Verborgene Geschichte - Bodendenkmäler in Bergisch Gladbach 4


Eine Burg, die Macht ausstrahlen sollte
Grafen von Berg errichteten ihre Stammburg bei Altenberg — Anlage thronte auf Felssporn hoch über linkem Ufer der Dhünn — Großer Arbeitsaufwand — Wohnturm stand auf künstlich aufgeschüttetem Hügel

Von unserer Redakteurin Uta Böker
Altenberg — Keine Ruinen, keine Türme, keine tiefen Gräben: Nur wenig deutet daraufhin, daß einst auf dem Felssporn, hoch über dem linken Ufer der Dhünn die Stammburg der Grafen von Berg gethront hat. Die Burg „Berge", Mitte des 11. Jahrhunderts auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel erbaut, gab nicht nur dem Grafengeschlecht, sondern auch dem „Bergischen Land" seinen Namen.
Betritt man heute das Gelände der ehemaligen Burg — es liegt etwa 500 Meter südlich des Klosters Altenberg und ist bequem über einen Waldweg zu erreichen, der von der Hauptverkehrsstraße abzweigt — fällt auf der rechten Seite sofort der Hügel ins Auge, auf dem einst der Wohnturm der Burganlage gestanden hat: „Die exponierte Lage sagt viel über den Entstehungszusammenhang aus", erklärt Michael Gechter, Leiter der Overather Außenstelle des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege.
Das Plateau wird einerseits von zwei Seiten durch hoch aufragende Felsen begrenzt und fällt zur anderen Seite steil zur Dhünn ab. Der Abhang ist so steil, daß die Burg hier von Natur aus geschützt war. Zum Bergrücken hin war das Gelände ursprünglich durch einen Graben geschützt, der beim Bau des Fahrwegs allerdings zerstört wurde. Im übrigen sei die Burg nur schwach befestigt gewesen. Der Bodendenkmalpfleger liefert den Grund gleich hinterher: „Das war eine reine Protzburg." Die Grafen von Berg wollten mit der Anlage in erster Linie politische und wirtschaftliche Macht demonstrieren.
Nach dem Ergebnis einer archäologischen Grabung im Jahre 1981 errichtete Hermann I., Graf von Berg, die Höhenburg Mitte des 11. Jahrhunderts auf dem bis dahin unbewohnten Bergsporn. „In der Umgebung gibt es keine Parallelen", sagt Gechter. Nur das ganze Gegenteil. Im Umkreis findet sich eine Ansammlung von Fliehburgen (Bülsberg, Eichenberg, Erberich), dem bis dahin vorherrschenden Burgtyp, wo Händler und Bevölkerung hinter einem System von Ringwällen Schutz vor feindlichen Übergriffen fanden.
Der neue Burgtyp in Altenberg spreche dafür, daß sich die Machtverhältnisse im 11. Jahrhundert geändert haben müssen. Bis dahin sei das Bergische Land ein unzusammenhängendes Gebilde mit vielen sich bekämpfenden Besitzungen, Freigütern und Herrschaften gewesen. Erst die Grafen von Berg einigten das Land zu einer zusammenhängenden Grafschaft. Deutliches Signal: Die Errrichtung einer Stammburg. „Burg Berg ist die älteste Dynastenburg im Bergischen Land, die wir nachweisen können", sagt Gechter.
Erstaunlich ist der Aufwand, der damals getrieben wurde. Die ursprünglich abgerundete Bergkuppe wurde abgetragen und dafür ein heute noch gut erkennbares zehn bis 30 Meter breites Plateau zwischen die Felsen getrieben. Mit dem Erdreich, das bei den Geländearbeiten anfiel, wurde ein „Sokkel" aufgeschüttet, der zum Dhünntal hin durch eine Stützmauer aus Schieferbruchsteinen gehalten wurde. Beim Rundgang zeigt Gechter säuerlich auf eine freigelegte Ansicht des alten Gemäuers. „Heimatforscher müssen hier am Werk gewesen sein", vermutet er. Die Hobby-Historiker seien sich wohl nicht im klaren darüber, daß die Mauerreste ungeschützt schnell zerbröseln und verwittern.
Auf dem „Erdsockel" — fastsechs Meter über dem großen Plateau — hat der Hauptwohnbau der Burg gestanden. Er war aus Holz gebaut, was für ein Grafengeschlecht zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich gewesen sei. Erst im 12. Jahrhundert, referiert Gechter, residierte der Adel in steinernen Bauten. Die neue Burg der Grafen von Berg, Schloß Burg an der Wupper, für die „Alten"-Berg im Jahr 1133 aufgegeben wurde, war dann auch eine moderne Steinburg.
Die Berger verließen ihre erste Stammburg, weil der Standort aufgrund der veränderten politischen Situation im Rheinland bedeutungslos geworden war. Die Grafen von Berg verlegten ihren Sitz mehr ins Machtzentrum ihrer Grafschaft — nach Wermelskirchen an die Wupper. Zum anderen war die alte Anlage wegen ihrer zahlreichen Holzbauten unmodern geworden.
Graf Adolf I. schenkte seine Burg Zisterziensern, die aus Morimont in Ostfrankreich kamen, um sich im Bergischen Land niederzulassen. Unter großem Arbeitsaufwand trugen die Mönche alle Bauten der Burg ab, nur der Holzwohnturm blieb stehen und diente den Mönchen als erste Wohnung. Mit dem Abbruchschutt wurde das Burgplateau erweitert, so daß genug Platz für Kloster und Kirche geschaffen war.
Doch dann verließen die Mönche um 1145 den Bauplatz von einem Tag auf den anderen: Man entschloß sich das Kloster besser an seinem heutigen Platz im Tal zu errichten. Den Grund kann auch Gechter nur vermuten: „Wahrscheinlich war die Lage unten im Tal einfach bequemer." Alles, was die Mönche an Baumaterial gebrauchen konnten, nahmen sie mit und verwandten es für die neuen Bauten. Womit auch geklärt ist, warum der heutige Besucher auf dem idyllisch gelegenen Gelände keine Ruinen und Türme mehr vorfindet.

Der „Sockel" für den Wohnturm wurde durch eine Stützmauer aus Schief erbruchsteinen gesichert. Vermutlich legten Heimatforscher eine Ansicht der Mauer für De-monstrations-zwecke frei.

Noch heute gut zu erkennen: . Das zwischen zehn und 30 Meter breite Plateau wurde unter hohem Arbeitsaufwand in die Felsen hineingetrieben.
Die ursprünglich gerundete Kuppe des Bergsporns, idyllisch am linken Ufer der Dhünn gelegen, wurde abgetragen, um Platz für einen Burghof zu schaffen. (Bilder: Günter Möllinghoff)

Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel plazierten die Grafen von Berg Mitte des 11. Jahrhunderts den Wohnturm ihrer Stammburg

Quelle: 
KStA-19960118-rn15
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011