Fünfzig Mitarbeiter der Stadtkämmerei mußten gestern die Bensberger Bürgerburg räumen


Fünfzig Mitarbeiter der Stadtkämmerei mußten gestern die Bensberger Bürgerburg räumen
Umzug in den Zweckbau
Auch der Dezernent packte seine Siebensachen eigenhändig ein

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Bensberg – Nicht nur der Himmel weinte, als gestern rund 50 Bedienstete der Bergisch Gladbacher Stadtkämmerei aus dem Rathaus am Wilhelm-Wagener-Platz ins Grüne, in ein Gebäude der Firma Interatom an der Friedrich-Ebert-Straße umzogen. Da mag mancher Mitarbeiter heimlich eine Träne im Knopfloch zerdrückt haben, der aus seinem Büro in der weltberühmten Bensberger Bürgerburg in den nüchternen Zweckbau eines privatwirtschaftlich organisierten Technologiebetriebs umziehen mußte.
Noch leeres Dienstzimmer
„Mir macht das nichts aus", meinte gestern mittag Stadtkämmerer Michael Kotulla und sah sich in seinem neuen, bis auf ein Cheftelefon mit einem runden Dutzend Knöpfen noch leeren Dienstzimmer um. „Ich habe schon in vielen Büros gearbeitet. Für die Kolleginnen und Kollegen, die damals in das neuerbaute Bensberger Rathaus eingezogen sind, mag der Umzug heute mit besonderen Emotionen verbunden sein. Aber so etwas läßt sich nun mal nicht ändern."
Mehr als der Umzug berührte den Kämmerer die Tatsache, daß er nicht mit dem neuen Telefongerät zurechtkam. Und mit auf dem Rücken gefalteten Händen untätig in seinem noch leeren Dienstzimmer stehen sieht man ihn sicher auch nicht oft. Allerdings hatte er vorher schon beim Packen seiner Siebensachen, beim Verstauen von Akten im bisherigen Büro im Bensberger Rathaus, selbst mit angepackt; dort wird Baudezernent Gerhard Daubendiek einziehen.
Kotulla wartete gestern wie rund 50 von 80 Mitarbeitern seines Dezernats darauf, daß endlich die gepackten Kartons von der beauftragten Möbelspedition angeliefert wurden. Der Kämme-rer hat es nämlich eilig, noch vor seinem Sommerurlaub den Nachtragshaushaltsplanentwurf fertigzustellen.
Augenscheinlich einziger „Arbeiter" in den neuen Räumen der Kämmerei war gestern, kurz vor Mittag, neben den Profis einer Möbelspedition der stellvertretende Leiter der Haushaltsabteilung und Protokollführer im Finanzausschuß, Harald Schäfer. In seinem neuen Arbeitszimmer stand wenigstens schon der Schreibtisch und ein Stuhl, so daß er mit einigen handschriftlichen Notizen auf dem Tisch und einem Diktiergerät in der Hand schon gestern das Protokoll der Finanzausschußsondersitzung vom Dienstagabend auf Band diktieren konnte. Die Sitzung war, wie berichtet, im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf der „Paffrather Mühle" erforderlich geworden.
Der Umzug von Bediensteten der Stadtverwaltung wurde, wie berichtet, erforderlich, weil sowohl die Rathäuser in Bensberg und Gladbach als auch die beiden Gladbacher Stadthäuser aus den Nähten zu platzen drohen.
Neues Amt wer Auslöser
Die vom Rat beschlossene Einrichtung des neuen Amtes für Umweltschutz und Stadtentwicklung veranlaßte endgültig die Anmietung neuer Räume und löste so den gestern begonnenen Umzug auf 2050 Quadratmeter Bürofläche in vier Etagen des ehemaligen Interatom-Gebäudes aus, der sich durch frei werdende Büroräume in anderen städtischen Verwaltungsgebäuden wie eine Kettenreaktion auch auf viele weitere Mitarbeiter auswirkt. Zu Interatom, an die Peripherie der Stadt, ausgelagert wurden oder werden noch – der Umzug wird am Montag, 16. Juli, mit dem Kassen- und Steueramt fortgesetzt – die Stadtkämmerei, das Amt für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung, das Amt für Umweltschutz und Stadtentwicklung  sowie der Stadtkämmerer.
Bis zum Umzugsbeginn war eine Vorbereitungszeit von mehreren Wochen nötig. Innenwände wurden versetzt, um Büroräume den neuen Anforderungen zu teilen, zu vergrößern oder zu verkleinern. Ein Zaun mußte zwischen dem verbleibenden privaten Firmengelände und dem Gelände der öffentlichen Verwaltungseinrichtungen, zu denen jeder Bürger Zugang haben muß, gezogen werden. Noch fehlt so einiges. Der Zugang zum neuen Bergisch Gladbacher Verwaltungsgebäude an der Friedrich-Ebert-Straße liegt versteckt.
Bescheidener Hinweis
Der Bürger erreicht ihn, wenn er von der Friedrich-Ebert-Straße aus, unterhalb der Zufahrt zur Firma Interatom, der Beschilderung zum Autowandererparkplatz nahe der Fußgängerbrücke über die Autobahn Köln-Olpe zum Königsforst hin folgt. Geradezu bescheiden nimmt sich das Schild am Grundstückseingng aus, das auf die Existenz der städtischen Einrichtungen aufmerksam machen soll.
Immerhin: Gestern steckten schon die lokalen Tageszeitungen im Briefkasten unter dem Schild. Da der Kasten klein ist, es draußen permanent regnete und bis Mittag anscheinend niemand auf die Zeitungen aufmerksam geworden war, dürften sie kaum noch lesenswert gewesen sein. Der Kämmerer allerdings freute sich, als er erfuhr, wo sie steckten, hatte er doch dafür gesorgt, daß ab gestern das neue Verwaltungsgebäude an der Friedrich-Ebert-Straße auch mit den beiden Tageszeitungen beliefert wird.

AUCH DEZERNENT MICHAEL KOTULLA mußte seine Siebensachen im Bensberger Rathaus selber einpacken, als er gestern in neue Diensträume auf dem Interatom-Gelände umzog.

ERSTER „ARBEITER" am neuen Arbeitsplatz im Grünen war gestern mittag allem Anschein nach der Protokollführer des Finanzausschusses, Harald Schäfer.    Bilder: Herbert Diethold

Quelle: 
KStA-19900706
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011