Nach der Restaurierung: Im Dom leuchten wieder Farben


Nach der Restaurierung: Im Dom leuchten wieder Farben
Französisches Kloster war Vorbild

Von Wilhelm Becker
Altenberg (dwb) — „Wir haben keinen weißen, sondern einen farbigen Dom", mit einem Farbspiel, das sehr nuanciert ist." So umriß Amtsrestaurator Glaise bei einer Führung von Mitgliedern des Altenberger-Dom-Vereins e. V. die wichtigsten sichtbaren Veränderungen nach der Restauration des Domes. Uberwiegend Grautöne, aber auch leuchtendes Rot, Blau und Gold sowie die Farben Schwarz und Weiß haben den Innenraum entscheidend verändert. In mühseliger Forschungsarbeit wurden vor Beginn der Restaurierungsarbeiten die Original farbigen Dom, mit einem Farbspiel, das sehr nuanciert ist." So umriß 19. Jahrhundert — beseitigt.
Landesoberbaurat und Konservator Dr. Ing. Günther Borchers gab den Mitgliedern des Altenberger-DomVereins einen Einblick in die umfangreichen Vorarbeiten zur nun fast abgeschlossenen Restaurierung. Nach der Entdeckung der ersten Risse im Mauerwerk des Domes durch Domführer Heinen habe man zuerst eine wissenschaftliche Grundlage für die Restaurierung schaffen müssen.
Vorher romanische Kirche
Diese wissenschaftliche Arbeit habe sich auf fünf Abschnitte erstreckt:
1. Baugeschichte und Bauablauf,
2. Klärung der Frage, ob die Eingriffe des 19. Jahrhunderts zu rechtfertigen seien oder nicht, 3. Statische Klärung der Schäden, 4. Frage der farbigen Fassung des Domes und 5. Restaurierung der Glasfenster.
Zur Baugeschichte faßte Dr. Borchers kurz zusammen: Unter dem gotischen Dorn habe man den Grundriß einer romanischen Kirche gefunden. Nach dem großen Brand im Jahr 1815 stürzten Teile des Altenberger Doms ein (Teile der Vierung, des Chors und des südlichen Querschiffs). Die eingestürzten Teile wurden im 19. Jahrhundert in subjektiver Interpretation dieser Zeit wiederaufgebaut. So- habe man, wie Dr. Borchers sagte, im 19. Jahrhundert als Chordach ein gefälteltes Dach und nicht, wie ursprünglich vorhanden, ein Pultdach errichtet.
Die heutige Restaurierung sei von einem möglichst sachlichen Befund ausgegangen. So sei bei den Forschungsarbeiten die Meinung widerlegt worden, daß der Altenberger Dom in Anlehnung an den Kölner Dom gebaut wurde. In Wirklichkeit sei ein französisches Zisterzienserkloster Vorbild für den Bau des Altenberger Domes gewesen.
Rote und grüne Kapitelle
Bei den statischen Untersuchungen sei festgestellt worden, daß der Untergrund unbeschädigt gewesensei. Die bautechnischen Fehler konnten also nur in den Gewölben liegen. Durch die fehlende Auflast des Dachstuhls nach dem Brand zu Beginn des 19. Jahrhunderts, so erklärte Dr. Borchers, habe sich das Gewölbe gelockert. Durch die Spanndrähte seien die Gewölbe jetzt endgültig gesichert.
Den farbigen Befund stellten die Restauratoren in gut erhaltenem Zustand vor allem in den ersten beiden Jochen des Langhauses fest. Im Chor wurde die rote und grüne Färbung der Kapitelle wiederentdeckt. Nach sorgfältigen Überlegungen entschloß man sich, diese Farbfragmente nicht nur stehenzulassen, sondern den ganzen Kirchbau in diesem Originalstil wiederherzurichten. Dr. Borchers nannte diese Art des zisterziensischen Kirchenbaus mit seiner zurückhaltenden Farbgebung eine großartige Architektur, deren vertikale Tendenz durch die Farbgebung eine zusätzliche Ausrichtung auf die Schlußsteine und die Manschetten der Gewölberippen erfahre.
Mit der gleichen Sorgfalt wie bei der Restaurierung des Bauwerks gingen die Restauratoren bei der Säuberung und Instandsetzung der Fenster vor. Ohne die Farben anzutasten, wurden nur die Korrosionsschichten mechanisch abgenommen.
Die Erklärungen von Amtsrestaurator Glaise bei der Führung durch den Dorn verdeutlichten die enorme, wissenschaftlich exakte Kleinarbeit, die geleistet wurde, um das herrliche gotische Bauwerk in seiner Originalform wiederherzustellen.
Den Mitgliedern des Altenberger-Dom-Vereins erläuterte Landesmuseumsrat Dr. Borchers nach einem Rundgang durch den Bergischen Dom die während der letzten Monate durchgeführten Renovierungsarbeiten.    Bild: Kraemer

Quelle: 
KStA-19660627-s4
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011