mir die Mühe, von der Montanus spricht, gemacht. Einzelne Bruchstücke von abgerutschten Mauern fand ich am Steilhang zur Dünn und Scherben von karolingischen Kugeltöpfen und Reste von Pingsdorfer Keramik, die heute im Museum Schloß Burg an der Wupper, ausgestellt sind.

„Wir stehen hier auf den Ruinen des ältesten Residenzschlosses der Grafen von Berg", schrieb einst Montanus. Auf der Anhöhe westlich von Haus Altenberg (im Hintergrund)" sind jüngst Mauerreste freigelegt worden, die die Frage nach der Geschichte der alten Burg Berg wieder ins aktuelle Licht gerückt hat. Wird das Rheinische Landesmuseum in Bonn Geld und Personal haben, hier systematische Grabungen durchzuführen?

Quelle: 
KStA-19670623-rn17
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011