Zwei Künstler schufen Abbild Altenbergs



Das Herzstück einer Dauer-Ausstellung
Zwei Künstler schufen Abbild Altenbergs
Materialien selbst gestiftet - 3000 Arbeitsstunden

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bergisch Gladbach (al) — Sie fühlten sich um 700 Jahre zurückversetzt. In Zeiten, als die Zisterzienser in Altenberg Kloster und Abteikirche erbauten. Der Grafiker Viktor Brings (35) und der Maler Franco Campana (25) haben Altenberg, wie es sich heute dem Besucher darbietet, Stein für Stein und Baum für Baum, nachgebaut. Maßstabgerecht, versteht sich, im Maßstab 1:200. Ein halbes Jahr, genau 3000 Arbeitsstunden, haben die beiden für das einzigartige Modell gebraucht. Es war für sie eine Zeit harter Arbeit in ihrer gemeinsamen Modellbauwerkstatt in Deutz. Sie hatten es schwerer als die Mönche, in gewisser Weise. Denn sie besaßen, um Altenberg zu bauen, keine Architektenpläne, keinen Riß von dem gotischen Bauwerk mit seinem Kapellenkranz, wie er für die damalige Zeit neuartig war, nach dem sie arbeiten konnten.
Freilich half ihnen der Geschäftsführer des Altenberger Dom-Vereins, Arno Paffrath, mit Skizzen, alten Ansichten, Zeichnungen, Fotos, Luftbildern aus. Auch die Skizzen, die Baumeister im vergangenen Jahrhundert anfertigten oder die Grabungsskizzen waren für sie wertvolles Material. Aber vor Allem sind sie selbst unzählige Male, wie sie anmerkten, nach Altenberg gepilgert, um die kleinsten Details an Ort und Stelle zu studieren, „um dahinter zu kommen".
Die beiden Künstler, Brings war mehrere Jahre Lehrer an der Kölner Werkschule, während sein Kollege Campana noch heute dort studiert, haben schon manches Modell, etwa fürs Fernsehen oder für andere Auftraggeber gebaut. Altenberg war für sie die bisher größte und schwierigste Aufgabe. Denn nicht nur auf die Detailtreue in der Architektur kam es wesentlich an, sondern auch auf das gesamte Orts- und Landschaftsbild. Sie konnten dafür nicht in eine Modellkiste nach Art der Modelleisenbahner greifen, sondern haben alles neu geschaffen, „aus Naturprodukten" wie sie betonen.
Sie verwendeten Holz, Schaumstoff für die Berge, der mit Gips ausgefüllt wurde, Petersilie für die Bäume, Zimt und Muskatnuß für die braune Erde in den Gärten Altensbergs, Fliederblüten, gefärbte Sägespäne, Dillspitzen, Schleifpapier (für die Straßen). Die herrlichen Domfenster mit ihrem reichen Maßwerk wurden aus einer Silikosekautschukmasse gegossen, Astralonfolie ersetzt das mittelalterliche Glas der Fenster im Chorumgang des Nord- und des Westfensters, das mit 18 mal 18 Metern das größte Kirchenfenster in Deutschland ist. „Es mußte alles aussehen wie in der Natur", sagten die Modellbauer.
Das tut es denn auch: Auf dem Foto ist kaum auszumachen, daß es sich um ein Modell handelt. Die umgebenden Waldhänge, das Bett der Dhünn (mit richtigen Kieseln und Steinen), die Wiesen in unterschiedlicher Färbung, die Felder, Gemüsegärten und Blumenbeete, die Parkplätze und Innenhöfe, alles ist wie in der Wirklichkeit. Das gilt freilich auch für die Häuser rund um die Abteikirche, für den Gutshof mit seinen Silos, die Markuskapelle, die Gasthöfe, das Pfarrhaus, die Bauten von Haus Altenberg und die! ehemalige in der Dhünn-Aue gelegene Orangerie, heute Wohnung des Dom-Organisten Paul Wißkirchen. Kleinste Details sind sorgfältig beachtet und ausgearbeitet; das barocke Klostertor mit der Marienfigur, der Turmhahn auf dem Dom, die Blumenkübel entlang dem Dom-Vorplatz, die Verkündigungsgruppe über dem Westportal und die Färbung und Struktur des für den Dombau verwendeten Sandsteins, die mit einem Pinsel und ausgeklügelten Farben erzielt wurden.
Jetzt, nachdem das Werk vollendet und gelungen ist, verhehlen Brings-Campana nicht, daß sie manchmal „in helle Verzweiflung" geraten sind. Eins der größten Probleme, so berichteten sie, war die Erstellung des Domchores mit dem Kapellenkranz: „Wir haben selber in Altenberg jede einzelne Säule, jeden Bogen, jeden Wasserspeier, ja beinahe jeden Stein gezählt." Die Aufgabe, die Tiftelei, die Suche nach den natürlichsten Materialien, das Experimentieren hat ihnen aber auch viel Spaß gemacht, geben sie zu: „Es war eine schöne kreative Aufgabe. Wir haben auch viel dabei gelernt," Herzstück der Ausstellung
Ihr Werk ist etwas, auf das sie mit Stolz blicken können. Etwas zum Vorzeigen. Das wird der Altenberger Dom-Verein in absehbarer Zeit besorgen. Das neue Altenberg-Modell, das vor wenigen Tag'en im schönen, lichten Kuppel-Raum im obersten Geschoß der Villa Zanders, dem Domizil des Altenberger Dom-Vereins, aufgebaut wurde, ist als das Herzstück einer ständigen Altenberg-Ausstellung in diesem Raum gedacht. Sie soll, so Geschäftsführer Arno Paffrath, sukzessive aufgebaut werden. Auch dafür habe die Ausstellung „Altenberg im 19. Jahrhundert" den Anstoß gegeben.
Gruppen von 15 bis 20 Personen, auch Schulklassen, sollen Gelegenheit erhalten, wenn altes einmal fertig ist, diese Dauer-Ausstellung zu besuchen. In Verbindung mit der Bibliothek des ADV, in Verbindung auch mit' dem angrenzenden Maria Zanders gewidmeten Raum (sie hat den Altenberger Dom-Verein 1894 gegründet) wird die geplante Ausstellung über Altenberg ein weiterer bedeutungsvoller kultureller Aktivposten in der Kunststätte der Villa Zanders, in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis.

WIRKLICHKEIT ODER NUR EIN MODELL? Altenberg wurde maßstabgetreu 1 : 200 von zwei Künstlern für eine kommende Dauerausstellung im Modell nachgebaut..    Bilder: Roland U. Neumann

DEN DOM AUF DER HAND hat Franco Campana (links), um ihn als letztes Stück ins Modell einzusetzen. Sein Kollege Viktor Brings (zweiter von rechts) paßt auf, daß nichts kaputt geht. ADVGeschäftsführer Arno Paffrath (rechts) ist glücklich über das große Werk.

Quelle: 
KStA-19790722
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011