Feierlich, kritisch und familiär: Festakt zum 25jährigen Bestehen des Otto-Hahn-Gymnasiums


Feierlich, kritisch und familiär: Festakt zum 25jährigen Bestehen des Otto-Hahn-Gymnasiums
Ein Urwald im Schulzentrum
Renaissance der Allgemeinbildung gefordert

Von Stefanie Geiger
Bensberg — Hoch oben in den ausladenden Asten eines Dschungelbaums kauerte der Affe und schien das Rednerpult in der Zentralhalle der OttoHahn-Schule immer im Blickfeld zu behalten. Die Gefahr, angesprungen zu werden, bestand für die vier Redner, die in einem Festakt die Jubiläumswoche für das 25jährige Bestehen des OttoHahn-Gymnasiums einleiteten, jedoch nicht; obwohl lebensgroß und täuschend echt, hinderte den Primaten seine Pappmachékonsistenz.
Mit Liebe zum Detail
Die 600 bis 700 Gäste, darunter ehemalige Lehrer, alte und „frische" Schülerjahrgänge und viele Eltern, die sowohl dem Schulorchester. als auch den Festvorträgen lauschen wollten, fanden sich inmitten einer bunten Urwaldlandschaft wieder. Mit viel Liebe zum Detail hatten Schülerinnen und Schüler unter der Aufsicht ihrer Kunstlehrerinnen Johanna Wichert und Karin Flick tragende Säulen in Brotbäume verwandelt, Treppengeländer als Rastplatz fürschillernde Schmetterlinge genutzt und die Flure zu idealen Schlafstellen für Leguane erkoren.
Diese farbenprächtige Umgebung zeigt, daß der Anspruch, den Schulleiter Franz-Josef Spiegel an das einst rein mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Gymnasium stellt, eine ganzheitliche Erziehung zu verwirklichen, in der auch die künstlerischen Fächer ihren Platz haben, voll eingelöst wurde.
Ganzheitliche Erziehung, eine interdisziplinäre Betrachtungsweise und ein breiter Fundus an Allgemeinbildung waren die Antworten der Redner auf die Fragen der Zukunft.
Auch Dr. Günter Siefarth plädierte in seinem Festvortrag für eine „Renaissance der schon verstaubten Allgemeinbildung", denn nur eine Ausbildung, die kritisches Denken und begründetes Urteilen ermöglicht, gebe den Schülern das Rüstzeug für die auf sie zukommenden Anforderungen.
Auch kritische Töne
Neben vielen Gruß- und Dankesworten, waren auch kritische Töne zu hören. Siefarth informierte aus einer aktuellen Statistik, daß im letzten Schuljahr in Nordrhein-Westfalen pro Woche 120000 Unterrichtsstunden ausgefallen seien.
Die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Ilse Schmoechel, sprach die direkte Situation am Otto-Hahn-Gymnasium an: Sechs Lehrer des rund 70 Personen starken Kollegiums haben infolge von Pensionierungen oder Versetzungen die Schule verlassen. Bis heute hat die Seile dafür keinen Ersatz bekommen. Diesen Mißstand zu ändern, appellierte sie an die auch teilweise im Auditorium vertretenen Politiker.
Neben dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Patenfirma Interatom, Dr. Claus Berke, konnte Schulleiter Franz-Josef Spiegel auch den stellvertretenden Bürgermeister, Franz Heinrich Krey begrüßen. Der Parlamentarier betonte die Wichtigkeit der Schule für eine funktionierende Infrastruktur Bergisch Gladbachs, überbrachte die besten Grüße von Rat und Verwaltung und überreichte dem Schulleiter symblisch ein kleines „Geburtstagsgeschenk".
Spiegel bedankte sich bei allen ehemaligen Lehrern, die die Schule mit aufgebaut haben. Ein schönes Beispiel, wie verbunden sich manch ehemaliger Lehrer noch mit seiner Schule fühlt, war der in einer Ecke aufgebaute Orchideengarten. Harald Baggeler, pensionierter Biologielehrer und Hobbyorchideenzüchter, hatte die Pflanzen aus seinem Treibhaus in die Zentralhalle gebracht und dort mit Bruchsteinen und Grünzeug zu einem eindrucksvollen Ensemble dekoriert.
Ein Schritt in Richtung einer ganzheitlichen Lern- und Lehrmethode, bei der nicht ein tiefer Schacht in einem Spezialgebiet gebohrt werden soll, sondern auch nach rechts und links ausgeschert wird, ist die Projektar- beit, die während der Jubiläums- woche den normalen Unterricht ersetzt.
„Kritik- und Phantasiephase"
Diese Projektarbeit ist, wie Schülersprecher Carsten Krause betonte, allein von der Schülervertretung initiiert und organisiert worden. Unter ihrem breit-gefaßten Motto „Schule der Zukunft — Ängste und Hoffnungen" sollen Themen wie Abfall, Aggressionen oder Autorität angesprochen werden. Die Schülervertretung plant eine „Kritikphase", in der Probleme erkannt und beschrieben werden sollen. Die folgende „Phantasiephase" zeigt phantastische Lösungsvorschläge auf, die in der abschließenden „Verwirklichungsphase" auf ihre Durchsetzbarkeit hin überprüft werden.
In Anschluß an den Festakt eröffnete Reinhard Schumacher eine Kunstausstellung mit Werken von sieben ehemaligen Schülern, die, teilweise nach langen Umwegen, den „Künstlerberuf" gewählt haben. Rüdiger Haertwig, Studiendirektor und Leiter des Festausschusses war froh, daß alles gut gelaufen war: „Es war nicht einfach, die verschiedenen Wünsche unter einen Hut zu bringen. Künstler sind ein ganz eigenes Völkchen."
Das Fest, das wie Wilfried Funken mitteilte, hauptsächlich aus Spenden finanziert wurde, war durch und durch gelungen. Eine Mutter meinte beim Hinausgehen treffend, „genau die richtige Mischung zwischen Feierlichkeiten, kritischen Gedanken und familiärer Atmosphäre." Auch ihr Sohn Peter war zufrieden: „Ich hab' ganz doll bei der Dekoration mitgeholfen, die ganzen Urwaldblätter sind von mir ausgeschnitten."

FÜR EINE RENAISSANCE der Allgemeinbildung plädierte Festreferent Dr. Günter Siefarth beim gut besuchten Festakt in der Zentralhalle des Otto-Hahn-Gymnasiums.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19900910
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011