Gemeinde konservierte Mauerrest — Grabungsfeld bewacht


Hunderte besuchten das Grabungsfeld der einstigen Grafenburg Berge im Wald von Altenberg
Ein zweites kostbares Schmuckstück gefunden
Gemeinde konservierte Mauerrest — Grabungsfeld bewacht

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Altenberg – Das Glück war den Ausgräbern von Altenberg noch einmal hold. Kurz vor, Schluß der ersten Grabungskampagne bargen sie beim Buddeln nach der alten Burg der Grafen von Berg und ersten Zisterzienser-Niederlassung (wir berichteten darüber) noch ein weiteres Schmuckstück aus Bronze mit Goldauflage, die teilweise erhalten ist: in einer Schicht von Knochenabfällen. Was es für ein Schmuckstück ist – es mißt etwa zwei Zentimeter im Duchmesser und ähnelt einer Brosche – soll von den Experten im Bonner Landesmuseum untersucht werden. Sicher scheint jedenfalls, daß es mittelalterlich ist, vermutlich aus dem 10./11. Jahrhundert, denn „die Zisterziensermönche als Nachfolger der Grafen auf der Burg hatten so etwas nicht," meinte Grabungsleiter Michael Untermann.
Auch dieser Fund scheint die Annahme von Professor Dr. Günter Binding zu bestätigen, daß die Familie der Grafen von Berg , die nach der Historie auf der Burg residiert hat, nicht zum adeligen Fußvolk zählte, sondern offensichtlich zum hochgestellten Adel gehört haben muß. Das schließt der Kölner Wissenschaftler auch aus der Größe der Burganlage und der Tatsache, daß sie im Gegensatz zur sonst üblichen Bauweise des 10. Jahrhunderts schon ganz aus Steinen errichtet war. Von denen die Mönche allerdings, als sie ihr Kloster im Tal gebaut hatten und umgesiedelt waren (Zisterzienser-Klöster durften nach der Regel des Hl. Bernhard nicht auf Bergen errichtet werden) keinen Stein auf dem anderen gelassen haben. Den Abbruchschutt haben die Mönche nicht weit transportiert, sondern den Abhang damit aufgeschüttet.
Und in eben diesem Schutt, der in den Grabungslöchern sichtbar gemacht ist, wühlt Untermann mit seinem Studententeam von den Universitäten Köln und Bonn, in der Hoffnung, durch Funde über die Burg und ihre früheren Bewohner etwas mehr zu erfahren als die spärliche historische Überlieferung aussagt. Durch Funde wie Glasschlacke, Keramik oder die beiden Schmuckstücke: „In derkurzen Grabunsgzeit von acht Wochen zwei so schöne Stücke zu finden, ist eine große Überraschung für uns." Am Wochenende packen die Studenten ihr Werkzeug wieder ein, um in die Hörsäle zurückzukehren.
Die letzten Tage in der guten frischen Luft in Altenberg waren ausgefüllt mit der Dokumentatation des Grabungsfeldes. Denn die Grabungslöcher werden jetzt wieder zugeschüttet. Da der Grabungsbereich unmittelbar am Weg zum Wildpark liegt, blieb es nicht aus, daß die angehenden Archäologen gelegentlich von neugierigen Spaziergängern Besuch bekamen. Am vergangenen Wochenende kamen mehrere hundert Menschen aus nah und fern, um zu sehen, was von einer Burg übrig geblieben sein könnte.
Wer etwas Handfestes erwartet hatte, wurde freilich enttäuscht. Außer Grabungslöchern und einem kleinen, brüchigen Rest einer Sperrmauer (die Gemeinde Odenthal hat ihn aus konservatorischen- und aus Sicherheitsgründen jetzt neu vermauern lassen), gab es nichts zu sehen. Aber die Informationen , die Michael Untermann, bei mehreren Führungen über die Grabung vermittelte, wurden mit großem Interesse aufgenom men. Die Besucher stellten selbst auch zahlreiche Fragen an den Grabungsleiter. Man glaubte, daß die Römer hier schon ihre Spuren hinterlassen hätten.
Unvermeidlich war freilich auch die Frage nach den Nibelungen, die nach These eines Historikers auf einer Burg über der Dhünn bei Odenthal Station gemacht haben sollen. Professor Binding hatte dazu bemerkt: „Es ist nicht zu erwarten, daß die Archäologie das beweist".
Als Heimatfreund Roth aus Scherf auf Zuccalmaglios Bericht von einem Torbogen an der Burg hinwies, der noch im vergangenen Jahrhundert gestanden haben soll, konnte der Grabungsleiter nur Fehlanzeige melden: „Das muß nicht stimmen." Und als Roth eine vom Kloster überlieferte mittelalterliche Burgskizze präsentierte-„kennen Sie die überhaupt?” -meinte Untermann: „Die hängt bei uns im Bauwagen." Aber trotz solcher Hilfsmittel und Hinweise ist bei den Grabungen bisher kein Stück Burg zutage getreten. Als gesichert anzusehen ist aber durch die Grabung die Tatsache, daß die Burg auf dem genannten Plateau gestanden hat und nicht etwa, wie es mitunter heißt, auf dem Büllsberg. Untermann: „ Dort gab es nur eine Ackerbauterrasse". Vielleicht bringt die weitere Forschungsgrabung im Wald von Altenberg im Herbst doch noch einen Rest der Burg ans Licht. Wer aber meint, er könne inzwischen selbst Archäologe spielen, muß damit rechnen, daß Förster und Polizei ihm das. Handwerk legen.

EIN SCHMUCKSTÜCK aus vergoldeter Bronze wurde nach einer kleinen Bronzefibel auch noch zum Schluß der Grabung unter Knochenabfällen gefunden. Es ist noch nicht identifiziert worden.

MESSLATTE UND ZEICHENBRETT haben Hacke und Schaufel im Grabungsloch ersetzt: Studenten bei der Dokumentation der Grabung in Altenberg.

DER MAUERREST direkt am Felsen ist der bisher einzige Fund eines Teiles der alten, wehrhaften Grafenburg über    Dhünn. Es ist ein Stück Burgmauer und bleibt sichtbar. Damit sich das brüchige Gestein nicht lösen kann, hat die Gemeinde Odenthal es kunstgerecht neu Bilder: Günter Möllinghof.

Quelle: 
KStA-19810409-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011